Gruppenbild zu Füßen des neuen Goetheturms. Was man hier schon sehen kann, gibt es Mitte August beim Fest auch zu hören.
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Gruppenbild zu Füßen des neuen Goetheturms. Was man hier schon sehen kann, gibt es Mitte August beim Fest auch zu hören.

Halali

Fürs Fest am Goetheturm breit aufgestellt

  • VonSabine Schramek
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Drei Jagdchöre proben für besonderen Anlass in Sachsenhausen

Melodische Melodien hinter dem Jägerzaun am Clubhaus vom Sachsenhäuser Jagdclub (SJK) sind Spaziergänger längst gewohnt. Wenn sich aber gleich 27 Männer und Frauen mit klassischem Fürst Pless Horn, Ventil- und Parforcehorn einspielen, bleiben Fußgänger und Fahrradfahrer unwillkürlich stehen und lauschen. "Heute machen wir so eine Art Generalprobe", erklärt Eberhard Weiss, Mitbegründer und derzeitiger Obmann des SJK, und grinst. "Nicht nur unser Bläserkorps, sondern auch die aus Usingen und Mörfelden sind auf jeden Fall mit dabei, wenn zum Turm gerufen wird." Bereits im vergangenen Oktober hatten die Bläser auf ein Eröffnungsfest gehofft. Wegen Corona ist es ausgefallen. Dabei hatte David Hänsel bereits kurz nach dem verheerenden Brand, der den Goetheturm im Oktober 2017 zerstörte, eine eigene "Goetheturm- Fanfare" geschrieben, die jedem, der sie hört, Gänsehaut bereitet. Bis heute ist nicht bekannt, wer das Wahrzeichen Frankfurts in Brand gesteckt hat.

Ein Blick aufs

Wahrzeichen

Gemeinsam laufen die Bläser vom Vereinshaus zum neuen Goetheturm und stellen sich auf. Fast ehrfürchtig blicken vor allem die Gäste aus Usingen und Mörfelden auf das Frankfurter Wahrzeichen. "Kleine Hörner nach links, große Hörner nach rechts", heißt es kurz und die Männer und Frauen in Jagdkleidung oder Anzug stellen sich auf. Gäste der Goetheruh halten den Atem an, als die Hörner harmonisch durch den Wald tönen. In Gedanken sieht man Pferde mit Reitern durch den Wald galoppieren und eine Lichtung voller Rehe, wenn man dem Spiel der Jagdvereine lauscht. "Das Blashorn ist eine Ur-Tradition der Jäger", erklärt Anne Spielhofen von der Jägervereinigung Usingen, die 410 Mitglieder hat. "Früher hat man ausschließlich mit dem Blashorn miteinander kommuniziert. Jede Wildart hat ebenso einen Ton, wie der Beginn der Jagd, das Ende, das 'Hahn in Ruh' heißt und sich auf den Abzug des Gewehres bezieht, und sogar das Essen und Trinken mit dem Signal 'Schüssel treiben'. Leider können längst nicht alle Jäger mehr Blashorn spielen, aber es werden gerade bei den jungen wieder mehr", erklärt die Virologin, die vor einigen Jahren durch ihre beiden Goldendoodle-Hunde zur Jagd kam. "Mir reicht es, Rehe mit ihren Kitzen zu beobachten. Da geht mir das Herz auf", erzählt sie und betont, dass sie "ausschließlich für ihren eigenen Kühlschrank" Wild erlegt, "weil ich gesund essen möchte".

Am Turm erklingen der Hubertusmarsch, der Jägermarsch, die Goetheturm-Fanfare und das Halali, als würden die drei Vereine täglich miteinander spielen.

"Jagdhornblasen verbindet", sagt Helmut Otto vom Jagdklub St. Hubertus Offenbach Stadt und Land in Mörfelden. "Wir proben seit Corona bei den Hühnerzüchtern im Freien", erzählt der Mann, der seit mehr als 40 Jahren ein eigenes Jagdrevier gepachtet hat. "Ich hatte damals schon den richtigen Riecher und habe kleine Äcker gekauft, die heute noch grün sind. Jäger sind heute in erster Linie Naturschützer. Kleinbauern verschwinden und Großlandwirte versprühen Gift, was auch dem Wild schadet und es verschwinden lässt", sagt er. Sein Jagdklub hat rund 570 Mitglieder, der SJK gut 250.

"Stadtgebiet ist noch einmal ganz anders als auf dem Land", berichtet Weiss. "Hier muss man auf noch viel mehr achten, weil überall auch Menschen unterwegs sind."

Er bläst ins Horn. Aufbruch zurück zum Vereinshaus, an dem noch zwei Stunden lang weiter geprobt wird. "Mitte August spielen wir, solange es die Veranstalter zulassen", verrät Weiss mit einem Schmunzeln. Wenn vom 13. bis 15. August "Der Turm ruft!", werden die Sachsenhäuser Vereine nicht jeweils einen eigenen Stand haben, sondern wegen Corona gemeinsam unter dem Dach des Vereinsrings Gäste bewirten. Am Freitag um 18 Uhr wird es den "Königinnen-Treff" geben und Partyrock live mit den Oberräder Winwets. Am Samstag geht es von 11 Uhr bis 18 Uhr weiter mit der Eröffnung und dem Fassanstich. Ab 14 Uhr treten der Musikzug der TG Bad Soden auf und die Sachsenhäuser Jagdhornbläser. Ab 18 Uhr rocken wieder die Winwets. Am Sonntag geht es weiter um 11 Uhr mit einem Familiengottesdienst, Livemusik mit dem Blasorchester Stierstadt und um 15 Uhr mit dem Festakt zur Eröffnung. Sabine Schramek

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