Mehr als 20 Polizeiführungskräfte diskutieren in der Hamidiye Moschee.
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Mehr als 20 Polizeiführungskräfte diskutieren in der Hamidiye Moschee.

Gegen Vorurteile und zur Prävention

  • VonSabine Schramek
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Polizei-Führungskräfte diskutieren in der Hamidiye Moschee

Frankfurt -In dem Raum, in dem normalerweise Frauen auf roten Teppichen beten, sind Polizeibeamte auf Socken willkommen. Die Frauen dürfen mit ihren Kollegen und ohne Kopfbedeckung beim Mittagsgebet auf grünen Teppichen Augenzeuge sein. Hüseyin Kurt, Koordinator der Arbeitsgruppe der türkischen Moscheen in Frankfurt, hat die Türen der unscheinbaren Moschee in der Innenstadt für mehr als 20 Führungskräfte der Polizei weit geöffnet, um Imame aus Frankfurt und Polizisten zusammenzubringen.

"Wenn es Probleme gibt, tauschen wir uns regelmäßig mit dem Polizeipräsidenten aus", so Kurt. Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill bestätigt, dass "viele kleine Fälle durch vertrauensvollen Austausch seit Jahren gelöst werden". Auch, um eine Vertrauensbasis zwischen türkischen Muslimen und Polizeikräften zu schaffen, hat die Polizeiführung zugestimmt, sich in den Räumen zum Diskurs zu treffen, in denen Muslime ihren Glauben leben.

Attentat in Hanau hat Ängste geschürt

"Nach dem Attentat von Christchurch haben wir zusammengesessen und auch nach Hanau", sagt Bereswill. "Hanau war sehr nah, natürlich sind Ängste aufgekommen. Offen und sachlich haben wir Gefahrenlagen diskutiert." Um zwischen Polizei und Muslimen mehr gegenseitiges Verständnis aufzubringen, wird das gemeinsame Gespräch gesucht. Fremdes soll beiden Seiten weniger fremd erscheinen. Kurt berichtet über die Zeit, als Türken als Gastarbeiter in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen und wie sich jetzt die Kinder und Enkel der ersten Gastarbeiter-Generation in Frankfurt zu Hause fühlen. Aber auch darüber, wie "das Leben in Moscheen nach dem türkischen Militärputsch am 12. September 1980 politisiert wurde. Vorher wurde nur gebetet". Schwierig sei es gewesen, wenn der Vater nach Mekka gepilgert ist und ein Sohn zeitgleich ein Pop-Konzert besucht hat. Kurt hat Empathie für beide Seiten, die Polizei habe allerdings oft einschreiten müssen bei Gewalttaten, "die daraus entstanden sind".

Die Polizisten folgen Imam Mustafa Cimsit zum Mittagsgebet in der Moschee ohne Kuppel. Sie beobachten kniend die Männer, die sich gen Mekka verbeugen. Erst danach kommen Wünsche auf. Der Erste Vorsitzende der Moschee in Fechenheim ist ratlos. "Früher war alles gut. Seit das 7. Revier aufgelöst wurde, habe ich keinen Ansprechpartner mehr und von der Polizei ist seither keiner vorbeigekommen, um 'Guten Tag' zu sagen." Sofort verspricht eine Polizeibeamtin, dass die Polizei vor Ort auf ihn zukommen werde und er natürlich Ansprechpartner habe.

Mehr Austausch, besseres Verständnis

Aus Niederrad kommen keine Klagen, der Vorsitzende Yildiz lobt die Kooperation mit der Polizei. Für Griesheim wünschen sich Muslime "mehr Austausch und besseres gegenseitiges Verständnis". Oft gebe es "Reibereien, weil es eben ein Stadtteil ist, in dem viel los ist".

Es wird klar, dass Vorurteile auf allen Seiten bestehen und dass sie nur durch wechselseitige Gespräche, Vertrauen und Offenheit abnehmen können. "Menschliches Vertrauen ist etwas, das dauert und es ist sehr zerbrechlich", stellen beide Seiten fest. Cimsit hofft darauf "dass niemand pauschalisiert. Jeder Mensch macht Fehler und das sollte uns allen klar sein". Er setzt auf Toleranz. "Wenn jeder, egal woher er kommt und egal, welchen Beruf er hat, den Weg geht, den er vorleben möchte, gehen wir alle auch in Konflikten friedlich miteinander um, statt Öl ins Feuer zu gießen." Bereswill stimmt zu. "Es ist wichtig, vertrauensvolle Bindungen aufzubauen und zu erhalten. Statt mit den Wölfen zu heulen, Probleme mit Vernunft anzugehen und Köpfe zu erreichen." bi

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