Als Zumutung empfindet Muray Badan die Pläne. Sie betreibt hier einen Obst- und Gemüseladen.  fotos: rüffer
+
Als Zumutung empfindet Muray Badan die Pläne. Sie betreibt hier einen Obst- und Gemüseladen. fotos: rüffer

Westend: Umgestaltung

Galgenfrist für den Grüneburgweg

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
    schließen

WESTEND Geschäftsleute protestieren. Magistrat soll Pläne öffentlich vorstellen

Den geplanten Umbau des Grüneburgwegs zur fahrradfreundlichen Nebenstraße lehnen die dort ansässigen Einzelhändler und Geschäftsleute ab. Sie befürchten Umsatzeinbußen, weil dadurch 93 Parkplätze wegfallen, der Durchgangsverkehr beschränkt und mittels Diagonalsperren an zentralen Kreuzungen durch Nebenstraßen geleitet werden soll. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Westend, Bockenheim, Kuhwald) gab es aber auch positive Stimmen einer Anwohnerinitiative. Der Ortsbeirat fordert nun vom Magistrat, dass die Pläne zeitnah nach der Kommunalwahl öffentlich vorgestellt und Bürger beim Planungsprozess beteiligt werden sollen, ehe Fakten geschaffen werden. Galgenfrist für den Grüneburgweg.

Stellplätze nicht ersatzlos streichen

Als Zumutung empfindet Muray Badan das Vorhaben. Sie betreibt hier einen Obst- und Gemüseladen. Viele ihrer Kunden kämen mit dem Auto und hätten schon jetzt Probleme, einen Parkplatz zu finden. Der geplante Umbau verschärfe die Situation unnötig. Wolfgang Kletti, der den vor 70 Jahre gegründeten Familienbetrieb Eugen Kletti für Heizung und Sanitär führt, stimmt zu. "Der Grüneburgweg hat sich toll entwickelt", sagt er mit Blick auf die Geschäftswelt. Einzige Kritik: Es fehlten Parkplätze im Viertel - auch für seine Mitarbeiter. Und so finde er keine Monteure. Komme der Umbau wie geplant, überlege er, einen anderen Standort für seinen Betrieb zu suchen.

Neben dem Grüneburgweg soll im Westend auch der Kettenhofweg umgestaltet werden. Es sind zwei von elf Nebenstraßen, die basierend auf dem Radentscheid und einem Stadtverordnetenbeschluss sicherer für Radfahrer werden sollen.

Vorab hatte Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) erklärt, die Umbau-Konzepte der beiden Straßen nicht weiter zu verfolgen, weil zusätzliche Ost-West-Verbindungen angesichts der beschlossenen Neuordnung der Bockenheimer Landstraße - die Radwege werden breiter und leistungsfähiger - unnötig seien. Dass 200 Parkplätze für die fahrradfreundliche Umgestaltung ersatzlos entfallen sollen, halten fast alle Fraktionen in dem Stadtteilparlament für problematisch. Dort lebten viele Menschen, die aufs Auto angewiesen seien.

Das bestätigte eine Westend-Bewohnerin, die von einer autofeindlichen Stimmung in der Stadt sprach. In etwa so beurteilen das auch die Geschäftsleute. "Alles schaut nur noch aufs Rad", sagte einer. Der Soziologe Dr. Florian Schröder hält das für gefährlich, er sieht im schlimmsten Fall sogar die Nahversorgung im Viertel gefährdet und verweist darauf, dass etwa Weinhändler oder der Rewe-Supermarkt auf Parkplätze für Kunden angewiesen seien.

Die Befürchtung hält Jonathan Leuschner für überzogen. Er ist im Quartier aufgewachsen, wohnt im Grüneburgweg und gehört einer Anwohnerinitiative an, die die Umgestaltung des Grüneburgwegs unterstützt. Ursprünglich wollte die Gruppe sich für mehr Sicherheit an der Kreuzung Reuterweg/Grüneburgweg stark- machen, hörte dann aber von den Umbauplänen des Grüneburgwegs. "Das finden wir toll." An der Kreuzung fehlten aber Gehwegnasen und eingefärbte Kreuzungsecken, auch verbotswidriges Linksabbiegen in den Grüneburgweg müsse verhindert werden, sagt er.

Die Befürchtungen der Einzelhändler teilt Leuschner allerdings nicht. Es gebe Studien, die belegten, dass mehr Platz und Sommergärten Fußgänger zum Flanieren und Verweilen einlüden und so der Umsatz angekurbelt werde. Beide Seiten, Anwohner und Geschäftsleute, profitierten also von der Umgestaltung.

Anwohner und Händler profitieren

"Bei aller Liebe zur Verkehrswende, mir erscheint die Maßnahme doch eher destruktiv", erklärte ein Gast der Bürgerfragestunde. Der Grüneburgweg sei eben keine Nebenstraße, sondern eine wichtige Ost-West-Verbindung, die viele Menschen täglich nutzten. Würden diese Verkehrsströme nun durch andere Straßen umgeleitet, sei dies kontraproduktiv. "Und ich glaube, dass das weder dem Einzelhandel noch den Radfahrern etwas bringt", gab er zu bedenken.

Deshalb hatte die SPD-Fraktion im Vorfeld angeregt, über alternative Routen für die fahrradfreundlichen Nebenstraßen nachzudenken. "Vielleicht könnte ein Teil durch den Grüneburgweg, ein Teil durch die Feldbergstraße geführt werden", erklärte Martin Völker. Und er verweist in der Sitzung darauf, dass die Pläne noch nicht in Stein gemeißelt, sondern Diskussionsgrundlage seien. Dass allerdings mehr für die Sicherheit von Radfahrern im Grüneburgweg passieren müsse, darüber herrscht Konsens bei den Fraktionen. Mit Augenmaß und Beteiligung von Anwohnern und Einzelhändlern soll die für alle bestmögliche Lösungen gesucht werden. Ohne den Verlust von Parkplätzen wird das aber nicht gelingen. Das ist die Erkenntnis der Sitzung. Matthias Bittner

Glaubt daran, dass alle profitieren - Anwohner, Radler und Geschäftsleute: Jonathan Leuschner.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare