Schließungswelle bei Karstadt

Hessen-Center ohne Galeria Kaufhof: Droht dem Einkaufszentrum jetzt das Aus?

  • vonFriedrich Reinhardt
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Frankfurt: Galeria Kaufhof schließt die Filiale im Hessen-Center. Die Sorge um das Einkaufszentrum wird immer größer.

  • In Frankfurt schließt Galeria Kaufhof seine Filiale im Hessen-Center.
  • Das Hessen-Center verliert damit seinen letzten Ankermieter.
  • Galeria Kaufhof erfüllte schon länger nicht mehr die Rolle eines Ankermieters, argumentiert die Leitung des Hessen-Centers.

Frankfurt – Galeria Karstadt Kaufhof schließt bundesweit 56 Kaufhäuser, darunter die Filiale des Galeria Kaufhof im Hessen-Center. Als dies das Unternehmen Mitte Juni bekannt gab, begann man sich im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim Sorgen zu machen. „Wir sollten uns jetzt schon überlegen, was wir machen, wenn das Hessen-Center nur noch eine Ruine ist“, sagte Rainer Lehmann (Linke) auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 16 (Bergen-Enkheim). Auch die Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) teile diese Befürchtung, sagte sie. Sie habe es nur nicht so drastisch ausdrücken wollen.

Während bei der Karstadt-Filiale auf der Frankfurter Zeil die Angestellten um ihre Jobs kämpfen*, ist die Angst in Bergen-Enkheim, dass das ganze Einkaufszentrum verschwinden könnte. Und die Filiale gehört auch nicht zu den sechs Geschäften, deren Schließung erst angekündigt und dann doch zurückgezogen wurde. Das Problem: Galeria Kaufhof gilt als das letzte Ankergeschäft im Hessen-Center. Diese Annahme ist der Ausgangspunkt der Sorge.

Der Gedanke ist der: Im Hessen-Center gibt es verschiedenste Geschäfte vom Kleider- bis zum Dönerladen. Jedes Geschäft zieht Kunden ins Hessen-Center, die dann auch bei anderen Geschäften einkaufen, sich eben noch ein T-Shirt holen, Tabak und ein Fischbrötchen auf die Hand. Da aber wenige Kunden für Tabak und Fischbrötchen extra ins Hessen-Center fahren und auch nicht wegen eines T-Shirts, braucht es sogenannte Ankergeschäfte. Das sind Geschäfte, die so viele Kunden anziehen, dass genug Menschen ins Einkaufszentrum kommen.

Galeria Kaufhof ist letzter Ankermieter des Hessen-Centers im Frankfurter Osten

Mit Galeria Kaufhof soll also das letzte Ankergeschäft im Hessen-Center geschlossen werden. Über drei Etagen zieht sich das Warenhaus. Spielsachen, Haushaltswaren, Kleider. Alles bekommt man dort. Eine Kundin erzählt, dass sie alle zwei Wochen ins Hessen-Center zu Galeria komme. Oft, um Kleidung für ihre Kinder zu kaufen. Wenn nun Galeria schließt, „dann muss ich eben in die Innenstadt fahren*", sagt sie. Genau das ist die Befürchtung: Ohne Galeria bleiben Kunden weg, nach und nach müssen einzelne Geschäfte schließen, das Hessen-Center verliert mehr und mehr an Angebot und Attraktivität, bis das Einkaufszentrum insgesamt schließen muss. Dann stünde im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim eine riesige Ruine mit einem Parkhaus und einer eigenen U-Bahn-Station. Aber ist diese Sorge begründet? Ganz so einfach ist es nicht.

Bei der Frage, ob dem Hessen-Center das Aus droht, kommt Olaf Kindt ins Stocken. „Da fällt mir gar nichts zu ein“, sagt der Chef des Hessen-Centers. Zu abwegig finde er diesen Gedanken. „Wir stehen sehr gut am Markt.“ Eine Edeka-Filiale eröffne Mitte August im Einkaufszentrum. „Edeka hat mehrere Millionen Euro investiert. Das würden sie nicht machen, wenn sie glauben würden, dass das Hessen-Center bald schließt.“ Im Oktober werde zudem das neue Parkhaus fertiggestellt. 35 Millionen Euro hat das Hessen-Center investiert, um das Parkproblem zu lösen. Seine Botschaft: Das Einkaufszentrum entwickle sich in die richtige Richtung. Aber geht das ohne echtes Ankergeschäft?

Das Hessen-Center im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim erweitert sein Parkhaus.

„Natürlich sind Ankergeschäfte noch wichtig“, sagt der Hessen-Center-Chef. Dennoch hält er das befürchtete Szenario für unrealistisch. „Wenn Galeria Kaufhof so gut gelaufen wäre, dann würde man es jetzt nicht schließen.“ Sein Argument: Galeria Kaufhof hat die Rolle eines Ankergeschäftes längst nicht mehr erfüllt.

Frankfurt: Galeria Kaufhof soll seine Funktion als Anker-Mieter längst verloren haben

So sieht das auch Ingmar Behrens, Bevollmächtigter des Vorstandes beim German Council of Shopping Centers, einer Vereinigung, die die Interessen von Einkaufszentren vertritt. Zwar seien Warenhäuser wie Galeria Kaufhof prädestiniert als Ankergeschäfte, wegen ihres feingliedrigen Sortiments. „Alles, was man heute im Einzelhandel kaufen kann, könnte man auch im Internet bestellen“, sagt Behrens. Aber wer schon bestelle eine einzelne Stricknadel im Internet. Die bekomme man aber im Warenhaus. „Die Leute lieben es, für 50 Cent eine einzelne Stricknadel kaufen zu können.“ Aber: In den vergangenen Jahren habe sich das Sortiment in den Warenhäusern dem Angebot angeglichen, das es sonst noch im Einkaufzentren gibt. In der Kleidungsabteilung liegen schließlich die gleichen Marken wie in den anderen Kleidungsläden.

Galeria Kaufhof und andere Warenhäuser stammten zudem aus einer Zeit, in der „Menschen noch fasziniert waren von der Vielfalt der angebotenen Waren“, sagt Behrens. Diese Zeit ist vorbei. Galeria Karstadt Kaufhof habe verpasst, auf die Digitalisierung des Handels zu reagieren. Die Verkäufer hätten nicht mehr Ahnung von den Produkten als ein Kunde, der sich vorher informiert hat. Auch hätte man Verkäufern die Möglichkeit geben müssen, Kunden Rabatte zu gewähren. All das schwäche auch Galeria Kaufhofs Rolle als Ankergeschäft.

Galerias Abteilungen für Spiel- und Haushaltswaren müssen ersetzt werden

Dennoch muss das Hessen-Center in Frankfurt für die frei werdenden Flächen neue Mieter finden. 10.000 Quadratmeter stehen leer, wenn Galeria Kaufhof das Einkaufszentrum verlässt. Wann genau das sein wird, weiß auch Center-Chef Kindt noch nicht. Galeria Kaufhof hat auf Anfragen bisher nicht geantwortet. Die drei Etagen sollen jedenfalls an unterschiedliche Geschäfte vermietet werden, sagt Kindt. Die Abteilungen Spielwaren und Haushaltswaren von Galeria müssten dann kompensiert werden. Aber Mitte August werde schon das Haushaltswaren-Geschäft Kodi eröffnen. Mit anderen Unternehmen stehe das Hessen-Center bereits in Verhandlungen. *giessener-allgemeine.de, fr.de, op-online.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Friedrich reinhardt

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