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Für Volt in Frankfurt eine Blitzkarriere gemacht

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Nach Frankfurt zum Studieren kam Martin Huber, weil er findet, dass in Frankfurt "was geht". Und wie was geht: Kaum hatte sich der Südbadener hier politisch zu engagieren begonnen, war er auch schon Volt-Fraktionschef im Römer.
Nach Frankfurt zum Studieren kam Martin Huber, weil er findet, dass in Frankfurt "was geht". Und wie was geht: Kaum hatte sich der Südbadener hier politisch zu engagieren begonnen, war er auch schon Volt-Fraktionschef im Römer. © Enrico Sauda

Martin Huber führt die Volt-Fraktion in Frankfurt. Er lenkt heute die Geschicke der Stadt mit - noch vor einem Jahr hätte er das nicht für möglich gehalten.

Frankfurt -Das sei ein "Katapultstart" gewesen, umschreibt es Martin Huber (24) von Volt. Gerade erst hatte der Student begonnen, sich politisch zu engagieren - nun ist er seit April 2021 Stadtverordneter und seit Spätsommer Chef einer mitregierenden Römerfraktion, bestimmt die politische Richtung in Frankfurt mit.

50 neue Politiker gibt es in der 93 Parlamentarier zählenden Stadtverordnetenversammlung Frankfurt. In einer wöchentlichen Serie werden sie an dieser Stelle portraitiert. Heute: Martin Huber. Seine politische Heimat ist die paneuropäische Partei Volt. Die hat mit vier Leuten zwar nur eine kleine Fraktion. Mit Grünen, SPD und FDP sitzt sie jedoch am Regierungstisch. Er sei "von der Administration überwältigt" gewesen im Römer, gesteht Huber zu. Es brauchte einige Monate, bis er das Dickicht des politischen Betriebs durchdrang - kein Wunder: "Es ging aus der Apo in die Koalition", sagt Huber, also der außerparlamentarischen Opposition.

"Pulse of Europe" brachte ihn in die Politik

Dieser schloss sich der Student während der Demonstrationen von "Pulse of Europe" und gegen die Klimakrise an. Geboren und aufgewachsen in Südbaden nahe der Schweizer Grenze, entschied sich Huber nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Behindertenbetreuung 2017 ganz bewusst fürs Studium in Frankfurt. Die Stadt sei "eine große Metropole, wo 'was geht, was hohen Puls hat". Hier machte er an der Goethe-Uni den Bachelor. Aktuell hat er sein Masterstudium in Politikwissenschaften und öffentliche Verwaltung an der TU Darmstadt für ein halbes Jahr ausgesetzt.

Volt wurde Anfang 2019 zu seiner seine politische Heimat, weil ihm in den "anderen Parteien die Denkweise und Ideologie zu festgefahren" waren, erklärt Huber. Seine Partei empfindet er als pragmatischer, moderner, europäischer. Gegenüber den Grünen "sehen wir bei uns mehr Kompetenz für Digitalisierung und Wirtschaft", sagt der Fraktionschef. Im örtlichen Parteivorstand war er lange für die Programmatik zuständig. Und schätzt die Kommunalpolitik: "Man hat hier einen direkten Einfluss auf das Leben der Menschen", etwa bei Themen wie Verkehr und Klima. Wenn mehr Menschen Rad fahren, nutze das auch Autofahrern, wenn dadurch das Verkehrssystem effizienter, die Straßen leerer und das Klima geschützt würden, erklärt er. So etwas treibt Huber im Mobilitätsausschuss voran.

"Nicht möglich, immer alle zufrieden zu stellen"

Dort erlebt er aber auch Widerstand. "Es ist nicht möglich, immer alle zufrieden zu stellen", sagt der Stadtverordnete. Doch müsse Politik mutig sein. Denn Unmut entstehe oft, wenn Politiker Unklarheit verursachten. "Dann wissen die Leute nicht, woran sie sind." Diesen "anderen Politikstil" wolle er vorantreiben, es müsse mehr "positive Kommunikation" geben. "Es geht nicht darum, Autofahrer zu verteufeln."

Ja, räumt Huber ein: Er und andere von Volt stießen mit ihren idealistischen Ansprüchen oft an Grenzen, die die politischen Gepflogenheiten setzen. Entmutigt habe ihn das aber nicht. "Mein positives Gefühl hat immer fortbestanden." Was er aber besonders unterschätzt habe: die Personalverantwortung für das Team der Geschäftsstelle, die auch noch aufgebaut werden musste.

50 bis 60 Stunden pro Woche im Einsatz für die Politik

Seine Arbeit im Römer ist sehr intensiv, 50 bis 60 Stunden pro Woche wende er dafür auf. "Das kann man nicht mehr als Ehrenamt bezeichnen." Es sei schon schwierig, das mit Privatleben und Studium unter einen Hut zu bringen, räumt Hubert ein. Erst wohnte er in der Nordweststadt, seit vorigen Sommer in Sachsenhausen. Der Fußweg in der Römer sei von dort aus kurz.

Zu seinem Privatleben mag er nichts öffentlich sagen. Er sei gern mit Freunden unterwegs, in der Studi-Kneipe in Bockenheim oder beim Apfelwein Dax. "Als Ausgleich für die Römer-Blase." Allzu lange hält er es fern der Politik aber nicht aus, gesteht Huber und muss grinsen. "Ich habe einen Veränderungsdrang." Dank der Kommunalpolitik habe er einen "intensiven Blick" auf die Stadt und eine sehr enge Verbundenheit mit Frankfurt entwickelt. "Ich kann mir gut vorstellen, langfristig hier zu bleiben", sagt der junge Fraktionschef. "Aber nicht zwingend als Politiker." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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