Das Feld, das mit dem Sportplatz bebaut werden soll, reicht von der Offenbacher Landstraße bis zum Wassergraben. foto: privat
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Das Feld, das mit dem Sportplatz bebaut werden soll, reicht von der Offenbacher Landstraße bis zum Wassergraben.

Oberrad: Existenzangst

Gärtner machen mobil: Gemeinsame Erklärung gegen Sportplätze

  • vonStefanie Wehr
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OBERRAD Landwirte bangen - Grundstückspreise zu niedrig

Die Oberräder Gärtner haben die Nase voll. Der Gemüseanbau im Gärtnerdorf macht ihnen zunehmend Probleme, das Gärtnern wird immer mühsamer. Die Felder sind übersät von Müll, Autos fahren illegal auf den Wegen, Hundekot wird im Gemüse hinterlassen, Spaziergänger legen sich zum Sonnenbad mitten in die Grüne-Soße-Kräuter. Rücksichtslosigkeit und geringe Wertschätzung der Gärtnerarbeit machten sich in den vergangenen Jahren immer mehr breit, schildern die Landwirte, etwa die Kräutergärtner Rainer Schecker und Horst Krämer.

Und nun sollen ihnen auch noch Flächen abhanden kommen. Wenn es nach der Stadt geht, soll an der Offenbacher Landstraße eine Sportanlage gebaut werden, als Ersatz für die Mainwasen-Sportplätze, die wiederum der Europäischen Schule weichen sollen. Das Stück Land, das dafür an der Offenbacher vorgesehen ist, wird vor allem landwirtschaftlich genutzt, wie auf dem Drohnenfoto gut zu sehen ist. Ortslandwirt Horst Krämer ist wenig begeistert vom Plan der Stadt. "Wenn dort ein Sportplatz gebaut wird, kann man die Bewirtschaftung der Felder drumherum vergessen. Die Wege werden dann zugeparkt, es wird noch mehr Müll geben", vermutet er. "Die Landwirtschaft wird weiter zurückgedrängt. Bald ist nichts mehr übrig."

Die Felder werden zugeparkt

Horst Krämer bewirtschaftet den sogenannten Pfaffenacker, den er von der Stadt gepachtet hat. Es ist das Stück Feld zwischen Offenbacher Landstraße und "Oberräder Fußweg", ein Feldweg, der weiter westlich an der Offenbacher beginnt und bis zur Balduinstraße führt. Der größere Teil der für den Sportplatz vorgesehenen Fläche, der Richtung Norden bis zu den Wassergräben reicht, wird unter anderem vom Gartenbaubetrieb Steinmetz und Keller bewirtschaftet, der dort Kräuter für die Grüne Soße anbaut: Kerbel, Schnittlauch, Sauerampfer wachsen im Wechsel auf dem besagten Feld. Außerdem gibt es dort einige privat genutzte Kleingärten.

Dieser untere, zwei Hektar große Acker ist in viele schmale Parzellen abgeteilt, erklärt Norbert Keller. "Ein Teil gehört uns selbst, die übrigen Besitzer sind Erbengemeinschaften, seit Jahrzehnten sind diese Felder im Familienbesitz in Oberrad", weiß der Gärtner. Auch er hält von der Idee nichts, die Felder zu bebauen. "Ich bin damit überhaupt nicht einverstanden. Das wird ein einziges Chaos geben, mehr Autoverkehr, Müll und Lärm. Es funktioniert überhaupt nicht, wie sich die Stadt das Sportgelände vorstellt. Es müssen neue Zuwege asphaltiert werden, die Parkplätze werden nicht reichen, und dann werden die Felder zugeparkt."

Keller glaubt ohnehin nicht, dass es der Stadt gelingen wird, die für das Bauprojekt benötigten Flächen den jetzigen Besitzern abzukaufen. "Nicht bei den Preisen, die sie uns bieten. 21 Euro pro Quadratmeter - das ist ein Lachpreis, wenn hundert Meter weiter 1000 Euro für Bauland geboten werden. Das ist ein Hohn."

Die Gärtner wollen sich nun zusammentun und eine Stellungnahme an die Stadt verfassen. "Es heißt immer, die Leute sollen Produkte aus der Region konsumieren. Wenn hier alles zugebaut wird, kann in Oberrad bald nichts mehr angebaut werden", sagt Keller. So sieht es auch Horst Krämer: "Wenn die Sportplätze an der Offenbacher gebaut werden, ist es bald aus mit der Landwirtschaft im Gärtnerdorf", sagt der Landwirt.

Unterdessen formiert sich der Widerstand der Anwohner in der Balduin- und der Kochstraße, die, wie berichtet, eine Bürgerinitiative gegen die Sportplätze gründen wollen. Stefanie Wehr

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