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Gedränge um die Altstadt-Läden

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Zwischen ?Steinernem Haus? (links) und ?Großem Engel (rechts) ist der Neubau des Hauses ?Zu den drei Römern? schon gut zu erkennen. Rechts davon verläuft der Krönungsweg zum Dom.
Zwischen ?Steinernem Haus? (links) und ?Großem Engel (rechts) ist der Neubau des Hauses ?Zu den drei Römern? schon gut zu erkennen. Rechts davon verläuft der Krönungsweg zum Dom. © Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Die Befürchtung, dass es nicht genügend Interessenten für die relativ kleinen Läden in der Altstadt geben wird, war unbegründet. 135 Anfragen sind für die rund 30 Gewerbeflächen eingegangen. Auch für den Veranstaltungssaal im Stadthaus am Dom gibt es Nachfrage – trotz einer Miete von 3500 Euro pro Tag.

Nein, ganz wie früher sieht es nicht aus. Aber wenn man vom Römerberg in Richtung Dom geht, stößt man auf ein Gebäude an genau der Stelle, in der bis zur Zerstörung 1944 das Haus „Zu den drei Römern“ stand. Seit kurzem ist das Gerüst entfernt, so dass man einen Eindruck von der Fassade bekommt. Es handelt sich zwar um einen zeitgenössischen Entwurf, aber viele Details wie angedeutete Fensterbögen oder vorspringende Stockwerke erinnern an die typische Altstadt-Architektur.

Im Erdgeschoss soll ein Café einziehen – eines von insgesamt fünf auf dem Areal in der Größe eines Fußballfeldes. Die Nachfrage potenzieller Betreiber ist groß. 55 haben sich beim Maklerunternehmen BNP Paribas Real Estate gemeldet, das die städtische Dom-Römer GmbH berät. Elf Gastronomen würden gerne eine größere Gaststätte eröffnen, was aber nur in einem Gebäude am Hühnermarkt möglich ist. Aber auch für die rund 25 zum Teil relativ kleinen Flächen für Einzelhandel gibt es rege Nachfrage, 69 Bewerbungen gingen ein. „Ich war anfangs relativ skeptisch, ob wir die Flächen vollkriegen“, sagte Andreas Völker, der Geschäftsführer des Maklerunternehmens, am Montagabend im Dom-Römer-Ausschuss des Stadtparlaments. „Denn der Einzelhandel ist im Umbruch und nicht unbedingt auf Expansion aus.“

Seit einigen Wochen aber sei klar: „Wir können alle Flächen belegen.“ Erfreulich sei, dass die stärkste Nachfrage aus den Branchen Kunst und Lebensmittel-Handwerk komme. Aber auch Brillen, Uhren, Einrichtungsbedarf, Schreibwaren, Schuhe und Souveniers werde es voraussichtlich in der Altstadt geben. Die Berater prüfen jetzt alle Konzepte und unterbreiten der Dom-Römer GmbH dann einen Auswahlvorschlag.

3500 Euro pro Tag

Vermietet wird vom 1. Februar an auch das lange leerstehende Stadthaus über dem Archäologischen Garten. Betrieben wird es, wie berichtet, von der Firma Lectron, einer Tochter des gemeinnützigen Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten, die bereits Anfragen bis ins nächste Jahr verzeichnet. „Wir werden schwerbehinderte Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren“, sagte Geschäftsführer Peter Hovermann. Dieses Konzept wurde im Ausschuss gelobt.

Kritik gab es hingegen an den Mieten. Wie berichtet, wird es 3500 Euro kosten, das Stadthaus mit seinem 199 Plätze fassenden Saal einen Tag lang komplett zu nutzen. An maximal 50 Tagen pro Jahr gibt es das Gebäude vergünstigt für 1500 Euro – für Vereine oder städtische Veranstaltungen.

Mehrere Stadtverordnete empfinden diese Beträge als viel zu hoch. „Das Stadthaus sollte nicht nur für schicke Events da sein“, sagte Eugen Emmerling (SPD). „Auch die Frankfurter Bürger sollten sich dort wiederfinden.“ Doch das werde nicht gelingen, vermutet Sebastian Popp (Grüne). „Mit diesem Konzept wird es kein Haus für alle Frankfurter.“ Sein Fraktionskollege Ulli Baier fürchtet sogar, dass der Veranstaltungssaal angesichts der Preise oft leerstehen wird. Er wies aber auch darauf hin, dass die Baukosten von insgesamt 25 Millionen Euro nicht in die Mieten einfließen. „Sonst wären sie noch höher.“

FDP gegen Museum

Bernhard Ochs (Die Frankfurter) sagte, er habe überhaupt kein Verständnis für die Preise. „Die Intention war ursprünglich eine andere.“ Die Stadtverordneten seien „angeschmiert“ worden, als sie vor Jahren von der Wichtigkeit des Stadthauses überzeugt werden sollten. Elke Tafel-Stein (FDP) kritisierte, dass in dem Gebäude auch noch ein ökumenisches Museum untergebracht werden soll. „Das kostet nur Geld und bringt keine Einnahmen.“

Baudezernent Jan Schneider (CDU) betonte, dass es sich um eine ganz besondere Immobilie handle. „Da muss man sich überlegen, wer da reinkommt.“ Am Ende verständigte man sich darauf, das Konzept ein Jahr lang zu testen. Dann soll neu überlegt werden.

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