Ausschreitungen

Der Fußball und sein Pyro-Problem - auch Eintracht oft bestraft

Eine Einigung zwischen Krawallmachern und Clubs ist nicht in Sicht. Das bereitet auch der Polizei Sorgen.

Zuschauerränge in Rauch und Feuer gehüllt, immer neue Tricks der Ultras und aufschreiende Funktionäre: Das Abbrennen von Pyrotechnik in den Stadien sorgte zuletzt wieder für große Aufregung. Der deutsche Fußball bekommt das Problem nicht in den Griff. Eine Einigung zwischen Krawallmachern und Clubs ist nicht in Sicht. In den Stadien wird es wohl weiter brennen.

„Die Lage ist nicht schnell zu lösen, die Probleme sind lange bekannt“, sagte Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Polizei-Gewerkschaft GdP. Weiter gehen im Fußball die Meinungen zum Zündeln auseinander. Der DFB besteht auf ein Verbot und verschärft die Regeln. Die Fan-Gruppen kämpfen für einen freien oder regulierten Einsatz von Bengalos und Leuchtraketen.

Die regelmäßigen Treffen zwischen Fans und Verbänden zu dem Thema sind ohnehin schwierig. DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann sprach nach dem Alptraum bei Waldhof Mannheim im Aufstiegsspiel zur 3. Liga gegen Uerdingen mit 45 Verletzten bereits vom Ende der Dialogbereitschaft. Das ging aber selbst den Fans zu weit.

„Natürlich werden DFB und DFL den Dialog mit den Fans weiter fortführen, es gibt keine Alternative dazu“, sagte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt. Schon für das Wochenende ist in Offenbach ein Treffen mit Fan-Gruppen und Club-Vertretern der 1. und 2. Bundesliga angesetzt.

„Wir haben die Hoffnung, dass dort der Dialog fortgesetzt wird“, sagte auch Rainer Vollmer von „Unsere Kurve“. Die unabhängige Fan-Organisation, die nach eigenem Bekunden gute Kontakte zu den Ultras in Deutschland hält, ist ebenfalls in Offenbach dabei und hofft auf ein konstruktives Treffen.

Derweil hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Maßnahmen gegen Zündler verschärft. Vereine bis einschließlich zur Regionalliga müssen ab der neuen Saison mit einem Punktabzug rechnen, falls ein Spiel wegen des Einsatzes von Pyrotechnik länger als fünf Minuten unterbrochen wird. „Das lehnen wir ab. Die Spieler und Mannschaften zu bestrafen, ist nicht der richtige Weg“, so Vollmer.

Dass Pyrotechnik erst gar nicht ins Stadion gelangt, scheint immer aussichtsloser. Den Ultras fallen immer neue Tricks ein. In Mannheim soll es nachts im Vorfeld eine Fan-Party im Stadion gegeben haben, bei der möglicherweise Bengalos und Knaller in der Arena deponiert wurden. Malchow weiß von vielen weiteren Varianten: „Die Fans tragen durch die Choreographien oft jede Menge Material ins Stadion. Das bietet die Möglichkeit, Pyrotechnik zu schmuggeln.“

Für die Beamten bleibt es oft ein Rätsel, wie die Pyrotechnik in die Arenen gelangt. So kommt es vor, dass Fan-Gruppen den Sicherheitsdienst durch Pöbeleien ablenken, während andere Randalierer Taschen mit Pyro-Inhalt über den Stadionzaun werfen. Auch wird Pyrotechnik in Körperöffnungen ins Stadion geschleust. „Die Frage ist, wie intensiv das Abtasten der Körper durch die Sicherheitskräfte erfolgen kann“, so Malchow.

Schwierig ist es für die Polizei auch, die oft vermummten Ultras zu identifizieren. Viele ziehen sich in den Stadien um. Für die Beamten ist es aber wichtig, die Täter strafrechtlich zu verfolgen, damit es zu Gerichtsverfahren kommen kann. Dazu benötigt die Polizei eine lückenlose Beweiskette.

In Frankfurt sind „Feuerwerkskörper, Raketen, bengalische Feuer, Rauchpulver, Leuchtkugeln und andere pyrotechnische Gegenstände“ laut Stadionordnung verboten. Dennoch wird auch bei Eintracht-Spielen mit schöner Regelmäßigkeit „gezündelt“, was dem Fußball-Bundesligisten schon hohe Geldstrafen und Zuschauer-Teilausschlüsse beschert hat. „Pyrotechnik ist verboten und ich halte sie für gefährlich, aber Pyrotechnik ist keine Gewalt“, hat Marketing-Vorstand Axel Hellmann einmal im hr-Interview gesagt. Beim Pokalfinale in Berlin brannten sowohl Eintracht- als auch Bayern-Fans Pyrotechnik ab. Beiden Clubs droht eine Geldstrafe durch den DFB.

(sid,rich)

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