Im August 1946 herrschte am Bahnhof Eschersheim reges Treiben.
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Im August 1946 herrschte am Bahnhof Eschersheim reges Treiben.

Jubiläums-Serie

Für den alten Bahnhof ist der Zug längst abgefahren

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute der Bahnhof Eschersheim.

Es ist August 1946, über ein Jahr ist der Zweite Weltkrieg nun schon vorbei. Regelmäßig hält mittlerweile auch am Bahnhof Eschersheim wieder ein Zug. Noch mit Dampf betrieben, denn elektrifiziert wurde die Main-Weser-Bahn zwischen Kassel und Frankfurt erst in den 1960er Jahren. Hält ein Zug in Eschersheim, dann sind die Bahnsteige stets voll, zahlreiche Menschen steigen ein oder aus. "Reisende und Hamsterer auf dem Bahnhof Eschersheim" lautet der Titel des Bildes aus dem Archiv des Instituts für Stadtgeschichte. Via Fußgängerbrücke gehen die Passagiere über die Schienen in Richtung Ausgang, der im Bahnhofsgebäude liegt. Dies wurde 1877, als das damalige noch eigenständige Dorf einen Halt an der Strecke erhielt, im neoklassizistischen Stil gebaut.

Dieses Gebäude gibt es bis heute. Und auch die Fußgängerbrücke. Zumindest teilweise. Im Sommer 2016 wurde die Stahlkonstruktion über die Gleise entfernt, lediglich die Betonbauteile auf beiden Seiten blieben stehen. Genutzt werden konnte der Überweg, der auf der Nordseite durchs Bahnhofsgebäude führte, bereits seit Herbst 2008 nicht mehr. Er war baufällig, aus Sicherheitsgründen hatte die Deutsche Bahn AG ihn dicht gemacht. Und so sind es statt der Menschen, die 1946 auf den Treppen hinauf, herab liefen, 2021 ausschließlich Grünpflanzen, Gräser, Büsche und gar kleine Bäume, die auf den Treppen wachsen.

Nicht weniger verfallen ist auch das Bahnhofsgebäude. Wo einst Fahrkarten verkauft wurden und es freilich auch einmal eine klassische Bahnhofsgaststätte und einen Wartesaal gab, sind mittlerweile die Türen dicht. Und sie werden sich auch nicht mehr öffnen. Im Gegenteil. 2023 soll das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude abgerissen werden. Nicht als Kulturdenkmal eingestuft werden konnte das Gebäude, wie zahlreiche andere Bahnhöfe weiter nördlich entlang der Strecke, weil es zu Anfang des 20. Jahrhunderts baulich zu stark verändert wurde.

Mit dem Abriss macht das Gebäude nicht nur Platz für eine Schallschutzwand und das dritte Gleis im Rahmen des Ausbaus der Main-Weser-Bahn. Auf dem Bahnhofsvorplatz, der einst Parkplatz und mittlerweile Lagerfläche ist, ist ein Rettungsplatz geplant. Saniert und instandgesetzt werde das Gebäude bis dahin nicht, weil es nicht einsturzgefährdet sei, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Und auch die Reste der Brücke werden mit dem Ausbau verschwinden. Bald erinnert nichts mehr an den Bahnhof aus dem August 1946. judith dietermann

Heute ist der Übergang nicht mehr nutzbar. Bald wird er gar ganz abgebaut.

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