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Mal was anderes: Currywurst in Thymian-Honigsauce und Ziegenkäse, den Barbara Yoshida, Tochter der Namensgeberin Sieglinde Lang, flambiert. foto: rüffer

Niederrad: Stadtteil-Szene

Geheimtipp nicht nur für Currywurst-Kenner

  • vonSabine Schramek
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Ein Imbiss mit Kiosk in Frankfurt-Niederrad ist seit 44 Jahren Anlaufstelle für ein bunt gemischtes Publikum. Mit gutem Grund.

Frankfurt – Dort, wo Mutter und Tochter zusammenwirken, gibt es oft etwas Besonderes zu entdecken. Das gilt auch für Kioske und Imbisse. Solche Symbiosen bringen oft Ungewöhnliches hervor. So gibt es bei "Frau Lang" etwa Lotto mit Kartoffelpuffern.

Frankfurt: Imbiss war früher mal ein Wartehäuschen

Früher hieß die Haltestelle "Städtische Anstalt". Im ehemaligen Wartehäuschen an der Straßenbahnhaltestelle Heinrich-Hoffmannstraße/Blutspendedienst an der Deutschordenstraße erinnert eine alte Wanduhr an längst vergangene Zeiten. Heute duftet der weiße Raum nach "Currywurst in Thymian-Honigsauce und Ziegenkäse flambiert" und nach Zwiebelschnitzel. "Wir lassen Jungköche in Kurzarbeit ihr Können präsentieren", sagt Barbara Yoshida (51) lachend und flambiert den Ziegenkäse auf der Edelstahltheke ihrer kleinen Küche. Ihr Mutter Sieglinde Lang (78) steht nebenan im Kiosk und bedient die Kunden, die Zeitungen oder Getränke holen wollen und Lottoscheine ausfüllen. Vor 1976 hat Lang den Kiosk übernommen. "Trinkhalle - Lotto - Imbiss" steht auf dem Gebäude mit Terrassenüberdachung. Genannt wird es von allen Kennern "Frau Lang".

"Frau Lang" fällt auf. Wegen des Walfisch-Graffitis auf der Wand und wegen der ausgefallenen Speisekarte. Yoshida hat drei Jahre in Tokio gelebt und immer in der Gastronomie gearbeitet. "Da bringt man schon ein bisschen was mit", sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht. "Frankfurter lieben Eintöpfe. Nicht nur klassisch, sondern zum Beispiel auch rote Linsen mit Ingwer und Kurkuma", weiß sie. Oder Pommes mit Chili con Carne und Cheddar Sauce, die sie ebenso anbietet wie Burger, Bratwurst und Reibekuchen. Seit acht Jahren ist Yoshida mit dabei. "Mein Opa hat an der Uniklinik gearbeitet. Da gab es den Kiosk schon. Und als unsere Vorgängerin aufgehört hat, hat meine Mutter den Kiosk vor 44 Jahren halt einfach übernommen."

Nicht nur Currywurst: Angebot bei Frankfurter Imbiss erweitert

Früher gab es im Imbiss hauptsächlich Brat- und Currywurst mit Pommes oder Brötchen. Die Nähe zum Blutspendedienst und der Klinik hat schnell für Stammgäste gesorgt. "Die wollen allerdings auch Abwechslung", meint Yoshida und hat das Angebot peu à peu erweitert.

Die Atmosphäre im Imbiss ist irgendetwas zwischen Wartehäuschen und mediterran. Corona-konforme Tische, kühle Fliesen in Weiß, Hellgelb und Orange, die alte Wanduhr und ein großes schwarz-weißes Landschaftsbild mit einem rot kolorierten Motorradfahrer darauf. "Demnächst wollen wir es hier noch etwas mediterraner gestalten", sagt die Frau mit der Pudelmütze.

Wissenschaftler und Patienten sind zu Gast beim Imbiss in Frankfurt-Niederrad

Die Gäste sind das, was man gemeinhin als bunt geschmischt bezeichnet. "Die Stammgäste kommen aus der Klinik und dem Blutspendedienst, aber auch jede Menge Fußballfans kommen her, wenn im Stadion gespielt wird. Dazu noch Patienten, die raus dürfen, Wissenschaftler, Angestellte der Max-Planck-Stiftung und jede Menge Bauarbeiter." Es gibt montags bis freitags Mittagsmenüs für 5 Euro bis 8,50 Euro inklusive Getränk. "Wir kochen nur, was uns selber schmeckt", erklärt Yoshida ihr Geheimnis. "Und wir kochen nur absolut frisch. Da hat meine Mutter schon immer großen Wert drauf gelegt. Die Wurst kommt zum Beispiel aus dem Odenwald."

Auf einer großen Tafel über der Küche werden sieben Burger von vegetarisch bis Chorizo angeboten, sechs Arten Würstchen inklusive Veggie, fünf Schweineschnitzelarten, hausgemachte Salat, Soßen, Pommes und Extras. Die raffinierten Gerichte wechseln ständig. "So hat jeder auch etwas Neues zum Probieren, und mir macht das richtig Spaß", schwärmt die Köchin. Für jeden Gast hat sie ein Lächeln parat und auch Tipps. "Ich werde oft nach den Rezepten gefragt oder nach ungewöhnlichen Zutaten für Hausmannskost", sagt sie. Gewusel auf Abstand gibt es sowohl am Kiosk als auch am Imbiss. Viele Kunden kennen sich und nutzen ihre Pause zum Plaudern.

Eine Zeitlang hatten Lang und ihre Tochter Yoshida Ärger mit Schmierereien auf den Außenwänden. "Das hat uns geärgert. Also hat meine Mutter einen Studenten angeheuert, der die Graffitis gemacht hat. Seitdem ist weitgehend Ruhe mit Vandalismus", sagt Yoshida. "Seit Corona wollen wir, dass jeder, der uns besucht, sich noch wohler fühlt. Mit guter Laune, ausgefallenen Gerichten und schönen Dingen zum Ansehen. Die Zeiten sind grau genug. Wir machen einfach das Beste für alle daraus." (Sabine Schramek)

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