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"Für die Sanierung ist alles bereit"

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Von: Friedrich Reinhardt

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Helmut Römisch im Keller des Alten Rathauses, kurz bevor es der Verein leer räumen ließ. Früher zeigte das Heimatmuseum hier anhand von Ausstellungsstücken, wie in der frühen Neuzeit Apfelwein hergestellt wurde. FOTOs: Rainer Rüffer
Helmut Römisch im Keller des Alten Rathauses, kurz bevor es der Verein leer räumen ließ. Früher zeigte das Heimatmuseum hier anhand von Ausstellungsstücken, wie in der frühen Neuzeit Apfelwein hergestellt wurde. © Rainer Rüffer

In Kleinarbeit aber mit viel Aufwand räumt das Heimatmuseum Bergen-Enkheim das Alte Rathaus

Kurz vor dem Weihnachtsfest ist es für Helmut Römisch noch einmal richtig stressig geworden. Noch vor dem Jahreswechsel wollte der Zweite Vorsitzende des Bergener Heimatmuseums das Alte Rathaus leer geräumt haben. Was wohl gelang. Nun sollen im Frühjahr (endlich) die Sanierungsarbeiten beginnen.

Die Zukunft

der Dioramen

Bis dahin muss das Museum die letzten Ausstellungsstücke aus dem Keller geräumt haben, auch stehen im Erdgeschoss noch das große und im Obergeschoss noch das kleine Diorama. Auch schmerzliche Entscheidungen musste der Verein deshalb fällen und die nächste Mammutaufgabe wartet schon.

Wer den Keller des Alten Rathauses betritt, bekommt schnell das Gefühl, 150 Jahre in der Vergangenheit zurückgereist und im Keller eines Weinguts gelandet zu sein. In der Ecke steht ein gewaltiges Holzfass, 1200 Liter könnte es fassen. Weinpressen stehen auf dem Boden und hinter Vitrinenglas liegen die passenden Werkzeuge. An der Decke hängt eine alte Holzleiter und Hacken für die Feldarbeit. Damit zeigte das Museum, wie in der frühen Neuzeit Apfelwein hergestellt wurde. Die Sachen müssen raus. "Zum Glück hat sich Andreas Hirtes bereit erklärt, einen Teil einzulagern", sagt Römisch. Für das Fass beispielsweise habe das Heimatmuseum in seinem Ausweichquartier auf der anderen Seite der Marktstraße keinen Platz.

Rund 5000 Euro kostet die Räumung laut Römisch. Kosten die das Kulturamt übernehme. 150 Mitglieder habe das Museum, die jeder nur einen Jahresbeitrag von einem Euro zahlen. Da wegen der Pandemie das Museum geschlossen bleibt, fallen Spenden weg. "Dabei waren wir mal das Heimatmuseum mit den meisten Besuchern in Frankfurt", sagt Römisch bedauernd.

Die Besucher werden irgendwann zurückkommen. Das große Diorama der Schlacht bei Bergen im Erdgeschoss werden sie dann nicht mehr sehen können, zumindest nicht in seiner ganzen, zwei mal drei Meter großen Pracht. Es zeigt die Schlacht von 1759 zwischen der Allianz um Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel und den Franzosen. Minutiös in Formationen sind über 2000 handgezeichnete Zinnfiguren vor einem frühmittelalterlichen Bergen in Miniaturformat aufgestellt. "Das Diorama ist zu groß für den Vortragsraum", sagt Römisch. Der Raum im Erdgeschoss wird einen gläsernen Windfang, eine Toilette und einen zweiten Eingang bekommen. "Und irgendwo müssen auch die Stühle noch gelagert werden."

Das Heimatmuseum sei deshalb zu einer schmerzhaften Entscheidung gezwungen. "Wir sägen das Diorama in drei Teile, damit wir es einlagern können." Nach der Neueröffnung werde nur der Teil mit der Bergener Stadt und der Hauptszene, den Tod des sächsischen Generals Freiherr Georg Karl von Dyherrn wieder ausgestellt. Besser ergeht es dem kleineren Diorama im Obergeschoss. Es zeigt maßstabsgetreu das frühneuzeitliche Bergen. "Jedes Bergen-Enkheimer Kind konnte daran die mittelalterliche Stadt kennenlernen." So solle es auch wieder werden.

Alle Vitrinen

müssen weg

Die nächste Mammutaufgabe folgt für den Vorstand auf dem Fuße. "Wir mussten alle Vitrinen wegschmeißen", erklärt Römisch, "weil sie einen Umzug nicht überstanden hätten." Mit dem Architekten klärt nun Römisch ab, wie viel Platz das Museum im frischsanierten Rathaus haben wird, damit die Brandschutzbestimmungen eingehalten werden. Dann muss ein ganz neues Ausstellungskonzept her. Das Museum und der Verein müssen digitaler werden, sagt Römisch. Beide stehen wie das alte Rathaus vor einer Rundumerneuerung.

Friedrich Reinhardt

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