Historische Ansicht der Günthersburgallee in Frankfurt
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Die Günthersburgallee in Frankfurt: Einen Springbrunnen gab es einst im oberen Teil. Den wünschen sich Anwohner zurück (Ansicht: Institut für Stadtgeschichte).

Stadtentwicklung

Protest in Frankfurt: Anwohner erzürnt über Umbau-Pläne für Günthersburgallee

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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In Frankfurt protestieren Anwohner gegen den geplanten Umbau der Günthersburgallee. Sie wollen Sportgeräte und Urban Gardening verhindern.

Frankfurt – Tischtennisplatte, Fitnessgeräte, Schachbretter und Beete für Urban Gardening auf dem begrünten Mittelstreifen der denkmalgeschützten Günthersburgallee in Frankfurt – von all dem hält Hartmut Schroth überhaupt nichts. „Damit würde eine Nutzungsänderung einhergehen und den Charakter des Kulturdenkmals nachhaltig verändern“, sagt er stellvertretend für seine Mitstreiter der Aktionsgemeinschaft Obere Günthersburgallee.

Entsprechende Pläne des zuständigen Ortsbeirates 3 (Nordend) und des Grünflächenamtes für die Günthersburgallee lehnen die Anwohner ab und fordern, diese in Absprache mit dem städtischen und hessischen Denkmalamt zu überarbeiten. Sie möchten auch ein Mitspracherecht bei den anstehenden Sanierungsmaßnahmen. Bislang seien die Anwohner nicht informiert und nicht befragt worden. Aber: „Die historische Anlage muss behutsam und nahe am Originalzustand saniert werden“, bittet Schroth dringend um Gehör.

Günthersburgallee in Frankfurt: Anwohner erfahren durch Zeitungsbericht von Plänen

Aus einem Bericht dieser Zeitung am 09.11.2021 habe er von dem Vorhaben erfahren, sagt der Anwohner-Vertreter. „Da hatte ich ein Déjà-vu“, sagt er. 2014 habe es schon einmal Bestrebungen für eine zeitweilige Zweckentfremdung der Günthersburgallee gegeben. Damals sollten für die Zeit der Sanierung der Merianschule Container mehrstöckig übereinander in der Straße aufgestellt werden. Daraufhin hatte sich die Aktionsgemeinschaft Günthersburgallee mit rund 70 Mitgliedern gegründet. Das Vorhaben konnte gestoppt werden, die Container für die Merianschule wurden auf dem ehemaligen Betriebshof des Grünflächenamtes am Rande des Günthersburgparks aufgestellt. „Das war eine gute Lösung“, meint Schroth rückblickend.

Sportgeräte und Hochbeete könnten nach Ansicht der Aktionsgemeinschaft beispielsweise im geplanten nördlichen Erweiterungsteil des Günthersburgparks aufgestellt werden. Dieses Areal befinde sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur oberen Günthersburgallee und sei zu Fuß in fünf Minuten zu erreichen.

Dass die ramponierten Wege saniert, Krähen-sichere Mülleimer aufgestellt und die Blumenwiese neu eingesät werden soll, begrüßen die Anwohner. Und sie haben auch noch einen Vorschlag: Sie wünschen sich den Springbrunnen zurück, der einst in der Anlage sprudelte. „Geld dafür könnte über eine Spendenaktion gesammelt werden“, meint Claudia Prinz von der Aktionsgemeinschaft. Sie ist sicher, dass Anwohner dafür Geld geben würden.

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Umbaupläne für die Günthersburgallee: Laut Ortsvorsteherin ist noch nichts beschlossen

Schroth hat die Kritik der Aktionsgemeinschaft an Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne), die Mitglieder des Ortsbeirates und an die Denkmalbehörden geschickt. Laut Guder (Grüne) ist aber ohnehin noch nichts beschlossen. Das Denkmalamt der Stadt prüfe noch, ob die Fitnessgeräte in der Günthersburgallee aufgestellt werden können. Eine abschließende Beurteilung sei noch nicht getroffen worden. Diese Auskunft habe Andrea Kroll (Grüne) auf Nachfrage im Grünflächenamt erhalten. Die Einwendungen der Aktionsgemeinschaft würden aber ernst genommen, verspricht Guder. Deren Mitglieder haben sich schon für die Januar-Sitzung des Ortsbeirates angekündigt und wollen ihre Kritik dann persönlich vortragen.

Dass im oberen Teil der Günthersburgallee, auf dem Abschnitt zwischen Alleenring und Hartmann-Ibach-Straße, die Grünanlage nun gereinigt und Vorarbeiten für die geplante Sanierung der Wege laufen, geht übrigens auf eine Initiative der CDU-Fraktionsvorsitzenden Claudia Ehrhardt zurück. Sie hatte vor zwei Jahren kritisiert, dass der einstige Prachtboulevard einen immer ungepflegteren Eindruck mache und auch Trampelpfade die Grünanlage verschandelten. Mitte Mai 2021 hatten Vertreter des Grünflächenamtes und Mitglieder des Stadtteilparlamentes bei einem Ortstermin besprochen, welche Maßnahmen schnell einen deutlich sichtbaren Erfolg bringen könnten. Das Ergebnis ist bekannt.

Frankfurt: Im 19. Jahrhundert war Günthersburgallee ein Prachtboulevard

Stadtplaner haben die Günthersburgallee in den 1860er-Jahren als wilhelminischen Prachtboulevard angelegt. Damals rückten Nordend und Bornheim näher aneinander heran. Und plötzlich taucht der obere Teil nördlich des Alleenrings in den historischen Stadtplänen im Institut für Stadtgeschichte auf. Auf alten Ansichten ist noch der angesprochene Springbrunnen zu sehen. Dass er zurückkehrt, ist aber eher unwahrscheinlich – die Stadt verzichtete zuletzt auf neue Brunnen, weil sie im Unterhalt teuer sind. (Matthias Bittner)

Zuletzt gab es Protest gegen den Autobahn-Ausbau in Frankfurt. Anwohner wollen verhindern, dass in Fechenheim Wald gerodet wird.

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