Der Vogel Woodstock auf Skiern: Günter Tatara, Vorsitzender der Turnerschaft Jahnvolk, mag wie die Graffitikünstler die Halle an der Kirschwaldstrasse gestaltet haben. Er hofft, dass es das Ende der wilden Schmierereien ist. FOTO: Holger menzel
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Der Vogel Woodstock auf Skiern: Günter Tatara, Vorsitzender der Turnerschaft Jahnvolk, mag wie die Graffitikünstler die Halle an der Kirschwaldstrasse gestaltet haben. Er hofft, dass es das Ende der wilden Schmierereien ist.

Frankfurt sprüht vor Ideen

Gegen Graffiti hilft nur Graffiti

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Mit einem Grill und ein paar Sprayern löst die Turnerschaft Jahnvolk in Eckenheim ein altes Problem

Lange hat es gedauert, bis die Idee von Günter Tatara Wirklichkeit geworden ist. Jetzt kann er das Ergebnis an der Halle der Turnerschaft Jahnvolk betrachten, deren Vorsitzender er ist, und an der Reaktion der Fußgänger und Radfahrer, die auf dem Weg zwischen Eckenheim und dem Sinai-Park an der Turnhalle vorbeikommen.

Auf schwarzem Untergrund boxt Lucy van Belt, die Figur aus der Comicserie "Die Peanuts", der Hund Snoopy blickt eingeschüchtert auf eine Hantelstange und an anderer Stelle schlägt er nach einem Federball und streckt vor lauter Konzentration dabei die Zunge raus. Zwischen den Figuren gibt es bunte Schriftzüge. Manche lassen sich entziffern. Etwa "Frankfurt bleibt bunt", andere kann man noch so lange anstarren, sie verraten nicht, was die Buchstaben dem Betrachter sagen wollen.

"Schön geworden", findet ein Radfahrer

Am Wochenende Anfang August sind die Graffitis an der Turnhalle entstanden. Die Fußgänger und Radfahrer blieben seither regelmäßig stehen, betrachteten die Figuren, machen mit Fotos ihrem Handys, hat Tatara beobachtet. Während des Gesprächs mit dieser Zeitung radelt ein Vereinsmitglied des Jahnvolks vorbei. "Schön ist es geworden", ruft er im Vorbeifahren.

Die Graffitis mit den Peanuts und den meist unverständlichen Schriftzügen beenden die chaotischen Schmierereien an der Wand der Turnhalle ein für alle mal, hofft Tatara. Vor dem Wochenende im August war die ganze Wand übersäht mit sogenannten "Tags", einer Art Unterschrift von Sprayern. Manchmal gab es auch Sprüche wie "Nazis raus" oder "A.C.A.B." oder kleineren Bildchen. Als ob das die Wand noch nicht hässlich genug machen würde, übersprühten die Sprayer die Tags, Bilder und Schriftzüge anderer Sprayer, bis die Wand nur noch heruntergekommen aussah.

Das Problem bestand seit "mindestens zehn Jahren", schätzt der Vereinsvorsitzende. Anzeigen stellte der Verein, alle ohne Erfolg. Vor drei Jahren kam Tatara die Idee, das Gespräch mit den Sprayern zu suchen. In ein Fenster stellte er ein Schild: "Warum besprüht ihr unsere Wände wild durcheinander mit Graffiti, die sich gegenseitig überlagern? Wollt ihr Graffiti sprühen, an denen sich alle Passanten und auch unsere Mitglieder erfreuen können, dann lasst es uns wissen." So beginnt der kurze Text. Es ist eine Einladung.

Verein übernimmt Materialkosten

Der Verein bietet seine Turnhallenwand und beteiligt sich an den Materialkosten. Dafür gestalten die Sprayer die Wand so, dass andere aus der Szene das Werk nicht übersprühen. Eine Reaktion auf die Einladung gab es nicht - drei Jahre lang.

Dann habe sich im Sommer 2021 ein Jugendsozialarbeiter gemeldet und sei auf den Vorschlag eingegangen. Auch weil es so wenige Plätze in Frankfurt gebe, an denen Sprayer sprayen könnten. Tatara und der Verein stellten für das Wochenende einen Grill zur Verfügung. "Die Jungs haben von morgens bis abends gearbeitet", sagt Tatara. Vorgaben, wie die Wand gestaltet werden sollte, machte der Verein nicht. Nur eine Bitte: Das Thema Sport sollte aufgegriffen werden und die Turnerschaft sollte sich mit ihrem Logo auf der Wand wiederfinden.

Tatara ist zufrieden mit dem Ergebnis. "Die Farbe ist nirgends verlaufen. Die beherrschen ihre Kunst", sagt er. Und mit dem Satz, "Frankfurt ist bunt" könne sich der Verein zu hundert Prozent identifizieren. Die Buchstaben-Salat-Kombinationen versucht Tatara nicht zu entschlüsseln. Er habe mit dem Sprayer gesprochen. Der erzählte, dass er die Buchstaben nur nach ästhetischen Gesichtspunkten kombiniere. Ästhetischer ist es tatsächlich alle mal. Friedrich Reinhardt

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