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Serie: Die häufigsten Krebserkrankungen

Gebärmutterhalskrebs - Das Böse im Unterleib der Frau

Gebärmutterhalskrebs ist der Krebs, den wir bislang am besten verstanden haben“, sagt Prof. Michael Eichbaum, Chefarzt der Frauenklinik des Marienkrankenhauses.

Gebärmutterhalskrebs ist der Krebs, den wir bislang am besten verstanden haben“, sagt Prof. Michael Eichbaum, Chefarzt der Frauenklinik des Marienkrankenhauses. „Die Ursache dafür liegt in fast 100 Prozent der Fälle in der Papillomavirusinfektion, die bei Sexualkontakten übertragen wird.“ Im Schnitt liegt die Ansteckung damit bereits 15 Jahre zurück, ehe der Krebs ausbricht. Häufig bemerken die Frauen nicht einmal die Infektion, da sie nahezu symptomfrei verlaufen kann. Nach Zahlen des Zentrums für Krebsregisterdaten des Robert Koch Instituts in Berlin erkrankten 2010 rund 4700 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Dabei wird unterschieden in Krebsfrüh- und -vorstufen – rund zwei Drittel der Fälle –, die lokal begrenzt sind und damit bessere Aussichten auf Heilung haben als der bereits in tiefere Gewebsschichten vorgedrungene Tumor. In einem frühen Stadium kann der Krebs in der Regel operativ organ-erhaltend durch einen kegelförmigen Einschnitt am Gebärmutterhals entfernt werden. Davon betroffen sind mehrheitlich jüngere Frauen.

In einem fortgeschrittenen Stadium muss dagegen die Gebärmutter entfernt werden, was in zunehmender Zahl und abhängig von den Fähigkeiten des Operateurs laparoskopisch, das heißt ohne großen Bauchschnitt, erfolgen kann. Je nach Fall folgen Bestrahlung und/oder Chemotherapie.

Die Fallzahlen sind seit Einführung der Früherkennungsuntersuchung in Deutschland Anfang der 70er Jahre rückläufig. Einmal jährlich können alle Frauen ab 20 Jahren von ihrem Gynäkologen einen Zellabstrich am Gebärmutterhals durchführen lassen. Dabei können bereits Krebsvorstufen entdeckt werden, so dass bei entsprechender Behandlung Krebs verhindert werden kann. Weltweit jedoch ist Gebärmutterhalskrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Vor allem in den Entwicklungsländern erkranken und sterben viele Frauen daran, da es keine routinemäßige Vorsorge gibt. Das ist auch in Frankfurt zu spüren, denn Frauen aus Afrika und Osteuropa leben hier und unterziehen sich in den hiesigen Kliniken den nötigen Behandlungen.

In den Industriestaaten ist man über die Früherkennung hinaus schon einen Schritt weiter: 2007 wurde für junge Mädchen eine Impfung eingeführt, die Krebsvorstufen verhindern hilft. Zwei Jahre später geriet sie allerdings stark in die öffentliche Kritik, weil zwei Todesfälle mit der Impfung in Verbindung gebracht wurden. Doch gerade erst hat die ständige Impfkommission vorbehaltlos die Impfung empfohlen für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. Erfolgt die Impfung später, sind drei Dosen nötig, während im empfohlenen Alter zwei Impfungen ausreichen, um einen rund zehn Jahre anhaltenden Schutz zu gewährleisten.

Da gerade in Hessen die Quote der Impfungen niedrig ist, hat die Hessische Krebsgesellschaft im Raum Bergstraße ein richtungsweisendes Modellprojekt gestartet: An neun Grundschulen werden Kinder und Eltern über die Impfung aufgeklärt, die dann von geschulten Ärzten vorgenommen wird.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise Australien besteht in Deutschland Nachholbedarf. Down Under erhalten auch die Jungs eine Impfung – schließlich wird die Infektion beim Geschlechtsverkehr von Männern auf die Frauen übertragen. Wichtig ist die frühzeitige Impfung der Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr, denn, so zeigen Forschungsergebnisse, im Zeitraum der ersten Periode im Alter von 13, 14 Jahren kann sich das Virus sehr leicht einnisten. Die Impfung ersetzt aber nicht die spätere, jährlich zu wiederholende Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt.

Selbst diese gibt Patientinnen keine hundertprozentige Sicherheit. Es kann vorkommen, dass der Gynäkologe veränderte Zellen beim Abstrich nicht erwischt. Wenn der behandelnde Frauenarzt einen Verdacht auf einen Tumor oder eine Vorstufe davon bei seiner Patientin hat, ist es für die Frau ratsam, eine qualifizierte Dysplasiesprechstunde eines onkologischen Zentrums aufzusuchen. In Frankfurt sind sowohl das Universitätsklinikum als auch das städtische Krankenhaus in Höchst zertifizierte gynäkologische Krebszentren. Dysplasie ist der Fachbegriff für Veränderungen am Gewebe des Gebärmutterhalses. In der Regel bieten die großen gynäkologischen Kliniken in Frankfurt eine solche Sprechstunde an. Hier wird die Patientin umfassend informiert, denn nicht jeder auffällige Befund bedeutet Krebs. Es gibt sogar Zellveränderungen, die sich von selbst wieder zurückbilden. Welche Art der Dysplasie bei der Patientin vorliegt, kann nur der Experte beurteilen und eine entsprechende Behandlung einleiten. Über die verschiedenen Therapien sollten sich Frauen in Ruhe informieren. Nicht jede Klinik ist in der Lage, alle Möglichkeiten anzubieten.

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