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Blumen und Grablichter haben Trauernde am Bahnübergang abgelegt, wo noch immer eine abgerissene Schranke, ein Andreaskreuz samt Warnschild und ein demoliertes Geländer am Boden liegen. Die getötete 16-Jährige wohnte nur 500 Meter von der Unfallstelle entfernt. Foto: Maik Reuß

Zugunglück

Gefährliche Schranke in Nied: Druck auf Deutsche Bahn wächst

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Wut und Frust bei den Bürgern steigen nach dem tödlichen Unglück am Bahnübergang. Frankfurter Politiker fordern Geld und Eile für die Unterführung. Die Deutsche Bahn aber hält sich bedeckt.

Frankfurt -Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Martin Daum, hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) aufgefordert, dem Verkehrsausschuss der Stadtverordnetenversammlung am 26. Mai einen gründlichen Sachstandsbericht zur geplanten Bahnunterführung an der Oeserstraße in Nied zu geben. "Der tödliche Unfall am vergangenen Donnerstag hat auf schreckliche Weise nochmals verdeutlich, wie gefährlich dieser Bahnübergang für Verkehrsteilnehmer ist", argumentiert Daum, "Wut und Frust an diesem Kreuzungspunkt steigen. Die Bürgerinnen und Bürger verstehen nicht, warum die Planungen im Schneckentempo laufen." Diese "unendliche Geschichte" müsse "jetzt auf städtischer Seite mit ständiger Priorität behandelt werden". Es handele sich nicht um einen untergeordneten Überweg, den "gelegentlich ein gemütlicher Schienenbus passiert. Mit rund 200 Zügen am Tag ist es der am stärksten befahrene Übergang der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main."

Oesterling solle auch Möglichkeiten darstellen, wie die Vorlage der Entwurfsplanung und die anschließende Genehmigungsphase von angeblich drei Jahren bis zum Baubeginn beschleunigt werden können. "Aus diesem Grund würden wir es sehr begrüßen, wenn auch ein Vertreter der Bahn an der Sitzung des Verkehrsausschusses teilnehmen würde", sagt Daum. Die CDU-Fraktion wolle wissen, warum die DB-Planungen zur Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs so lange dauern, nachdem die grundsätzliche Entscheidung aufseiten der Stadt schon 2005 gefallen ist, die anteilige Finanzierung sicherzustellen. Die Stadt hat gemäß Eisenbahnkreuzungsgesetz ein Drittel der Kosten der Unterführung zu tragen.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) fordert, "die Planung schnellstmöglich voranzutreiben und vor allem ausreichend Geld bereitzustellen". Für Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) ist die Bahnschranke "ein Symbol, wie wir uns mit überbordenden Regeln selbst im Weg stehen und uns Schachmatt setzen".

Hauke Hummel, der Vorsitzende des Nieder Vereinsrings, ist derzeit damit beschäftigt, die Trauer und Wut im Stadtteil in geordnete Bahnen zu lenken. Deswegen wurde eine Mahnwache heute Abend, zu der spontan über Facebook aufgerufen worden war, abgesagt. Zum einen könne man wegen der Pandemie keine Veranstaltung mit vielen Menschen planen, zum anderen sei es gefährlich, wenn sich Hundert oder mehr Menschen auf der Kreuzung versammelten. Der Vereinsring werde heute Blumen niederlegen; die Nieder bittet Hummel darum, zu Hause zu trauern. "Das Unglück hat uns tief erschüttert."

Es stehe außer Frage, dass dieses Unglück Konsequenzen haben müsse, sagt Hummel; lange seien die Nieder ungehört geblieben oder von Jahr zu Jahr vertröstet worden: "Die Verantwortlichen schieben sich gegenseitig die Schuld zu." Die Wut darüber eine den Stadtteil, der vom Bahnübergang räumlich gespalten werde. Vorstöße einzelner Politiker oder Parteien seien jedoch derzeit kein geeignetes Mittel: "Im Blick auf das tragische Ereignis sollte Parteipolitik in diesen Stunden außen vor bleiben und die Trauer nicht vergessen werden." Eine Petition kann unter der Adresse www.vereinsring- nied.de/petition-beseitigung-der-bahnschranke-in-nied-oeserstr/ unterschrieben werden. Auch der Stadtteilbeirat "Sozialer Zusammenhalt" Nied und das Quartiersmanagement unterstützen die Forderungen.

Aus bundespolizeilicher Sicht gebe es keine neuen Erkenntnisse, sagt Ralf Ströher, Sprecher der Direktion in Frankfurt. Die Strecke ist polizeilich wieder freigegeben, bleibt aber wegen Instandsetzungsarbeiten voraussichtlich bis zum Sonntag gesperrt. Die Landespolizei hat eine Sonderermittlungsgruppe eingesetzt. Unter anderem gibt es das Gerücht, die Schranken seien am Abend des Unglücks erst lange geschlossen gewesen und dann auf mehrfaches Hupen hin geöffnet worden; andere erzählen davon, es habe seit Wochen Störungen gegeben.

Die Deutsche Bahn hat sich gestern auf schriftlicher Nachfrage dieser Zeitung nicht zum Vorfall geäußert.

Am Bahnübergang hatte ein Zug eine Fußgängerin (16) getötet; ein Radfahrer (52) und eine Autofahrerin (50) sind schwer verletzt. Der Zug der Hessischen Landesbahn (HLB) war auf der Fahrt in Richtung Innenstadt, als er in den Bereich des Bahnüberganges einfuhr, dessen Schranken geöffnet waren. 

Holger Vonhof

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