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Die Sanierung des Innenraums dauert länger. Arne Knudt (rechts) vom Kirchenvorstand und Küster Andreas Sandtner bedauern das.

Weihnachten in Frankfurt

Gallus-Gemeinde feiert Open-Air-Gottesdienst

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Der Traum von Heiligabend in der frisch renovierten Friedenskirche ist ausgeträumt. Die Arbeiten verzögern sich. Dafür feiert die Gemeinde Frieden und Versöhnung nun ihren ersten Open-Air-Gottesdienst.

Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge: Ohne diesen Satz, der die Geburt des Sohn Gottes in einer Krippe erklärt, kommt die Weihnachtsgeschichte nicht aus. Nun ist er Motto des Weihnachtsgottesdienstes mit Krippenspiel vor der Friedenskirche. Die Kirche steht nicht zur Verfügung, weil der Verdacht auf Schadstoffe im Bodenbelag die Innenrenovierung verzögert.

Im Juni hatten die Arbeiten begonnen, um für rund 1,5 Millionen Euro die Haustechnik zu erneuern und den Kirchsaal wieder im ursprünglichen Farbton Altrosa zu streichen. Schon der Plan, den Kirchsaal in der Adventszeit mit einem Gottesdienst einzuweihen, war bald nicht mehr haltbar. Alleine das Aufstellen der Gerüste mit spezieller Konstruktionen hatte zwei Wochen länger als geplant gedauert. „Wir hatten zwar Puffer eingebaut und waren davon ausgegangen, dass Heiligabend alles rechtzeitig fertig wird“, sagt Arne Knudt, Vorsitzender des Kirchenvorstands.

Kürzlich kam dann die Hiobsbotschaft: Im Boden des Kirchsaals wurde schadstoffhaltiger Kleber vermutet, deshalb mussten die Arbeiten bis zur Analyse und Klärung ruhen. „Der Boden wurde erst ganz zum Schluss entfernt, deshalb konnten wir das vorher nicht wissen“, sagt Knudt. Dann kam zum Glück die Entwarnung. „Doch die Sicherheit musste natürlich Vorrang haben, so lange wir nicht wussten, ob es sich vielleicht um Asbest oder einen ähnlichen Stoff handelt“, sagt Knudt. Er wagt nur eine vorsichtige Prognose über das Ende der Bauarbeiten: „Wir hoffen, Ende Januar.“

Dass die Kirche für Heiligabend nicht zur Verfügung steht, war zunächst ein Schock. „Doch dann haben wir uns schnell entschieden, aus der Not eine Tugend zu machen“, sagt Pfarrer Nulf Schade-James. „Mittlerweile bin ich überzeugt, dass das ein ganz besonderer Gottesdienst werden kann.“ Zumal die Evangelische Gemeinde Bockenheim vormacht, dass man so einen Freilichtgottesdienst zur Heiligen Nacht sehr stimmungsvoll für den ganzen Stadtteil feiern kann.

Klar, dass Schade-James seine dortige Kollegin Pia Baumann anrief und sich einige Tipps zur Bestuhlung und zum praktischen Ablauf geben ließ. So wird es dieses Mal nur einen einzigen großen Gottesdienst um 17 Uhr geben, den Schade-James mit Pfarrerin Anne Delpopolo und Vikarin Katharina Eisenreich anstelle der drei sonstigen Gottesdienste um 16 Uhr (Kindergottesdienst), 18 und 23 Uhr gestaltet. „Ich rechne mit 500 Besuchern, lasse aber lieber 800 Liedblätter drucken“, so Schade-James.

Vor der Kirche wird die Gemeinde an Heiligabend gegen 16 Uhr eine Bühne mit Lichtanlage und Lautsprecher aufbauen, die Frankenallee muss dafür in Höhe der Hausnummer 150 gesperrt werden. „Wir gestalten den Gottesdienst als eine Mischung aus Christvesper und Krippenspiel“, sagt Schade-James. Um alle einzubinden, übernehmen zwei Konfirmanden die Hauptrollen Maria und Josef, die Kinder spielen die Engel und Hirten. „Für eine Generalprobe auf der Bühne bleibt allerdings keine Zeit mehr“, räumt Schade-James ein. „Das wird wirklich spannend.“

Die beiden Gottesdienste am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag werden dann jeweils um 10 Uhr im Gemeindesaal in der Unterkirche gefeiert. „Der große Weihnachtsansturm ist dann schon vorbei, die üblichen Mengen für die Gottesdienste kann ja die Unterkirche durchaus aufnehmen“, sagt Knudt. Dafür musste sich die Gemeinde Frieden und Versöhnung auch von ihrem Wunsch verabschieden, als Auftakt zum Lutherjahr in ihrer Kirche einen ökumenischen Neujahrsgottesdienst zu feiern. Dieser Gottesdienst beginnt wie gewohnt um 17 Uhr in der katholischen Kirche Maria Hilf.

„Jedenfalls wird der Gottesdienst auch bei schlechtem Wetter nicht ausfallen, die Leute müssen nur große Regenschirme mitbringen“, verspricht Schade-James. Es werde allerdings nur wenige Sitzplätze für Alte und Kranke geben. Dafür wetterfeste Blecheimer: „Denn darin wird die Kollekte für Brot für die Welt eingesammelt.“

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