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Die Zukunft des Sportplatzes Mainwasen steht auf dem Spiel.

Sportplatz

Ein Fußballplatz am Mainufer soll weichen, weil Zentralbanker eine europäische Schule brauchen

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Einige geben sich kämpferisch, andere haben schon resigniert. Beim Fußballspiel am Sonntagnachmittag herrscht Ungewissheit auf dem Sportplatz Mainwasen: Wie lange wird es die Anlage noch geben? Denn die Stadt überlegt, dort eine internationale Schule zu bauen.

Es ist nicht viel los an diesem Fußballnachmittag. Die wenigen Besucher des Kreisliga-A-Duells zwischen dem VfL Germania 94 und der zweiten Mannschaft der SG Bornheim/Grün-Weiß, das die Gastgeber auf dem Sportplatz Mainwasen mit 4:1 gewinnen werden, sind Verwandte und Freunde der Protagonisten auf dem Platz. „Ruhig ist’s hier“, stellt Fritz Mönner am Spielfeldrand fest. „Bei uns geht’s lauter zu. Da wird viel mehr angefeuert.“ Doch „so eine schöne Anlage“ habe man nicht in Marburg, wo der Vater eines der Gäste-Spieler lebt.

Dass es diese schöne Anlage vielleicht bald nicht mehr geben könnte, dafür haben Mönner und seine Frau Renate ebenso wenig Verständnis wie das Trio, das kurz nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit auf dem Weg zum Kaffeetrinken in der Vereinsgaststätte ist. „Es heißt immer, die Kinder sollen von der Straße“, sagt Birgit Schäfer, deren Mann im erweiterten VfL-Vereinsvorstand ist. Aber wo sollten sie hin, wenn sich in der Nähe keine Spiel- und Sportmöglichkeiten mehr finden.

Nähe zur EZB wäre angenehm

Das Problem besteht darin, dass man bei der Stadt überlegt, die Heimat der ältesten Frankfurter Vereine Germania und SV Sachsenhausen 1894 einer neuen Europäischen Schule zu opfern. In der bisherigen in der Nordweststadt herrscht Platzmangel; zudem ist durch den Brexit ein starker Anstieg der Schülerzahlen zu erwarten. Viele Angestellte der Europäischen Zentralbank (EZB) schicken ihre Kinder dorthin. Eine Lehranstalt in der Nähe des Arbeitsplatzes wäre ihnen angenehm.

„Wir wollen hier nicht weg“, sagt Sertan Sak bestimmt. Für den 23-jährigen Flügelspieler der Germania wäre das ein Grund, den Verein zu wechseln. „Ich wohne nur zehn Minuten von hier.“ Eine längere Anfahrt zum Training würde er nicht in Kauf nehmen. Man dürfe eine solche Fläche, auf der aus beiden Clubs zahlreiche Jugendmannschaften kickten und die mit viel Engagement aufgebaut worden sei, nicht aufs Spiel setzen.

In der Mannschaft war das Thema schon Kabinengespräch. Doch laut Kapitän Cosimo Vasta hat es keine große Aufregung gegeben. Rüdiger Schott, der Vorsitzende des Ältestenrates, habe gleich zu verstehen gegeben, dass er nicht glaubt, dass sich ein solches Vorhaben durchsetzt. Zum eigenen Vorgehen, sollte es doch ernst mit den Plänen werden, wollte der 79-Jährige keine näheren Auskünfte geben.

VfL Germania erlebt ein Déjà-Vu

„Für uns wäre es ein Déjà-vu“, so Schott. Mussten die stolzen Germanen seit ihrer Gründung doch schon zweimal ihre Spiel- und Trainingsstätte wechseln. „Aber diesmal wird das nicht funktionieren.“ Unter anderem ein festgeschriebenes langes Mietverhältnis spreche dagegen.

Vasta ist selbst vierfacher Familienvater mit dem Problem, für seine Kinder passende Betreuungsmöglichkeiten zu finden. „Aber Sportvereine sind genauso wichtig wie Schulen und Kindergärten“, sagt der 32-Jährige. Sie lehrten den Nachwuchs Dinge fürs Leben wie Disziplin oder Teamgeist. „Es muss doch andere Standorte geben, um eine Schule hinzustellen.“ Nicht gerade da, wo Kinder etwas Sinnvollem nachgehen und dafür, wie auf der betroffenen Anlage, gute Bedingungen vorfinden.

Kämpfen oder Resignieren gegen die Stadtpläne

Sein Teamkollege Thomas Malik hat derweil schon resigniert. „Als Spieler ist man der Stadt gegenüber ohnmächtig“, sagt der 22-Jährige. Bestimmt spiele Finanzielles eine Rolle. Wenn man sich dann darauf einige, die Schule an den Mainwasen zu bauen, „können wir zwar protestieren, werden uns am Ende aber beugen müssen“. Ein junger Mann, der vor der Kabine sitzt, gibt sich kämpferischer. Man werde das Gelände niemals aufgeben. „Wir werden notfalls mit Mistgabeln gegen die EZB vorgehen.“

Auch der SV 1894 Sachsenhausen zittert wegen seiner Fußballplätze und einer möglichen europäischen Schule.

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