Eine Visualisierung des Neubaugebietes aus der Vogelperspektive.
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Im Neubaugebiet am Westrand entstehen Häuser für 84 Familien. Eine Kita sei hier auch geplant, hatte der Bauherr versprochen. Nun will die Stadt doch nicht bauen.

Das Jahr im Ortsbeirat 13

Frankfurt Nieder-Erlenbach: Mehr Kinder, aber nicht mehr Kitas?

  • VonSabine Schramek
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In Frankfurt Nieder-Erlenbach werden Neubauten vonseiten der Stadt nicht überstürzt: Nach 50 Jahren kommt nun eine neue Sporthalle. Wann wird die benötigte Kita kommen?

Frankfurt – In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Der Ortsbeirat 15 des Stadtteils Nieder-Eschbach wurde bereits beleuchtet, heute geht es um den Ortsbeirat 13 vom benachbarten Stadtteil Nieder-Erlenbach:

Bachplätschern, jede Menge Grün und ein wunderhübscher historischer Ortskern. Der nördlichste Frankfurter Stadtteil ist Idylle pur. Vor allem für Familien. Wer hier lebt, lebt gerne hier. Man kennt sich in dem ländlichen Ort, in dem knapp 5000 Menschen leben. Harmonie ist den Nieder-Erlenbachern wichtig und die spiegelt sich auch im Ortsbeirat 13 wider. Meist ist man sich einig. Besonders dann, wenn es um das Wohl von Kindern geht. Wie ein Löwe kämpft vor allem die Kinderbeauftragte und CDU-Fraktionsvorsitzende Ingrid Reitzammer um Kita- und Spielplätze. Was alle bewegt: Was bringen zwei Neubaugebiete, wenn es keine zusätzlichen Kitaplätze und nur marode Spielplätze gibt?

Frankfurt: Nieder-Erlenbach 500.000 Euro für einen Spielplatz

Wenn Reitzammer sich den Spielplatz „An den Bergen“ ansieht, platzt ihr fast der Kragen. 2019 ist das große Klettergerüst abgesperrt worden, 2020 sollte der Spielplatz in das Neubauprogramm aufgenommen werden. Doch die Stadt zuckt mit den Schultern, erzählt, dass eine neue Anlage 500.000 Euro kosten würde und agiert kaum. Nur auf der großen Wiese am Spielplatz, die statt Bolzwiese vom Amt kurzerhand zur Blumenwiese erklärt wurde, dürfen die Kleinen wieder kicken. Auch dafür musste der Ortsbeirat kämpfen. „Wenn die Schaukeln, Rutschen und Klettergerüste fehlen, kann man den Kindern doch nicht auch noch den Bolzplatz wegnehmen“, hieß es.

Bei den beiden anderen Spielplätzen sieht es kaum anders aus. Manche Geräte sind notdürftig geflickt, andere fehlen mangels Geld gänzlich. Bürger:innen engagieren sich und überlegen, selbst zu investieren. Das Ortsbeiratsbudget reicht längst nicht aus, mit etwa 2500 Euro pro Jahr. An die Kosten in Höhe von einer halben Million Euro will niemand im Ortsbeirat 13 so recht glauben. „Wir kämpfen weiter. Unsere Kinder brauchen Platz zu Klettern, Toben und Spielen und die Stadt ist verpflichtet, dafür zu sorgen“, sagt Ortsvorsteher Yannik Schwander (CDU).

Neubaugebiet in Frankfurt Nieder-Erlenbach: 80 neue Kinder, aber keine neue Kita

Damit nicht genug. Für das Neubaugebiet Westrand war eine Kita zugesagt worden, ein Baugebiet dafür vorhanden. So hieß es noch 2017 und 2018. Familien ziehen ein, eine Kita dort gibt es nicht. Stattdessen soll für das Neubaugebiet Am Riedsteg eine Kita entstehen. Wann, ist unklar. „Es ziehen jetzt 80 Kinder ins Neubaugebiet am Westrand. 20 von ihnen brauchen am 1. Mai einen Platz und wir haben keine“, so Reitzammer. Ein interfraktioneller Antrag wurde einstimmig beschlossen und der Magistrat gebeten, das Stadtschulamt aufzufordern, den Plan eines vierzügigen Neubaus im Neubaugebiet vorzuziehen.

„Vor dem Kauf ihrer Immobilien wurde den Leuten eine Kita versprochen. Das Stadtschulamt allerdings bezeichnet die Kita Mühleninsel, die ebenfalls vorgezogen wurde und seit 2013 voll belegt ist, als Neubau“, weiß der Ortsbeirat. Ein Engpass bei Betreuungsplätzen im nächsten Jahr sei unausweichlich. Geplant sei eine Einrichtung „Südlich am Riedsteg“ ohnehin, sodass ein schneller Bau auf dem freien 2000 Quadratmeter großen Grundstück im Baugebiet Westrand nach Ansicht des Ortsbeirates kein Problem sein dürfte. Die Fraktionen lassen nicht locker und stellen Antrag um Antrag, um die Stadt endlich in Bewegung zu setzen.

Neubauten in Frankfurt Nieder-Erlenbach: Nach 50 Jahren endlich neue Sporthalle

Dass der Ortsbeirat in Nieder-Erlenbach meist einig ist und sich von seinen Zielen nicht abbringen lässt, zeigt auch der Kampf um eine Sporthalle, der bald 50 Jahre lang dauert. Sie soll nun tatsächlich im Baugebiet südlich am Riedsteg entstehen. Das Gleiche gilt für den Radweg zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach. Der Kampf hat 30 Jahre gedauert. Jetzt soll der Bau beginnen. Auch um die Alte Trauerhalle auf dem alten Friedhof ringen die Fraktionen. Die Stadt würde das historische Gebäude aus finanziellen Gründen am liebsten abreißen.

An Vorschlägen und Biss mangelt es den Ortsbeiratsmitgliedern nicht. 2021 haben sie 135 Vorlagen im großen Saal des Bürgerhauses behandelt, der jetzt von der Saalbau umbenannt wurde in „Arilbachsaal“. So hieß Nieder-Erlenbach im Jahr 779 in der ältesten erhaltenen Erwähnung. Der Einsatz des Ortsbeirats für seine Bürger:innen bleibt stark und kreativ. Er hat es geschafft, dass es Rufbusse im Ort gibt. Vorher hatte Schwander bereits in der Pandemie unbürokratisch einen Fahrdienst für Schüler organisiert.

Jetzt geht es um die Lärmschutzwände. Pflanzen sollen her und ein einheitliches Erscheinungsbild. Die Ortsbeiratsmitglieder sind sich auch im Erscheinungsbild des lebenswerten Stadtteils einig. Tenor: Nieder-Erlenbach war schön, ist schön und das soll es auch bleiben. (Sabine Schramek)

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