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Für Gaskunden dürfte es in Frankfurt ganz dicke kommen

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Von: Michael Forst

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Die Süwag-Zentrale in Höchst: Insgesamt 950 000 Gaskunden beliefert die Netztochter Syna - auf sie kommen in den nächsten Monaten weitere heftige Preiserhöhungen zu.
Die Süwag-Zentrale in Höchst: Insgesamt 950.000 Gaskunden beliefert die Netztochter Syna – auf sie kommen in den nächsten Monaten weitere heftige Preiserhöhungen zu. © Süwag

Die Gas-Krise in Deutschland ist noch lange nicht überstanden. Syna fürchtet auch für Frankfurt unbezahlbare Preise und fordert zum Sparen auf.

Frankfurt – Die Gasverknappung im Zeichen der Ukraine-Krise werden wohl auch in Frankfurt die Kunden der Süwag-Netztochter Syna immer empfindlicher zu spüren bekommen. "Auf alle Kunden, unabhängig von Versorger und Vertragsart, werden massive Mehrbelastungen zukommen", kündigte Syna-Vertriebsgeschäftsführer Mario Beck gestern auf einer Video-Pressekonferenz an. Dies ergebe sich schon durch die am Donnerstagabend von der Bundesregierung angekündigten Umlagen, die entweder vom 1. Oktober oder vom 1. November an greifen werden.

Die Erdgasbeschaffungsumlage bewege sich zwischen 1,5 und 5 Cent pro Kilowattstunde, dazu komme noch eine Gasspeicherumlage von etwa 1,5 Cent; diese dient der Auffüllung der Gasspeicher, um gut über den Winter zu kommen. "Doch da kommen voraussichtlich noch 19 Prozent Umsatzsteuer drauf", erklärte Beck. Der Endkunde sei dann bei 7,8 Cent Mehrbelastung.

Experte in Frankfurt: Verteuerung wird sich auch im Jahr 2023 fortsetzen

"Wir reden hier von einer erheblichen Verteuerung der Erdgasversorgung noch in diesem Herbst", beschreibt er das Szenario. Das werde sich wohl auch 2023 fortsetzen, wenn alte, günstige Beschaffungsverträge ausliefen und durch neue ersetzt werden müssten.

Syna-Geschäftsführer Dr. Andreas Berg berichtete, man stehe momentan beim EU-Notfallplan für Gas nach wie vor in der Alarmstufe, der zweiten zwischen Frühwarn- und Notfallstufe. Das bedeute, "dass derzeit noch marktbasierte Maßnahmen greifen, um die Gasversorgung sicherzustellen". In der Notfallstufe, die von der Bundesregierung im Fall einer akuten Mangellage in der Gasversorgung ausgerufen werden müsste, könnte es noch dicker kommen.

Video: Die Bundesregierung befürchtet den Ausfall von Millionen Heizungen in Deutschland

Ganz unten wird in Frankfurt das Gas zuerst abgedreht

Die Energieversorger müssten dann die Gaszufuhr für sogenannte „nicht geschützte“ Kunden reduzieren oder gar abschalten. Derer gebe es aber nur 110 bei der Syna – gemessen an 950.000 Gaskunden insgesamt eine nach seinen Worten „überschaubare Gruppe“. Nicht geschützt seien große Industriebetriebe, die über 1,5 Millionen Kilowatt im Jahr verbrauchen und keine sozialen Dienste leisteten. Sprich: Kliniken sind ausgenommen, Fernwärmeanlagen auch, „Lieschen Müller aus Sossenheim“, so versichert Beck, drohe also keine Gasreduzierung oder gar Abschaltung – „vielleicht aber der Firma, für die sie arbeitet“.

Damit es nicht so weit kommt, appellieren beide Syna-Manager an ihre Kunden, Energie zu sparen, wo immer es gehe. "Jede gesparte Kilowatt-Stunde ist eine gute Kilowatt-Stunde", sagt Beck. Zwar klinge er dabei "wie ein Eisverkäufer", der seinen Kunden vor dem Verzehr der leckeren Kugeln abrate, um Kalorien zu sparen. Doch habe die Syna nichts davon, wenn sie eine Ware verkaufe, die ein Teil der Kunden nicht mehr bezahlen könne.

Syna Frankfurt beklagt: „Der Schaden bleibt an uns hängen“

Deshalb sei Energiesparen das Gebot der Stunde. Die Syna unterstütze ihre Kunden bei diesen Bemühungen, von den Privatkunden angefangen, die sie in den Servicezentren beraten, etwa in Höchst oder Hofheim, bis hin zu den Frankfurter Rechenzentren, die ihre Abwärme nutzten.

Vorwürfen, wonach Energieunternehmen sich an der globalen Krise bereicherten, setzt Beck energisch entgegen: "Auf die Süwag trifft das in keinster Weise zu." Man würde sich vielmehr freuen, eine entspanntere Preissituation zu haben. Denn: "Wenn Kunden am Ende ihre Gasrechnungen nicht mehr bezahlen, bleibt der Schaden an uns hängen", betonte er. Solche Fälle fürchte er "weit mehr", als das Kunden angesichts der Preisexplosion zu Konkurrenten abwandern könnten. Man sehe sich im Wettbewerb gut aufgestellt und profitiere davon, durch langfristige Beschaffungsstrategien Preiserhöhungen "meist erst später und oft moderater an die Kunden weiterzugeben". (Michael Forst)

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