Die Oberräder Felder mit den zahlreichen Gewächshäusern werden stark beansprucht, von Spaziergängern und Hunden. Auch Gemüsediebe treiben ihr Unwesen. foto: holger menzel
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Die Oberräder Felder mit den zahlreichen Gewächshäusern werden stark beansprucht, von Spaziergängern und Hunden. Auch Gemüsediebe treiben ihr Unwesen. foto: holger menzel

Oberrad: Hundedreck und Diebe

Gärtnereien schützen, Freizeitwert erhalten

  • vonStefanie Wehr
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Ein Feldschütz reicht nicht: Umweltamt sucht nach Konzept

Hundekot, Gemüseklau, Ernteschäden: Das Umweltamt Frankfurt hat jetzt ein Konzept ausgeschrieben, das die Probleme auf den Oberräder Feldern lösen soll. Landschaftsplaner sollen sich um das 433 Hektar große Areal der nördlichen Felder Gedanken machen. Sie liegen im GrünGürtel-Park Oberrad/Sachsenhausen. Denn die seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzten Felder sind seit dessen Entstehung 1991 Teil des GrünGürtels.

Zu viele Hunde laufen frei auf den Feldern

Damit fängt das Problem an, das sich in der Corona-Zeit sogar verschlimmert hat: Enorm viele Menschen sind auf den Feldern mit ihren Hunden unterwegs. Die Felder vermüllen. Die Vierbeiner hinterlassen Kot auf den Äckern und beschädigen die Ernte. Viele Hundehalter ließen sich aber nicht davon abbringen, ihre Tiere ohne Leine laufen zu lassen. Landwirte wie der Gemüsebauer Thomas Jung ärgern sich über zugekotete Äcker, auf denen Gemüse wachsen soll.

Gärtner Rainer Schecker hat sich mit niedrigen Zäunen beholfen, damit die Hunde nicht auf seinen Grüne-Soße-Kräutern herumtrampeln. "Wenn man die Leute darauf aufmerksam macht, wird man auch noch beschimpft", berichten Schecker, Jung und andere Gärtner unisono. Dasselbe passiere, wenn sie mit ihren Traktoren oder Lkw auf den Wegen fahren: "Übelste Schimpfworte muss man sich anhören", sagen sie, "von Spaziergängern, die sich von unseren Fahrzeugen gestört fühlen. Dabei arbeiten wir hier."

Weiteres Problem: der kriminelle Gemüseklau in großem Stil. Wie berichtet, wurden bei den Gemüsegärtnern mehrfach die Gewächshäuser systematisch geleert - meist nachts, wenn niemand vor Ort ist und es nichts bringt, wenn eine Alarmanlage angeht, weil die Polizei zu weit weg ist. Wenn die Streife kommt, sind die Diebe über alle Berge.

Einen Feldschütz will die Stadt aber nicht einsetzen. Die Stadtpolizei habe nicht genügend Personal. Die normale Polizeistreife würde ausreichen, hieß es jüngst vom Magistrat. Aus rechtlichen Gründen dürfe zudem kein ehrenamtlicher Zivilist die Aufgabe übernehmen, lautet die jüngste, ernüchternde Antwort der Stadt an den Ortsbeirat 5, der den Feldschütz gefordert hat.

Diese Antworten seien nicht befriedigend, sagt Ortsvorsteher Christian Becker (CDU). Er und die CDU Oberrad setzten jetzt darauf, dass das ausgelobte landschaftsplanerische Konzept des Umweltamts den Sicherheitsaspekt mit einschließt.

Denn Ziel des Konzeptes ist es, "für das traditionelle Anbaugebiet der Frankfurter Grünen Soße Ansätze und Maßnahmen zum Erhalt der Kulturlandschaft zu entwickeln", heißt es in der Ausschreibung. "Die Gärtnerbetriebe müssen also unbedingt mit einbezogen werden", sagt Becker. "Wir erwarten, dass Vorschläge unterbreitet werden, wie man die Arbeit der Erwerbsgärtner unterstützen und schützen kann." Zugleich müsse das Feld für die Bürger geöffnet bleiben, die Erholung in der Natur suchten.

Miteinander reden statt herumpöbeln

Ein friedlicheres Miteinander von Bürgern und Landwirtschaft wünschen sich auch die Betreiber der Kooperative im Bärengarten. Sie wollen deshalb einen Bürgerdialog starten. "Das haben wir der Stadt vorgeschlagen", sagt Silas Müller, Mitbegründer der Kooperative. "Es ist besser, miteinander ins Gespräch zu kommen, als sich immer nur anzupöbeln. Mit Führungen und Info-Veranstaltungen können wir den Leuten verständlich machen, wie wir arbeiten und warum es nicht gut ist, wenn die Hunde überall frei herumlaufen." Was den Gemüseklau betrifft, glaubt Müller nicht, dass ein einzelner Feldschütz dagegen etwas ausrichten kann. "Das passiert nachts, wenn keiner draußen ist." Stefanie Wehr

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