Dieses Bild wird in ein paar Jahren der Geschichte angehören: Samson verlässt Frankfurt und zieht nach Offenbach. Foto: Michael Schick
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Dieses Bild wird in ein paar Jahren der Geschichte angehören: Samson verlässt Frankfurt und zieht nach Offenbach.

Wirtschaft

Negative Entwicklung: Viele Firmen verlassen Frankfurt - Doch aus welchem Grund?

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Seit sechs Jahren geht Zahl der Gewerbeflächen in Frankfurt zurück - Unternehmen wandern ab.

Frankfurt -Unternehmen haben in Frankfurt so gut wie keine Möglichkeit mehr zu wachsen oder sich neu anzusiedeln. Der Flächenmangel ist so groß, dass die Stadt in den vorigen vier Jahren fast drei Viertel solcher Firmen-Wünsche absagen musste. Das erklärt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Der am Mittwoch bekannt gewordene Wegzug des weltweit tätigen Großventilherstellers Samson AG ist somit alles andere als ein Einzelfall.

IHK: Dringend neue Firmen-Flächen in Frankfurt nötig

Mit dem Umzug von Samson nach Offenbach verliert die Stadt in den nächsten Jahren nicht nur 2000 Arbeitsplätze, sondern vor allem auch hohe Gewerbesteuereinnahmen. Die Firmenleitung des Traditionsunternehmens hatte sich in den vergangenen Monaten intensiv in Gesprächen mit Frank sowie Stadtverordnetenfraktionen um Möglichkeiten für die Expansion des am Osthafen angesiedelten Betriebs bemüht - vergeblich.

Laut der jüngsten Zahlen des Wirtschaftsdezernenten scheint der Fall Samson nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Frank zufolge haben sich von 2017 bis 2020 insgesamt 69 Firmen an die Wirtschaftförderung der Stadt gewendet, weil sie sich neu ansiedeln, vergrößern oder umsiedeln wollten. Dabei sei es um eine Nachfrage von 135 Hektar gegangen. "71 Prozent dieser Unternehmensanfragen konnten mangels geeigneter Flächen nicht bedient werden", erläutert der Dezernent in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Christiane Loizides (CDU).

Nicht nur musste die Wirtschaftsförderung also drei Vierteln der Firmen einen Korb geben. Es kam sogar zum Totalausfall: "Im Ergebnis konnte aus den 69 Anfragen keine Ansiedlung oder Standorterweiterung realisiert werden", räumt Markus Frank ein. Denn auch bei den 29 Prozent der Betriebe, denen die Stadt ein Angebot machte, "hätten sich die Flächen nach Prüfung durch die Unternehmen als ungeeignet erwiesen".

Der Wegzug von Samson sei "ein herber Verlust für den Industriestandort Frankfurt", kritisiert Ulrich Caspar, der Präsident der Industrie- und Handelskammer. Der Weggang "zeigt einmal mehr, dass es im Stadtgebiet an Gewerbe- und Industrieflächen für die Neuansiedlung oder Erweiterung von Unternehmen fehlt". Die Stadt brauche "daher dringend neue und attraktive Gewerbeflächen", fordert der IHK-Präsident.

Aus dem Römer kommt harsche Kritik von den Bürgern für Frankfurt (BFF) und der Linken. BFF-Stadtverordneter Mathias Mund attestiert der Stadtregierung aus CDU, SPD und Grünen "wirtschaftspolitisches Totalversagen". Er wirft Frank sowie den Dezernenten für Stadtplanung und Verkehr, Mike Josef und Klaus Oesterling (SPD), Unfähigkeit vor. Linke-Fraktionschef Michael Müller sieht "die nächste Pleite von Herrn Frank", da er "es versäumt hat, dem Unternehmen ein Angebot für den Verbleib in Frankfurt zu machen".

Firmen verlassen Frankfurt: Nur ein einziges Baugebiet in Prüfung

Seit Jahren forderten Wirtschaft und weitere Akteure eine zukunftsgerichtete Gewerbeflächenpolitik, erinnert FDP-Stadtverordnete Stephanie Wüst. "Der Magistrat ist jetzt gefordert, seine Wirtschaftspolitik zu hinterfragen", sagt sie. "Frankfurt kann sich diese wirtschaftsfeindliche Politik nicht weiter leisten."

Bereits 2015 hat die Stadt selbst den Flächenmangel offiziell gemacht: Laut Masterplan Industrie ist bis 2030 ein weiterer Bedarf von 130 bis 180 Hektar Betriebsflächen zu erwarten. Aber: Seit 2015 "wurde im Stadtgebiet keine neue gewerbliche Baufläche ausgewiesen", seufzt Markus Frank. Nicht nur: Weil Gewerbeflächen etwa für Schulen oder Wohngebiete umgenutzt würden, seien die für Firmen nutzbaren Areale sogar um 88 Hektar geschrumpft. Hinzu kämen noch die vielen Flächen, die nun für Supermärkte, Hotels und Rechenzentren genutzt würden. Immerhin: Anfang März beschlossen die Stadtverordneten ein Gewerbeflächenkonzept. Damit könne die Entwicklung "zukünftig besser gesteuert werden", hofft Frank.

Doch nur ein großes neues Gewerbegebiet hat die Stadt bisher überhaupt im Blick - und auch das nur in Prüfung: in Nieder-Eschbach gegenüber von Ikea nahe dem Bad Homburger Kreuz. Dagegen sprechen sich jedoch Anwohner aus, auch die Grünen haben Bedenken angemeldet. Frank mahnt: Selbst dieses Gewerbegebiet alleine reiche nicht aus, um den erwarteten Bedarf bis 2030 zu decken. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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