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Prozess

Fußballfan vor Gericht: Geldstrafe wegen Hetzplakat

Ein besonders „leidenschaftlicher“ Fan des SV Wehen/Wiesbaden musste sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Er hatte sich vor dem Derby gegen den FSV Frankfurt einen am Ende für ihn teuren Spaß erlaubt.

„Ich bin ein ganz normaler Fan des SV Wehen/Wiesbaden“, sagt der 24 Jahre alte Angeklagte D. Das allein reicht aber nicht ganz, um auf der Anklagebank des Amtsgerichts zu landen. Da muss schon noch so etwas wie eine „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ dazukommen.

In der Nacht auf den 15. Dezember befestigten D. und ein paar Kumpels an der Außenwand des FSV-Stadions am Bornheimer Hang ein Riesentransparent mit der Aufschrift „17.12. Bornheim-Schweine erhängen“, um damit auf das Derby FSV Frankfurt/SV Wehen am 17. Dezember aufmerksam zu machen. Das Transparent hing dort etliche Stunden und störte den öffentlichen Frieden.

Das sei vermutlich eine Schnapsidee gewesen, räumt D. ein. Auf diese sei er während eines Besuchs beim Frauenarzt gekommen. Ein Rapper dieses Namens habe an jenem Abend ein Konzert in der Batschkapp gegeben, da seien auch ein paar Wiesbadener gewesen, und gemeinsam sei man auf die so glorreiche wie spontane Idee gekommen, mal eben ein Transparent von zehn Metern Breite zu gestalten und dieses am nahe gelegenen FSV-Stadion aufzuhängen.

„Ich wusste gar nicht, dass das so eine große Straftat ist“, das sei doch eher „Derby-Alltag“, sagt D. Zu spät: In der Tatnacht war er mit so viel Enthusiasmus dabei, dass er mit frischer Farbe und seinen Fingerabdrücken auf dem Transparent der Polizei gewissermaßen eine Einladung zur Hausdurchsuchung auf das Plakat gedruckt hatte.

Diese Hausdurchsuchung führte zu einem konfiszierten Handy, und darauf gespeicherte Nachrichten schürten den Verdacht, dass die Idee doch nicht ganz so spontan gewesen war.

Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Zum einen ist beim Derby damals niemand erhängt worden. Zum anderen will man dem jungen Mann, der im letzten Semester Biologie ist und einen Job in Aussicht hat, die Zukunft nicht verbauen. Das wäre schnell passiert, denn D. ist erst kürzlich wegen Körperverletzung zu 40 Tagessätzen verurteilt worden. Er hatte nach eigenen Angaben „einem Regensburger Fan den Schal abgezogen“, der habe hinterher eine „leichte Rötung am Hals gehabt“.

D. muss 1000 Euro an die Hessische Gesellschaft für Ornithologie zahlen. Die hat zwar überhaupt nichts mit Fußball zu tun, aber schließlich ist der Adler ja das Wappentier des FSV Frankfurt.

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