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Sophia Hahn versucht mit dem Koffer über die Straßenbahngleise an der Galluswarte zu kommen ? immer begleitet von Kamera und Mikrofon. Fotos. Hamerski

Studenten drehen Film

Galluswarte wird zur Kulisse

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An der Galluswarte laufen gerade die Dreharbeiten für ein Filmprojekt der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Zwischen Umsteigehektik, Natur und Stadtgeschichte drehen die Schauspielschüler eine selbst geschriebene Episoden-Geschichte und gehen dabei der Subjektivität von Wahrheit auf die Spur.

Gelernt haben die Schauspielstudenten aus dem dritten Semester der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMdK) bei ihrem ersten Filmdreh eine ganze Menge. Darunter auch die Tatsache, dass beim Film selten alles nach Plan läuft, auch wenn man sich die Arbeit vor der Kamera einfacher vorgestellt hatte. Und gerade für Aufnahmen an einem belebten Ort wie der Galluswarte zwischen Pendlern, Trinkhallenbesuchern und Straßenbahnen gibt es nicht wenige Störfaktoren.

So müssen Johanna und Sophia, deren erstes Aufeinandertreffen an den Bahnschienen gestern Nachmittag gefilmt werden soll, immer wieder auf den richtigen Moment warten, um zu proben. Wenn eine Straßenbahn einfährt, heißt es schnell von den Gleisen wegzukommen, sobald sie wieder weg ist, geht es weiter. Solange blockiert das kleine Grüppchen um Regisseur Tobias Lenel eine Seite des Bahnsteigs und bekommt nicht selten böse Worte eines der wartenden Passanten ab. Die gute Laune lässt sich hier dennoch niemand verderben.

Der Film, an dessen Drehbuch die acht Schüler aus der Klasse drei Wochen lang gearbeitet haben, erzählt in verschiedenen Episoden die Geschichten der acht Hauptcharaktere: einer Stewardess etwa, den beiden Mitgliedern einer Rockband, einer jungen Frau, die gut gelaunt von einer durchzechten Nacht nach Hause kommt. Sie alle beobachten die gleiche Situation, in der sie unerwartete Vorfälle zusammenführen und erinnern sich an unterschiedlichen Orten in Frankfurt an das Erlebte. Die Wahrheit ist für jeden von ihnen anders. „Das ist es, was in unserem Film im Mittelpunkt steht“, erzählt der 22-jährige Nicolai Gonther, der die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfasst: „Dass Wahrheit einfach immer etwas Individuelles ist.“

Das Projekt, das den jungen Schauspielern erste Filmerfahrungen und -referenzen verschaffen soll, wird in diesem Jahr zum dritten Mal von Regisseur und HfMdK-Dozent Tobias Lenel durchgeführt. „Nachdem die Idee zu dem freien Filmprojekt vor drei Jahren tatsächlich sogar hier in der Umgebung entstanden ist, wo die Hochschule eine Probenbühne betreibt, haben wir uns nach den letzten beiden Drehs am Hauptbahnhof und im Palmengarten diesen Ort ausgesucht“, erklärt der Filmemacher, den dieser Ort schon lange fasziniert: „Eigentlich ist es ja eher ein Unort hier unter der Galluswarte: Hier beherrschen auf einer Seite Autoverkehr und Pendlerhektik den Alltag, auf der anderen Seite der Verkehrsinsel stehen stundenlang Grüppchen vor der Trinkhalle und leeren Bierflaschen. Über allem thront die Galluswarte, die ein Stück Frankfurter Geschichte hierher bringt.“ Genau diese Widersprüche machen den Ort für Lenel spannend.

Auch für seine Schüler ist das Projekt aufgrund eines Gegensatzes etwas Besonderes: „Normalerweise machen wir in der Ausbildung vorrangig Theater“, erklärt die 20-jährige Sophia Hahn, die die Stewardess spielt. „Zuletzt hatten wir uns für die Zwischenprüfung mit griechischen Dramen befasst. Da sind große Gesten und lautes Sprechen gefragt. Beim Film ist alles viel kleiner und näher am Zuschauer.“ Für sie und die anderen Studenten ist das eine Umstellung, an die sie sich erstmal etwas gewöhnen müssen.

Finanziert wurde das Projekt über das Programm „Kulturmut“ der Aventis-Stiftung und die Crowdfunding-Plattform „Startnext“, bei der Internetnutzer zum Spenden aufgerufen werden. Zusammengekommen sind laut Spendenstand auf der Internetseite 12 670 Euro, 170 mehr als das Team für ein erfolgreiches Projekt erreichen musste. Finanziert werden damit die Technik sowie freiberufliche Tonmeister, Kameraleute und Schnitt-Spezialisten, die für Lenel im Einsatz sind.

Die Uraufführung des Resultats, das zwischen 30 und 50 Minuten lang werden soll, ist für den kommenden Sommer im Palmengarten geplant. „Wenn die Studenten ihr viertes Semester abgeschlossen haben, soll der Film präsentiert und dann auch online gestellt werden“, erklärt Regieassistent Martin Brüggemann. Wer schon vorher mehr über das Projekt sehen will, bekommt in einem Youtube-Trailer schon erste Einblicke.

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