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Für ihren neuen Frankfurt Krimi betrachtete sie sogar Leichen

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Von: Sabine Schramek

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Im Zeichen der Bockenheimer Warte: Im neuen Krimi von Franziska Franz kommen der Stadtteil, die Leipziger und das Café Brühmarkt zu Ehren. Es erscheint im kommenden Monat.
Im Zeichen der Bockenheimer Warte: Im neuen Krimi von Franziska Franz kommen der Stadtteil, die Leipziger und das Café Brühmarkt zu Ehren. Es erscheint im kommenden Monat. © sauda

BOCKENHEIM Der nächste Fall von Franziska Franz spielt auch auf der Leipziger und nimmt das eigene Genre ins Visier

Ursprünglich ist Franziska Franz Schauspielerin. Dann fing sie an, Kinderbücher zu schreiben. Vor vier Jahren wechselte sie auch ins mörderische Genre und schrieb ihren ersten Kriminalroman. Seither ist sie aus der Frankfurter Gruselszene nicht mehr wegzudenken.

Die Gegend rund um die Bockenheimer Warte gefällt Franziska Franz. "Hier kann man gut Leute beobachten", sagt die schlanke Frau mit strahlendem Lächeln. Ihre blauen Augen sind sanft. "Genau hier, an diesem Platz sitzt auch meine Hauptprotagonistin oft", erzählt sie leise, bevor sie selbst lieber rein ins Café Brühmarkt auf der Leipziger Straße geht. Es ist zu kalt draußen. Sie rührt bedächtig im Cappuccino und erzählt davon, dass "hier oben im Haus die Frau wohnt, die Schlimmes erlebt". Franz redet über ihr neues Buch "Blutzeilen", das im März in der Edition Krimi erscheint. Es wirkt, als sei die Schilderung real, als ob sie die Figur lebt, die sie beschreibt. Sie lacht und winkt ab.

"Während Corona war es schwieriger als sonst, Ideen zu bekommen. Man kam ja kaum raus. Also besann sie sich auf das, womit sie es als Krimiautorin und Mitglied des Vereins Syndikat zu tun hat. Im Verein sind mehr als 800 Krimiautoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv und tauschen sich aus. "Alles kann ich noch nicht verraten, aber es geht um Autoren und Selbstüberschätzung", meint sie geheimnisvoll. "Nicht jeder ist so gut, wie er denkt. Und wenn der eine oder andere keine Einsicht hat, sucht er Mittel und Wege, um dennoch bekannt zu werden." Für ihren vierten Krimi im Verlag war ihr kein Weg zu mühsam. Zweimal war sie in der Frankfurter Rechtsmedizin. "Ich durfte mir alles ansehen. Leichen inklusive. Vorher habe ich mich gegrault, aber wenn man weiß, dass die Arbeit dort zur Aufklärung führen kann, geht es", sagt sie bescheiden. Bei einer Strafverteidigerin holt sie sich ebenso Ratschläge und Tipps wie bei der Kriminalpolizei. Und bei einer ihrer beiden Töchter, die Chirurgin ist. "Sie hat mir erklärt, was ein Hutkrempenrand bei einer Kopfverletzung bedeutet. Wenn über der Stelle, an dem eine Hutkrempe liegt, Verletzungen zu finden sind, kommen sie eher nicht von einem Sturz", weiß die Frau, die Hunde und Natur liebt. "Im wahren Leben könnte ich keiner Fliege etwas zuleide tun. Verbrechen aber faszinieren mich einfach."

In ihrem bislang letzten Buch "Blutmain" hat sie von einer jungen Frau geschrieben, die orientierungslos und verletzt auf einer Motorjacht auf dem Main aufwacht und über eine brutal ermordete Frau, die an der Offenbacher Schleuse trieb und der die Jacht gehörte. Verstrickungen und Verwicklungen, falsche Verdächtigungen und die Hartnäckigkeit einer Privatermittlerin und eines Polizeikommissars lassen in menschliche Abgründe blicken. "Mich interessiert vor allem die Psyche von Menschen. Warum sie etwas tun und was im Leben geschehen muss, dass sie empathielos und skrupellos werden", sagt sie, nippt am Cappuccino.

Die perfekte Thriller-Kulisse

Dass Frankfurt als Vorlage für Krimis immer wieder gewählt wird, ist kein Wunder. Seit jeher gibt es den Ruf der "gefährlichen Stadt". Das Flughafen-Drehkreuz, der riesige Hauptbahnhof und die vielen Menschen, die auf relativ engem Raum leben, sind die perfekte Krimi- und Thriller-Kulisse. Das stellt Franz auch bei Lesungen immer wieder fest. "Die Stadt fasziniert überall. In all ihren Facetten." Sie hat eine Lesung in der Justizvollzugsanstalt in Frankfurt gemacht. "Das war besonders eindrucksvoll. Das Areal allein ist schon gruselig. Die Werkstatt sieht aus, wie im Film. Und dann sitzt man in einem Raum mit 30 Männern, die lauschen. Von denen man nicht weiß, warum sie hier sind." Von einem Beamten habe sie den Rat bekommen, nicht die schlimmsten Stellen vorzulesen. "Natürlich nicht, ich will sie ja nicht auf Ideen bringen", antwortete sie. Der Wachmann habe sie angesehen. "Nicht deshalb. Die sind besser", habe er geantwortet und sie geschluckt. "Bei der Diskussion danach haben viele mitgemacht. Einer saß da und hat nur starr geguckt. Wie im Krimi." Franz verarbeitet das, was sie beobachtet. In jedem ihrer Bücher. "Blutzeilen" erscheint im März und längst sitzt sie am nächsten Buch. Auch darüber verrät sie nicht viel. "Es wird ein Thriller. Einer, der in ganz Frankfurt spielt. Ihre Ideen bekommt sie von Erlebtem und von Leuten, die sie beobachtet. "Menschen kann man immer brauchen und sie dann irgendwo im Buch unterkriegen." SABINE SCHRAMEK

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