Dass er Arbeitsfahrzeuge wie den Walzenverdichter hinter ihm fahren kann, gehört für Werkstoffhof-Leiter Christopher Pitsch zu den schönsten Seiten seines Jobs. Wie auch der Umgang mit Menschen: Auf Berufsmessen ist er oft als FES-"Aushängeschild" dabei. FOTO: reuss
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Dass er Arbeitsfahrzeuge wie den Walzenverdichter hinter ihm fahren kann, gehört für Werkstoffhof-Leiter Christopher Pitsch zu den schönsten Seiten seines Jobs. Wie auch der Umgang mit Menschen: Auf Berufsmessen ist er oft als FES-"Aushängeschild" dabei.

Karriere

Für ihn erfüllt sich im Job ein Jungentraum

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Der Leiter des neuen FES-Wertstoffhofs in Höchst ist erst 22 - und bekämpft Stress mit Humor und Holzhacken

Gnadenlos pustet Sturm "Ignatz" gestern Morgen auf dem FES-Wertstoffhof West alles durcheinander, was nicht schwer, niet- oder nagelfest ist: Schilder, Banner liegen auf dem Gelände in der Palleskestraße verstreut. Aber nicht lange, denn der erst 22 Jahre alte Leiter Christopher Pitsch ist extra früher gekommen, um als erster zügig wieder Ordnung ins Wind-Chaos zu bringen.

Und irgendwie steht das symbolisch für den Job, den Pitsch mit der Eröffnung des neuen Wertstoffhofes im Juli (wir berichteten) übernommen hat: Wenn die Winde hier mal rauer wehen, packt der Chef selbst mit an. Für den jungen Mann, der jeden Morgen 70 Kilometer mit dem Auto von seinem Wohnort bei Bensheim nach Höchst pendelt, ist das mehr als nur eine Pflichtübung: "Ich liebe die Vielseitigkeit meines Jobs - kein Tag ist wie der andere", erklärt er, während er in seinem kleinen Bürocontainer die computergesteuerte Kasse hochfährt und die Anwesenheitsliste checkt. Bis 10 Uhr muss alles startklar sein für den Ansturm der ersten Kunden, die mit ihren Autos voller Wertstoffe und Müll aufs Gelände kommen.

Hier walzt der Chef noch selbst

Und Pitsch wirbelt gleich in dreifacher Funktion durch sein 5 000 Quadratmeter großes Reich: Er macht die Organisationarbeit, weist bei Bedarf seine sechs Mitarbeiter an und werkelt überall mit, wo er gebraucht wird. Etwa am elektronisch betriebenen Walzenverdichter - mit ihm werden die Wertstoffe in den Containern so zusammengepresst, dass der Platz optimal genutzt wird. Dass er dieses Gefährt und andere mühelos fahren und bedienen kann, macht für ihn einen Teil der Faszination seines Berufs aus. "Das ist schon auch ein Jungentraum, der für mich hier in Erfüllung gegangen ist", erzählt er und grinst.

Auf dem Wertstoff braucht's gute Nerven und klare Ansagen - "wenn etwa Leute mit Dachpappe ankommen", nennt Pitsch ein Beispiel. "Denn die nehmen wir hier nicht an, dürfen aber auch keine Alternativen nennen, weil wir ihn nicht an die Konkurrenz verweisen", erklärt er. "Manche reagieren dann patzig, teils auch mit Beleidigungen."

"Viele Kunden loben unsere Arbeit"

Damit könne er aber umgehen: "Ich habe mir ein dickes Fell zugelegt und nehme es mit Humor." Weit häufiger, so erzählt Pitsch, seien aber positive und freundliche Kundenreaktionen: "Viele loben uns, sprechen uns ihre Anerkennung dafür aus, dass wir helfen, die Stadt sauberer zu machen." Und wenn der Stress doch mal gar zu groß wird, hat Pitsch spätestens im Feierabend ein gutes Gegenmittel: "Ich hacke dann zu Hause Holz, das ist wunderbar zum Abreagieren". Dabei macht er nicht nur Kleinholz, nein, er fertigt mit der Axt auch filigrane Figuren wie Vögel. Überhaupt ist er bekennender Naturfan, pflegt seinen eigenen Garten, den seiner Großmutter wochenends gleich mit - und fährt leidenschaftlich Motorrad: "Ein schöner Ausgleich zum Beruf."

Wie aber ist er dazu gekommen - und wie hat er seine Blitzkarriere hingelegt? "Mein Vater arbeitet beim Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung der Stadt Heidelberg und brachte mich drauf, dass das auch was für mich sei", berichtet Pitsch. Da er aber nicht in derselben Firma wie sein Vater arbeiten wollte, streckte er die Fühler zum Frankfurter Müllentsorger FES aus. Mit Erfolg: Nach dreijähriger Ausbildung zur "Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft" und eineinhalb Jahren Einsatz als Mitarbeiter in Kalbach - wegen der enormen Abfallmengen durch Hobbyhandwerker in der ersten Pandemiephase "eine echt harte Schule" - übernahm er im Juli die Leitung des neuen Wertstoffhofs in Höchst. Ein Vorgesetzter hatte früh sein Befähigung dafür entdeckt und ihm zur Bewerbung geraten. "Das Schönste daran ist", so fasst er zusammen, "dass ich nirgendwo näher an den Menschen bin als hier." Michael Forst

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