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Unglück in der S-Bahn-Station

Gaffervideo: Polizei ermittelt gegen ersten Verdächtigen

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Hat er das Gaffervideo hergestellt, oder hat er es nur – wie viele andere – auf sein Mobiltelefon geladen? Gegen einen 18-jährigen Sossenheimer ermittelt die Polizei.

Der junge Mann steht im Verdacht, jenes Video aufgenommen zu haben, das den in der S-Bahn-Station Ostendstraße verunglückten Alpug Sözen zeigt. Auf dem Mobiltelefon des Sossenheimers wurde die Videosequenz gefunden, die die Szene in der S-Bahn-Station unmittelbar nach dem Unfall zeigt. Sözen war vor zwei Wochen bei einem S-Bahn-Unglück ums Leben gekommen, als er versucht hat, einen Obdachlosen aus dem Gleis zu retten.

Oberstaatsanwältin Nadja Niesen bestätigte die Ermittlungen gegen den Sossenheimer. Es gehe darum herauszufinden, ob die Videosequenzen mit dessen Handy gedreht wurden. Der Verdächtige bestreite das; Medienberichten zufolge behauptet er, er habe die Datei von jemand anderem erhalten. Der Film war kurze Zeit später im Internet. Auch damit habe der Sossenheimer nichts zu tun, sage er. Wie viele Menschen den Film im Internet gesehen haben, auf wie viele Geräte diese Datei gespeichert wurde, ist unklar.

Der Sossenheimer war in Verdacht geraten, weil die Polizei einen Hinweis auf ihn erhalten habe. Beamte haben die Wohnung des Mannes durchsucht. Dies sei nach dem 23. November geschehen. Als erstes hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber berichtet.

Nadja Niesen zufolge droht dem Mann eine Höchststrafe von zwei Jahren oder eine Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, das Recht am eigenen Bild des Verunglückten verletzt zu haben, in einem besonders schweren Fall: Paragraf 201a ahndet die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Strafbar ist demnach „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt“. Strafbar macht sich, wer eine solche Aufnahme „unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt“. Die Eltern des Verunglückten hatten Anzeige erstattet, nachdem sie erfahren hatten, dass Bilder ihres Sohnes im Netz kursieren.

Seit der Rettungsaktion des Jugendlichen – der Obdachlose überlebte schwer verletzt – gilt Alpug als Held. Sein Verhalten war selbstlos, seine Hilfsbereitschaft außergewöhnlich. Dogus Albayrak, Bruder der vor vier Jahren getöteten Tugçe, hat deswegen eine Resolution ins Netz gestellt. Er will, dass die Station Ostendstraße in Alpug-Sözen-Station umbenannt wird. Binnen sieben Tagen haben fast 54 000 Menschen die Resolution unterschrieben. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) unterstützt die Idee.

(tjs)

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