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Eintracht-Legende Karl-Heinz „Charly” Körbel sitzt in einem Magnetenzephalographen.

Eintracht-Legende

„Fußball im Kopf”: Körbels Gehirnströme werden gemessen

Auf dem Weg zum „begehbaren Gehirn” von Eintracht-Legende Charly Körbel ist das Frankfurter Senckenberg-Museum einen weiteren Schritt vorangekommen.

Charly Körbel sitzt recht entspannt unter einem High-Tech-Apparat, der wie ein gigantischer Haartrockner aussieht. Plötzlich werden auf einem Bildschirm vor ihm Bilder vom DFB-Pokal oder eines Fußballs eingeblendet. Zusätzlich hört die inzwischen 63 Jahre alte Fußball-Legende der Frankfurter Eintracht akustisch den Trillerpfiff eines Schiedsrichters.

Auf dem Weg zum "begehbaren Gehirn" des einstigen Vorstoppers, das künftig die Attraktion des neuen Ausstellungsbereichs "Mensch" sein soll, hat das Frankfurter Senckenberg Museum einen weiteren wichtigen Schritt gemacht. Die Messungen der Magnetenzephalographie (MEG) sollen zeigen, wie das Gehirn des Leiters der Eintracht-Fußballschule auf fußballerische Impulse reagiert.

Die MEG misst mit 275 Sensoren die magnetischen Felder, die dabei die elektrischen Impulse der Nervenzellen in Körbels Hirnrinde erzeugen. Die Ergebnisse können anschließend grafisch dargestellt werden.

Dabei wird der Pfiff einer Trillerpfeife vom Gehirn innerhalb einer Zehntelsekunde registriert - und zuerst einmal abgehakt. Das lässt sich an den Amplituden der grafischen Aufbereitung erkennen. "Es ist mathematisch relativ aufwendig", erläutert der Neurowissenschaftler Prof. David Poeppel vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik die Arbeit.

Im Gehirn geht es um Millisekunden. Alles funktioniert dort elektromagnetisch. Es ist zwar relativ klein, aber hochkomplex. Etwa 86 Milliarden Zellen bilden die Infrastruktur.

Wie die Hirnrinde Körbels auf so freudige Reize wie etwa das Bild vom "Pott" reagiert, den die Eintracht vor einigen Tagen sensationell im Finale gegen Bayern München gewonnen hatte, sollen dann die Senckenberg-Besucher im "begehbaren Gehirn" nachvollziehen können. Das Gehirn wird dort in 50-facher Vergrößerung zu sehen sein.

Scans von Körbels Hirnlappen sind bereits mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) erstellt worden. Am Montag wurde Körbel nun ein Modell von seinem Denkapparat in einem Maßstab von 1:10 präsentiert. "Es ist schon ein großes Ding", sagte der heutige Leiter der Eintracht-Fußballschule zu seinem "kleinen Gehirn". Der Rekordspieler - mit 602 Einsätzen liegt er unter allen Bundesligavereinen immer noch an der Spitze - ist "unheimlich stolz" auf seine wissenschaftliche Mission.

Für die Neugestaltung des renommierten Museums ist Körbel vor zwei Jahren in einer Online-Abstimmung bestimmt geworden - vor Albert Einstein. Fußball hält Körbel für eine herausfordernde Sportart, weil der Spieler ständig Entscheidungen treffen und sich auch noch ständig mit dem Schiedsrichter auseinandersetzen müsse. Eigentlich - meint Körbel ironisch - hätte sein Hirn nach jedem Spiel "explodieren" müssen.

Wann die Schau im Museum eröffnet wird, ist noch unklar. Das Senckenberg Museum wird derzeit für fast 60 Millionen Euro bei laufendem Betrieb in mehreren Etappen völlig umgebaut. Das Körbel-Hirn-Projekt wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit einer Million Euro gefördert.

(dpa)

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