+

Auktion

Bei der Fundsachen-Versteigerung der VGF gibt es gut erhaltene Ware für wenig Geld

  • schließen

Es gibt fast nichts, was bei der Fundsachenversteigerung der VGF nicht einen neuen Besitzer findet. Oft zu einem Schnäppchenpreis. Deswegen kommen viele Bieter immer wieder, wenn alle zwei Monate Fundsachen aus Bussen und Bahnen unter den Hammer kommen.

Konzentriert blickt Helge Lindner nach vorn, in der rechten Hand hält er einen Holzhammer, die linke Hand liegt auf dem Tisch, der vor ihm steht. Darauf liegt eine Digitalkamera. Mit seinen Augen verfolgt der 62-Jährige die Hände, die im Sekundentakt in die Höhe schnellen. Keine davon darf Lindners Blick entgehen, der sich zugleich auch noch aufs Zählen konzentriert. „620, 630, 640, 650 Euro. Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Die Kamera geht an den Mann mit der Mütze. Herzlichen Glückwunsch“, sagt er und die Kamera, die vor ihm liegt Wechsel seinen Besitzer. Für einen stolzen Preis und trotzdem ein Schnäppchen. Denn im Handel kostet das gute Stück deutlich mehr.

Allerdings ist sie dort auch neu und hat zudem Garantie. Die kann die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) freilich nicht geben, auf die Dinge, die sie alle zwei Monate versteigert. Gestern war es wieder so weit. Im Depot in Eckenheim suchte alles einen neuen Besitzer, was in den vergangenen drei Monaten nicht im Fundbüro abgeholt wurde. Und das war so einiges. Auf den Tischen stapeln sich die Taschen, es gibt Regenschirme, Kameras, eine Lauflernrad, Roller, sogar ein Rollator und Fahrräder. Auch die wurden in der Bahn oder im Bus vergessen. Wie alles, was die Mitarbeiter des VGF-Fundbüros heute versteigern. Der Erlös wird für einen guten Zweck gespendet.

Gebiss und Vibrator

„Es ist schon kurios, was da alles dabei ist“, sagt Lindner, der seit acht Jahren den Hammer schwingen darf. Musikinstrumente, eine Tätowiermaschine und sogar ein Gebiss blieben schon mal liegen. Letzteres sei aber freilich nicht versteigert worden, so Lindner. Im Gegensatz zu einem Vibrator. Es sei eben für jeden etwas dabei.

Seit über zehn Jahren gibt es schon die Versteigerungen, meist wird alles verkauft, was angeboten wird. Und auch an diesem Nachmittag sieht es gut aus. Andrea Pfäfflin, die mit ihrem Mann gekommen ist, ist Stammkundin bei der alle drei Monate stattfindenden Veranstaltung. Heute bekommt sie den Zuschlag für einen isolierten Einkaufskorb mit allerlei Krimskrams. Bezahlt hat sie 26 Euro.

Volle Taschen

„Das ist wirklich perfekt. Ich arbeite in einem Kindergarten, da kann ich so was immer gebrauchen“, sagt sie und packt ein neuwertiges Täschchen in Einhorn-Form aus. „Daran hat noch jemand Freude. Es gibt viele Eltern, die nicht so viel Geld haben“, sagt sie und zupft an ihrer braungrauen Fleece-Jacke. Die hat sie auch hier ersteigert. Vor ein paar Monaten. Und sie hält immer noch. „Bis jetzt habe ich nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Pfäfflin.

Die Sachen, die auf der Versteigerung landen werden freilich vorher geprüft. Die Mitarbeiter des Fundbüros öffnen alle Taschen, dreckige Klamotten oder Essen fliegen raus. „Das ist selbstverständlich sagt Helge Lindner. Ebenso selbstverständlich sei, dass die Taschen, die alle vollgepackt sind, vorher geöffnet und den Bietern gezeigt werden. Man ersteigere damit keine Überraschungseier.

Und wenn es möglich ist, dann liest Lindner auch noch die Größen der einzelnen Kleidungsstücke vor. So auch heute, obwohl es Zeit in Anspruch nimmt. „Das ist doch ein toller Service“, sagt eine Bieterin, als Lindner sich entschuldigt, dass es jetzt etwas länger dauern kann. Denn vor ihm liegt ein großer Berg an Kleidung. Eine bunte Damenbluse, ein Jungenshirt und ein Herrenpullover sind dabei. Für 24 Euro wird das Päckchen verkauft.

Bob Feltham schaut sich das alles aus sicherer Entfernung an. Aus Neugier ist der gebürtige Engländer gekommen, mitbieten möchte er lieber nicht. „Ich finde das einfach spannend und beobachte gerne Leute“, sagt er. Und so sieht er, wie mehrere Regenschirme für zwei Euro versteigert werden, ein kleines Kindertäschchen für den gleichen Preis seinen Besitzer wechselt, eine Tasche voll mit Brillen für 24 Euro verkauft wird. Ober er wiederkommt am 1. März zur nächsten Versteigerung? „Aber sicher. Das ist doch witzig“, sagt Feltham.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare