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Die Gästeführerinnen Jo Ator, Camille Alcaraz, Tuula Savastano, Verena Röse und Marli Candido da Silva Bruns (v.l.) führen durch Frankfurt.

Weltgästeführertag

In fünf Sprachen: Außergewöhnliche Rundgänge durch Frankfurts Geschichte

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Zum Weltgästeführertag bieten die Frankfurter Gästeführer erstmals Rundgänge in fünf Sprachen an. Der Schwerpunkt liegt auf der Reformation und dem ständigen baulichen und gesellschaftlichen Wandel in Frankfurt.

Mit der Reformation begann die Neuzeit in Frankfurt, der Kampf um Kirchen, Konfessionen, die Messe und die Königswahlen. Bald darauf kamen die ersten Glaubensflüchtlinge aus Europa. „Dass Frankfurt von Katholiken und Protestanten geprägt wurde, muss man den Finnen, die aus einem weitgehend lutherischen Staat kommen, erstmal klarmachen“, sagt die Gästeführerin Tuula Savastano. „Und nach dem Krieg prägten US-amerikanische Soldaten die Kaiserstraße, während in Frankfurt die Einführung der D-Mark vorbereitet wurde“, stellt ihre Kollegin Jo Ator fest.

Jo Ator und Tuula Savastano halten als zertifizierte Gästeführerinnen der Stadt Frankfurt die Führungen in ihrer Muttersprache. Hinzu kommen, passend zum diesjährigen bundesweiten Leitthema „Reform-Zeit der Veränderung!“ zum Weltgästeführertag zugunsten des Kältebusses des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten, weitere Rundgänge der Kollegen über den Frankfurter Glaubens-, Gesellschafts- und Architekturwandel in Englisch, Französisch, Spanisch und natürlich in Deutsch. Ein Blick in das Programmheft des Weltgästeführertages zeigt, dass kaum eine andere deutsche Stadt eine vergleichbare Zahl an Führungen mit dieser Sprach- und Themenvielfalt anbietet.

Doch während Ator für ihren Rundgang eine weit verbreitete Zweit- und Schulsprache anbietet, setzt Savastano eher auf ihre Landsleute am Main. „Immerhin leben rund 1700 Finnen in Frankfurt, in unserer Gemeinde und Schule habe ich viel geworben. Ihren Rundgang zum „Wandel in der tollen Stadt Frankfurt“ bietet sie heute, Samstag, um 12 Uhr an der Alten Nikolaikirche am Gerechtigkeitsbrunnen an.

Den Auftakt machen jeweils um 10 Uhr am Gerechtigkeitsbrunnen Clemens Hoh mit seinem Rundgang „Rund um die Altstadt – Veränderungen in Frankfurt von 1400 bis heute“ und Marli Candido da Silva Bruns: Auf den Spuren von Katharina von Bora wandelt sie heute und morgen zur gleichen Zeit. „Ich möchte die Reformationsgeschichte Frankfurts gerne aus der Sicht von Luthers Ehefrau auf Spanisch erzählen“, sagt Silva Bruns.

In dieser Rolle wird sie auch auftreten und ihren Teilnehmern erklären, wie die einstige Nonne das Leben des Reformators bestimmte, der seinen Schüler Hartmann Ibach 1522 in der Katharinenkirche predigen ließ.

Folgerichtig widmet sich die Französin Camille Alcaraz in ihrer Muttersprache Luther und den französischen Glaubensflüchtlingen, die man meist als „Hugenotten“ kennt: „Die kamen erst 1685 ins Rhein-Main-Gebiet, doch schon 1554 kamen Wallonen aus dem heutigen frankophonen Belgien nach Frankfurt“, erklärt sie. Ihre einstündige Führung beginnt am heutigen Samstag um 15 Uhr an der Alten Nikolaikirche und führt über die Bethmann Bank, wo früher das Gasthaus „Zum Strauß“ stand, indem Luther übernachtete, und die Katharinenkirche zum Goetheplatz: Hier war die Französisch-Reformierte Gemeinde zu Hause, die nach der Zerstörung ihrer Kirche im Krieg an den Dornbusch zog.

Neben Jo Ator, die heute von 13 bis 14.30 Uhr ab dem Hauptbahnhof (Touristeninformation) die Veränderungen erklärt, die in Frankfurt die neue Bundesrepublik auf den Weg brachten, führt Isabel Bergen am Sonntag von 14 bis 15 Uhr ebenfalls auf Englisch ab dem Dom über verschiedene Reformen, in der Altstadt Frankfurts in der Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

„Frankfurt, Reformation und Flucht in der Renaissance“ heißt das Führungsthema von Michael Luh heute um 12.30 Uhr ab dem Börsenplatz vor der Skulptur „Bulle und Bär“. Andrea Maschke startet um 14 Uhr an der Paulskirche und beleuchtet weitere Geschichten über die Reformation in Frankfurt unter dem Titel „Als die Franziskaner protestantisch wurden. Geschichten rund um die Reformation in Frankfurt“.

Der Weltgästeführertag wurde anlässlich der Gründung des Weltverbands der Gästeführer ins Leben gerufen und wird seit 1990 am 21. Februar begangen. Seit 1999 werden vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland passende Wochenendführungen organisiert. „Das ist für uns eine Spielwiese zum Ausprobieren, welche Führungen wir regulär anbieten könnten“, sagt Verena Röse. Sie startet am Sonntag um 11 Uhr vor dem Taunusturm am Taunustor 1 ihre Tour „Das einzig Stetige ist der Wandel. Die aktuellen Bauprojekte der Frankfurter Innenstadt“ und stellt die neuen Baustellen am Metzler- und am Degussa-Areal vor, ehe sie sich der „Neuen Altstadt“ widmet: „Frankfurt hat die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden“, ist Röse überzeugt.

Zu weiteren Themen führt Sascha Stefan Ruehlow am heutigen Samstag um 15 Uhr über die Geschichte des Judentums vom Ghetto bis in die Gegenwart ab dem Museum Judengasse und ab 17 Uhr über den Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer ab dem Polizeigewahrsam Klapperfeld. Unter dem Motto „Zeit für Veränderungen im Frankfurter Westen“ führt Annette Evens mit dem Fahrrad am Sonntag um 11 Uhr ab dem Frankfurter Rebstockbad.

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