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Schuss, Tor und Jubel: Der Stürmer der Ruhrpott-Söldner lässt dem Torhüter der Sozialen Förderstätten zumindest in dieser Szene keine Chance. Doch wichtiger als der Erfolg war allen Spielern Spaß und gute Laune.

Leberecht

Zum Fußballturnier für Menschen mit Behinderungen kommen Teams aus ganz Deutschland

150 Spieler, 37 Partien, 10 Mannschaften aus ganz Deutschland: Und dennoch gab es beim Fußball-Turnier für Menschen mit Behinderung nur Gewinner. Und jede Menge gute Laune.

Auf zwei Plätzen fallen parallel Tore, gehen Bälle ins Aus, klatschen sich Spieler ab, diskutieren und lachen. Seit 16 Jahren richtet die SG Rot-Weiß im Brentano-Stadion das nationale Behinderten-Fußball-Turnier aus, bei dem Mannschaften aus ganz Deutschland kommen. „Das ist aktiver und echt guter Fußball“, sagt David Gretz (27), Kapitän der Ruhrpott-Söldner aus der Nähe von Dortmund und grinst. „Ich spiele hier zum vierten Mal, manchmal gewinnen wir. Aber darauf kommt es gar nicht so an.“ Noch wichtiger sei der Spaß, der Zusammenhalt und das Treffen der vielen Mannschaften. „Außerdem gewinnt hier jeder“, so Gretz und meint damit Pokale, Medaillen und Urkunden, die seit Anfang an von der LEBERECHT--Stiftung dieser Zeitung gestellt werden.

Hans Appel (59) ist Jugendvorstand des SG Rot-Weiß und Organisator des Turnier-Tages. „Da steckt schon jede Menge Arbeit drin. Wir schreiben alle Werkstätten an, organisieren die Spielpläne und Verpflegung der Mannschaften. Startgeld wird nicht fällig, weil sich so viele ehrenamtlich beteiligen.“ Damit meint er Sponsoren wie die Deutsche Bank. Mitarbeiter verbringen seit Jahren diesen Tag mit der Betreuung von Teams und einer Tombola, in der es Kuscheltiere und Bälle zu gewinnen gibt.

„Ohne solche und ähnliche Sponsoren wäre dieses Event gar nicht möglich“, so Appel. Für die Mannschaften gibt es frisches Obst, Kuchen und Getränke, die auf langen Tischen bereitstehen.

Auf den Spielfeldern wird gekickt, in den Mannschaftspausen gefachsimpelt. „Ich hab’ noch ’ne Flanke gegeben, aber die Abwehr war zu dicht“, klingt es nach dem Spiel. Je 15 Minuten lang wird gekickt plus drei Minuten Pause. Zwischendurch massieren sich die Spieler die Beine, wärmen sich auf, ruhen sich auf dem Rasen aus oder beobachten die Spiele vom Rand aus.

Franz ist mit 64 Jahren der älteste Spieler. Er gehört zum Team der Praunheimer Werkstätten. „Wir haben heute zwei Mal verloren, aber es hat trotzdem ganz viel Spaß gemacht. Ich komme jedes Mal zum Turnier und freue mich auf die ganzen anderen Spieler“, sagt er strahlend und lehnt sich an Hans Appel an. „Der macht das super“, fügt Franz hinzu.

Manfred (45) spielt selbst nicht mehr mit. Er ist als Maskottchen des SG Rot-Weiß und Helfer dabei. „Ich bin operiert worden, kann in diesem Jahr nicht mehr Fußball spielen“, erzählt er und deutet auf sein Knie. Seit 30 Jahren kommt er zum Verein und fährt überallhin mit. „Ich bin so froh, dass wir ein Team haben und das Turnier. Alle helfen mit und sind total nett. Jeder arbeitet hier ehrenamtlich. Wir haben uns alle aneinander gewöhnt. Davon müsste es noch viel mehr geben.“ Appel stimmt zu. „Bei uns wird niemand ausgegrenzt. Es geht beim Turnier um Zusammenhalt und Spaß. Es geht darum, dass die Spieler einen Tag lang völlig unbeschwert sind und ihn einfach nur genießen.“ Genau das tun die Männer. Jeder Spieler wird ausgezeichnet und auch jedes Team. „Mitmachen ist alles“, erklärt Gretz und lobt den Verein. „Das, was ihr auf die Beine stellt, davon müsste es viel mehr geben.“

Ein Gönner von SG Rot-Weiß, der namentlich nicht genannt werden möchte, gibt weiteren Einblick. „Wir holen Kinder von der Straße, richten seit 16 Jahren Turniere aus. Wir bilden hier 60 bis 70 Nationen aus. 400 Kinder sind im Verein. Viele Kinder, Jugendliche und Behinderte stehen draußen im Abseits, bei uns nicht.“

Der schlanke Mann wundert sich, dass „alle zu den großen Vereinen laufen. Dort wird ganz viel unterstützt. Bei Amateuren nicht. Die Kleinen haben nicht mal Wasser zu trinken. Das stelle ich. Ich wünsche mir, dass es mehr Unterstützung für uns gibt. Mehr Leute, die sich gegen Ausgrenzung und für Zusammenhalt einsetzen. Die LEBERECHT-Stiftung macht es vor, wie Integration und Zusammenhalt funktionieren.“

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