In der Vision des Architekten Stefan Forster ist in der Schweizer Straße Platz für Fußgänger und Radfahrer, nicht aber für Autos und Straßenbahn. Simulation: SFA/Repro: L. Hamerski
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In der Vision des Architekten Stefan Forster ist in der Schweizer Straße Platz für Fußgänger und Radfahrer, nicht aber für Autos und Straßenbahn. Simulation: SFA/Repro: L. Hamerski

Planungskonzepte

So funktioniert Fahrradverkehr in anderen Städten der Welt

  • vonGünter Murr
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Mit Beispielen aus Europa und den USA zeigt das Architekturmuseum, wie mehr Fahrradverkehr die Städte lebenswerter macht. Frankfurter Architekten entwickelten zudem Ideen, wie sich die Konzepte auf die stark befahrene Schweizer Straße übertragen lassen.

Wenn es um vorbildliche Fahrradförderung geht, richten Stadtplaner ihren Blick gern nach Skandinavien. Zum Beispiel nach Oslo. Lessano Negussie, einer der Kuratoren der Ausstellung „Fahr Rad – Die Rückeroberung der Städte“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM), steht vor einer Stelltafel mit zwei Fotos aus der norwegischen Hauptstadt. Das erste zeigt eine klassische Stadtstraße, zwei Reihen parkende Autos, dazwischen eine Fahrspur. Auf dem zweiten ist eine Parkreihe durch einen Radweg ersetzt. „In Oslo fallen Parkplätze weg, um Raum für Radfahrer zu schaffen“, erläutert Negussie die dortige Politik.

Parkende Autos stehen auch in Frankfurt häufig Verbesserungen für Radfahrer im Weg. Zum Beispiel in der Schweizer Straße. „Hier sind viele Radler zu den Einzelhandelsgeschäften unterwegs“, sagt Joachim Hochstein, der Leiter des städtischen Radfahrbüros. „Aber es ist zum Teil schon stressig, vor allem am Schweizer Platz.“ Ihm ist aber auch klar: „Wenn wir nicht an den ruhenden Verkehr rangehen, haben wir keinen Spielraum.“

Parkhaus im Schulhof

Das DAM hat mehrere Frankfurter Architekturbüros gebeten, ihre Vision einer fahrradfreundlichen Stadt darzustellen. Elf Beiträge sind in den nächsten Wochen im Museum zu sehen. Marie-Theres Deutsch schlägt einen blau eingefärbten Radweg vor, für den aber rund 24 Prozent der Stellplätze wegfallen müssten. Zur Kompensation könnte nach Ansicht der Architektin ein Parkhaus auf dem Hof der Freiherr-vom-Stein-Schule errichtet werden. Die Schüler könnten ihre Pausen dann auf dem Dach verbringen.

Andere Architekten sind radikaler. Das Büro Wentz & Co. des ehemaligen Planungsdezernenten Martin Wentz will durchfahrende Autos ganz verbannen und die Schweizer Straße zum verkehrsberuhigten Gebiet machen. Der Schweizer Platz, dessen Aufwertung die meisten Architekten für nötig halten, würde dann zur Sackgasse.

Die Landschaftsarchitektin Ute Wittlich will den Radweg auf eine aufgeständerte Trasse verlegen, damit am Straßenrand mehr Raum für Begrünung ist. Und der Architekt Stefan Forster will sogar die Straßenbahn aus der Schweizer Straße herausnehmen. Seine Visualisierung mit viel Gastronomie am Rand und einer breiten Spur für Fußgänger und Radfahrer in der Mitte erinnert ein wenig an die Fressgass’.

Oder an die Straßen im niederländischen Groningen, die in der Ausstellung gezeigt werden. In der rund 200 000 Einwohner zählenden Stadt werden rund 60 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, berichtet Kuratorin Stefanie Lampe. Das Auto spiele nur eine Nebenrolle.

Projekte aus acht Städten und Regionen, darunter New York, Barcelona und das Ruhrgebiet, werden in der Ausstellung gezeigt. Und natürlich ist auch Kopenhagen dabei, die Stadt, die sich auch die Initiatoren des Frankfurter Radentscheids zum Vorbild genommen haben.

„Sanfte Rückeroberung“

Für Andrea Jürges, Vizedirektorin des DAM, zeigt die Ausstellung, dass es weltweit eine Bewegung hin zu Fahrrad gebe. „Wir wollen Teil dieser Bewegung sein.“ Das DAM möchte Städtebauer, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplaner zusammenbringen, um den Weg zu ebnen für die „sanfte Rückeroberung der Stadt“ durch Fußgänger und Radfahrer.

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