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Polizeihauptkommissar Alexander Schild steht vor dem Aufklärungshubschrauber Alpha, an dessen Kufe der schwarze Technikbehälter befestigt ist.

Hubschrauber unterstützt Aufklärung

So funktioniert das fliegende Auge der Frankfurter Polizei

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Vermisstensuche, Täterfahndung, Luftaufklärung – die Aufgaben der Polizeifliegerstaffel sind vielfältig. Einer der Hubschrauber hat jetzt neue, hochmoderne Videotechnik an Bord. Damit können die Polizisten selbst aus einer Drei-Kilometer-Distanz noch Details erkennen.

Wenige Stunden nach der Zerstörung des Goetheturms steuerte Alexander Schild den Polizeihubschrauber über die rauchenden Trümmer. Der Polizeihauptkommissar und seine Kollegen hatten die Aufgabe, Übersichtsaufnahmen vom Brandort zu machen.

Welches Bild bot sich unmittelbar nach dem Feuer? Welche Wege könnte ein Brandstifter als Zu- und Fluchtweg genutzt haben? Das waren nur zwei von vielen Fragen, die die Brandermittler des Frankfurter Polizeipräsidiums interessierten.

Ein Kollege Schilds machte die Fotos ganz klassisch mit einer Spiegelreflexkamera. Der Polizeihubschrauber „Alpha“ – einer von drei Helikoptern der hessischen Polizeifliegerstaffel – hat seit ein paar Wochen aber auch neue, hochmoderne Videotechnik an Bord. Mitarbeiter der Staffel sprechen im Hinblick auf das Kamerasystem mit Bildschirmarbeitsplatz von einem „Quantensprung“. Im Vergleich zu früher sei jetzt eine deutlich effizientere Luftaufklärung möglich.

Das „Auge“ der Anlage ist das Kameramodul, das sich vorn an der rechten Kufe des Helikopters befindet. Schwarz und so groß wie ein Papierkorb, beinhaltet es eine Wärmebildkamera, eine TV-Kamera, die auch als Spezialkamera für schlechte Lichtverhältnisse genutzt werden kann, und einen „Spotter“. Dieser dient als Teleskop und kann Personen und Objekte extrem vergrößern. Auch Laserinstrumente, mit denen sich Abstände messen und Ziele markieren lassen, stecken in dem gefederten Außenbordmodul. Die neuen, digitalen Kameras liefern im Gegensatz zu den alten, analogen Exemplaren aus dem Jahr 2003 durchweg

HD-Qualität

. „Mit der Wärmebildkamera können wir selbst über eine Distanz von gut drei Kilometern noch erkennen, ob eine Person eine Brille oder einen Hut trägt“, sagt einer der Operatoren, die schon im Umgang mit der neuen Videotechnik geschult wurden. Während des Fluges sitzt er an einem Arbeitsplatz hinter dem Piloten und Co-Piloten.

Mit einem Steuerelement, das an eine Spielekonsole erinnert, kann der Operator die Kameras nach oben und unten neigen und um 360 Grad drehen. Die Aufnahmen kann er auf zwei Monitore schalten, aufzeichnen und live in die Befehlsstelle eines Polizeipräsidiums übertragen – was zum Beispiel bei großen, unübersichtlichen Demonstrationslagen interessant ist.

Ein Clou des neuen Systems ist, dass sich in die Luftaufnahmen auf dem Bildschirm jederzeit geografische Informationen wie Straßennamen und Hausnummern einblenden lassen. „Bei der Verfolgung eines Täters durch die Stadt mussten wir früher immer auf einer Karte nachsehen, wie die Straßen heißen, um die Kollegen am Boden informieren zu können.“ Dieser Aufwand entfällt nun. Die Adresseinblendung half jüngst schon bei der Überführung eines 13-jährigen Jungen, der versucht hatte, die Piloten aus einem Gebäude heraus mit einem Laserpointer zu blenden.

Die Fliegerstaffel rüstet ihr Flugzeug und die beiden anderen Hubschrauber derzeit nach und nach für die neue Videotechnik um. Dem ersten Kamerasystem, das schon in Betrieb ist, soll ein zweites folgen. Die Gesamtkosten für Anschaffung und Umrüstung schätzt Flugbetriebsleiter Schild auf einen Betrag zwischen 3 und 3,5 Millionen Euro. Weil die alte Technik in die Jahre gekommen war und mitunter ausfiel, halten die Landespolizei und ihre Fliegerstaffel das für gut angelegtes Geld.

Bei 40 bis 50 Prozent der Flugeinsätze gehe es um die Suche nach vermissten Personen, entsprechende Einsätze gebe es fast täglich, sagt Schild. „Das sind häufig demente Senioren, die weggelaufen sind, manchmal aber auch Pilzesammler, die sich im Wald verlaufen haben.“ Zu Fahndungszwecken werde der Polizeihubschrauber aus Rücksicht auf die Bevölkerung meist nur bei Straftaten einer gewissen Schwere oder beim Verdacht auf eine Serie eingesetzt. „Wenn in Frankfurt wieder ein Holzbauwerk brennen würde, wäre das sicher ein Anlass“, sagt Schild.

Außer Einsätzen aus aktuellen Anlässen macht die Fliegerstaffel auch Streifenflüge, etwa zum Schutz des Frankfurter Flughafens und des Atomkraftwerks Biblis.

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