Bundespolizei und Deutsche Bahn informieren im Hauptbahnhof Reisende gemeinsam über Taschendiebe: Oberkommissar Christian Förster (Mitte) und der SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel.
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Bundespolizei und Deutsche Bahn informieren im Hauptbahnhof Reisende gemeinsam über Taschendiebe: Oberkommissar Christian Förster (Mitte) und der SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel.

Kriminalität

Was gegen Taschendiebe hilft

  • vonSabine Schramek
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Pünktlich vor den Herbstferien: Bundespolizei zeigt Reisenden im Hauptbahnhof, wie sie sich vor Langfingern schützen können.

In einer Woche beginnen in Hessen die Herbstferien. Zeit für viele, mit dem Zug in den Urlaub zu fahren. Das wissen auch Taschendiebe. Um es ihnen schwer zu machen, hat der Präventionsrat der Bundespolizei einen Tag lang im Hauptbahnhof Bürger mit Tipps versorgt, wie sie sicher auf Reise gehen können. Der Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn war ebenso dabei.

Die Corona-Leere im Hauptbahnhof ist längst wieder dem alltäglichen, hektischen Gewusel gewichen. Da nächste Woche die Herbstferien beginnen, hat die Kriminalprävention der Bundespolizei einen großen Stand aufgebaut. "Wir wollen, dass jeder sicher reisen kann und nicht Opfer von Taschendieben wird", erklärt Polizeioberkommissar Christian Förster vom Präventionsrat.

Gemeinsam mit drei Kollegen berät er Besucher, wie sie sich selbst schützen können. "Das Thema treibt die Leute um", ist er überzeugt und deutet auf Männer und Frauen, die sich neugierig umsehen. Das große Bild einer Auflistung von Kosten, die entstehen, wenn ein Portemonnaie mit Papieren geklaut wird, lässt viele Passanten schlucken. Die Polizei kommt dabei auf 406,80 Euro, die der Bestohlene selbst zu tragen hat - ohne Bargeld, Handy und Zeitaufwand zu berücksichtigen. "Das ist heftig", sagt eine junge Frau und fragt, wie sie sich vor Taschendieben schützen kann.

"Man sollte immer eine Hand auf seinem Gepäckstück und der Handtasche haben, Taschen mit dem Reißverschluss zum Körper vor dem Körper tragen und aufpassen", erklärt Förster. Das gelte nicht nur am Bahnhof, sondern überall, wo viele Leute sind.

Karten in verschiedenen Taschen aufbewahren

"Taschendiebe arbeiten oft in Gruppen", erläutert der Beamte. Einer lenke ab durch Anrempeln, Fragen nach Hilfe, Geld oder dem Weg. So konzentriere sich das Opfer nicht auf seine Sachen. Ein anderer Täter habe leichtes Spiel, blitzschnell etwas aus der Tasche oder Jacke zu stehlen und es an einen Dritten weiterzugeben. Förster empfiehlt, wenig Bargeld mitzunehmen, Karten und Papiere in verschiedenen verschlossen Innentaschen aufzubewahren. "So wird der Schaden minimiert."

Dass Karten sofort nach Diebstahl unter dem Sperr-Notruf 116 116 gesperrt werden können, wissen laut Förster nur wenige Leute. "Dabei zählt manchmal jede Minute." Für die Anzeige bei der Polizei hilft die Täterbeschreibung. Dafür hat die Bundespolizei eine eigene Zeugenkarte entwickelt, die in Visitenkartengröße gefaltet werden kann. Sie erklärt alles, was die Polizei braucht, um Täter leichter dingfest zu machen: Zeit, Ort, geschätztes Alter, Größe, Statur, Haarfarbe, Frisur, Brille, Sprache, Bekleidung und Besonderheiten wie Piercings oder Tattoos. "Das fördert auch Zivilcourage bei denen, die Vorkommnisse beobachten", sagt Förster.

Die Beamten stellen häufig fest, dass Zeugen sich nicht melden und auch nicht eingreifen, wenn sie Straftaten beobachten. "Selbstschutz steht natürlich an erster Stelle", räumt der Polizist ein. "Man kann aber die Polizei rufen, wenn man etwas beobachtet, Passanten um Hilfe bitten und sich merken, wie die Täter aussehen."

Das Gedränge ist zurück, die Schurken sind es auch

Die Zeugenkarten gehen am Infostand weg wie warme Semmeln. "Das ist eine gute Idee. Sonst vergisst man ja so vieles", lobt ein älterer Herr. "Man weiß ja nie, was kommt.". Ein junger Mann wird von Mitarbeitern der Bahnsicherheit zum Stand gebracht. "Er hat Hausverbot", erklärt einer von ihnen den Polizisten. An der Seite werden von Polizisten seine Personalien geprüft und lange mit ihm gesprochen. Er wisse nicht, wohin er gehen solle, sagt der Mann. Es hilft nichts. Er bekommt einen Platzverweis, da er Hausverbot hat.

Ronald Wachsmuth vom Präventionsteam der DB-Sicherheit beobachtet aufmerksam das Geschehen. Gemeinsam mit einem Kollegen unterstützt er die ehrenamtliche Präventionsveranstaltung der Polizei. "Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Wir können Hausverbote im Namen der Deutschen Bahn aussprechen. Wenn dagegen verstoßen wird, holen wir die Polizei dazu", erklärt er.

Seit den Corona-Lockerungen ist die Zahl der Taschendiebstähle wieder angestiegen. "Das liegt daran, dass wieder viel mehr Leute unterwegs sind und es mehr Gedränge gibt", sagt Förster. Er warnt, in Urlaubslaune nachlässig zu sein. "Auf sozialen Netzwerken den Familienurlaub anzukündigen, ist leichtsinnig und kann eine Einladung für Einbrecher sein." Auch deswegen verteilt er Flyer für den persönlichen Rundumschutz. "Damit es zu keinen bösen Überraschungen zu Hause und auf Reisen kommt."

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