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?Limp Bizkit? in der Jahrhunderthalle.

„Limp Bizkit“ in Frankfurt

Gebrüllt, gerappt und gesungen bis zur Ekstase

Hüpfen, springen, johlen, ausrasten: Frontmann Fred Durst und seine Nu-Metal-Pioniere „Limp Bizkit“ lassen in der Jahrhunderthalle mächtig den Bär steppen.

Nach verschwitzter Schulturnhalle riecht die aufgeheizte Luft. Rasch entledigen sich nicht wenige Besucher im mehrheitlich männlichen Auditorium ihrer längst am Körper klebenden T-Shirts. Zeit, sich zusammenzurotten, um ein weiteres Mal in den Nahkampf über zu gehen.

In seiner strikten Funktion zwischen Animateur und Dompteur überzieht Frontmann Fred Durst seine Gefolgschaft mit einem Mordspensum an permanenten Aufgabenstellungen: Abruptes Aufstehen, hektisches Hüpfen, angestrengtes Springen, hyperventilierender Ringelreihentanz, lautes Johlen, gekrönt von komplettem Ausrasten, nur um dann wieder in die Hocke zu gehen und von vorne zu beginnen.

Volle Getränkebecher sausen während dieser Prozedur en masse durch die Lüfte, entledigen sich im Flug ihres Inhalts über den Köpfen des Publikums. Keiner schert sich darum, vom Flugbier eingesaut zu werden. Wer sich für ein Ticket der Nu-Metal-Pioniere „Limp Bizkit“ entscheidet, weiß, dass er nicht zimperlich sein darf. Im Gegenteil. Man wäre wohl geradezu enttäuscht ohne ein hohes Maß an rauschhafter Ekstase und Exzess.

„Limp Bizkit“, 1994 in Jacksonville, Florida, gegründet, machen es nach wie vor möglich. Pure Faszination strahlt das mit Sologitarrist Wes Borland, Schlagzeuger John Otto, DJ Lethal sowie Berliner Ersatz-Bassist Samuel G. Mpungu, eingesprungen für den erkrankten Sam Rivers, komplettierte Quintett vom ersten bis zum letzten Ton aus. Magie verbreiten „Limp Bizkit“ nicht, weil sämtliche Beteiligte so tolle Virtuosen wären. Es ist das Archaische, das Wüste, das Rudimentäre und das Harsche, was Suchtpotenzial verursacht. Prinzipiell wäre die Truppe, die zeitlebens zerstritten schien, von der sich nahezu sämtliche Mitglieder nicht nur einmal getrennt hatten, nur um reumütig in den Bandschoß zurückzukehren, und die von 2006 an gar eine dreijährige Zäsur einlegte, eigentlich längst ad acta gelegt. Dass es „Limp Bizkit“ noch immer gibt, können sich die Mitglieder selbst nicht so recht erklären.

Seit 2011 laboriert die Band an einem Studioalbum namens „Stampede Of The Disco Elephants“, das ursprünglich 2012 hätte erscheinen sollen und dessen Veröffentlichungstermin seither immer wieder verschoben wurde. Ungerührt der Kreativflaute, lassen es die vom göttlich maskierten Wes Borland angeführten „Limp Bizkit“ mit Bewährtem krachen: Meisterlich hypnotisch zelebriert sich das von Fred Durst halb gerappte, halb gesungene, halb gebrüllte Song-Triumvirat zum Auftakt: Der Opener „Show Me What You Got“ stammt ebenso wie „Hot Dog“ und „Rollin’ (Air Raid Vehicle)“ aus jener Phase, als die Formation mit den Alben „Three Dollar Bill, Y’all“ (’97), „Significant Other“ (’99) und „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“ (’00) nicht nur im Heimatland Multiplatin kassierte.

Gut gelaunt gibt der in geblümte überweite Schlafanzughosen, XXL-Shirt, tief in die Visage gezogenem Anglerhut und roten Handschuhen gehüllte Fred Durst den enigmatischen Entertainer. Preist unentwegt das Publikum („You’re fucking amazing, Frankfurt!“), tänzelt unnachahmlich im Rampenlicht, hüpft bei „My Generation“ minutenlang ins Publikum und gibt sich so charmant, dass ihm sämtliche Übellaunigkeitsanfälle der Vergangenheit vergeben werden.

Gleich zweimal dürfen Jungs aus dem Publikum ran: Der eine kann kompetent „Livin’ It Up“ mitrappen, der andere greift beherzt bei „My Way“ zur E-Gitarre, während Wes Borland mehr schlecht als recht den Solosänger mimt.

Nach den Krachern „Nookie“ und „Boiler“ gerät das Repertoire ins Coverversionen-Fahrwasser.

„Nirvanas“ „Smells Like Teen Spirit“ und „Rage Against The Machines“ „Killing In The Name“ gelingen superb. Als Schlusslicht fungiert „Take A Look Around“ von dem Soundtrack „Mission: Impossible 2“. Kaum endet der letzte Ton, ertönt überlaut „Don’t You (Forget About Me)“ von den „Simple Minds“ aus der Konserve. Erst wenige Sekunden später realisiert das aufgeputschte Publikum: Eine oder gare mehrere Zugaben wird es nicht geben.

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