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25.06.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Ein Mann arbeitet mit einem Trennschleifer an einer Signalhalterung. Der zentrale S-Bahn Tunnel unter der Innenstadt ist vom 23. Juli bis. 5. August gesperrt. Grund ist der Einbau eines neuen elektronischen Stellwerks, das mehr Pünktlichkeit auf der stark befahrenen Strecke bringen soll. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nahverkehr

So geht?s voran im S-Bahn-Tunnel

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Im S-Bahn-Tunnel laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Rund 620 Tonnen Schrott und Baureste werden derzeit weggeschafft. Laut der Deutschen Bahn (DB) wird die Sperrung wie geplant zum Ferienende aufgehoben. Dank des neuen Stellwerks sollen die Züge dann pünktlicher kommen. Der erste Härtetest beginnt am Montag.

Funken sprühen durch die stickige Luft, als ein Bauarbeiter das alte Lichtsignal an Gleis  101 absägt. Am Bahnsteig gegenüber hält kreischend ein Güterwaggon. Ständig wird nach Matthias Körner gerufen. „Das ist eben der Endspurt“, sagt Körner, der seit 2011 Projektleiter der Baustelle im S-Bahntunnel ist. Pünktlich um 4  Uhr am 6. August soll der erste Zug das Verkehrsnadelöhr wieder durchfahren können – bis dahin bleibt es gesperrt. Körner ist zufrieden: „Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan.“

Die aktuelle Sperrung ist bereits die vierte in diesem Jahr. Die Haltestellen Taunusanlage, Hauptwache, Konstablerwache, Ostendstraße und Lokalbahnhof werden von den S-Bahnen bis zum Ferienende nicht angefahren.

Vor drei Jahren begann die Deutsche Bahn AG in dem Tunnel unter der Innenstadt ein elektronisches Stellwerk einzubauen. Es soll dafür sorgen, dass S-Bahnen sich zukünftig seltener verspäten. Das Stellwerk kostet knapp 90  Millionen Euro, weitere Millionenbeträge kommen für Arbeiten an Beleuchtung sowie Signal- und Sicherheitssystemen hinzu. Derzeit laufen im Tunnel die letzten Rückbauten: Mit Arbeitszügen werden insgesamt rund 620  Tonnen Schrott und Baureste abtransportiert. Allein 190  Kilometer Kabel wurden herausgerissen und neu verlegt. Manche der 100  Lichtsignal-Anlagen werden noch ausgetauscht: Statt Farben zeigen diese dann Geschwindigkeiten. An den Bahnsteig-Enden werden Schutztüren montiert, die es Störenfrieden erschweren sollen, in den Tunnel zu gelangen.

Bis zum nächsten Montag ist die Hundertschaft in Warnwesten noch auf den Gleisen 101 und 102 beschäftigt. Sind die Röhren dort fertig, zieht die Baustelle hinüber zu den Gleisen 103 und 104. Dort lässt die DB in den folgenden fünf Wochen parallel zu den Stellwerkarbeiten den Boden sanieren. Auf der gegenüberliegenden Seite war das schon im Sommer 2016 passiert.

Zeitgleich tritt am 1. Juli auch das neue „FFTX“-Stellwerk den Dienst an. Nachts zuvor erreichen und verlassen deshalb von 0 bis 5 Uhr keine Züge den Hauptbahnhof – weder ober- noch unterirdisch. Ersatzbusse fahren. Das neue Stellwerk wird in dieser Zeit mit den bestehenden Anlagen vernetzt. Der S-Bahnverkehr der Linien 1 bis 4 kommt fortan auf den Gleisen 101 und 102 an. Die Linien 5 bis 8 verkehren an den Fernzugbahnsteigen

Für den Start des Elektro-Stellwerks dämpft Körner aber die Erwartungen: „Wir haben die Lokführer zwar auf die neue Anlage eingestellt, sie werden sich aber erst daran gewöhnen müssen“, sagt er. „Bis die erhofften Zeiteinsparungen eintreten, wird es dauern.“ Die Probefahrten im Tunnel laufen. Die regulären Fahrzeiten sollen laut DB gleich bleiben, man wolle sich aber einen Zeitpuffer für mögliche Verspätungen herausfahren. Circa 15 bis 30 Sekunden sollen im Tunnel gespart werden. Bei bis zu 24 S-Bahnen, die pro Stunde dort hindurch müssen, ergäbe das jährlich zehntausende gesparte Minuten, wirbt die DB.

Statt 60 dürfen die Bahnen bald 80 Kilometer pro Stunde in der Röhre fahren. Nur zwischen Konstablerwache und Taunusanlage ist die Strecke zu kurz. Das neue Stellwerk garantiere im Vergleich zu seinem Vorgänger von 1978 „Stabilität und Zuverlässigkeit“, sagt Körner. Im besten Fall soll die Anlage gut 40 Jahre halten.

DB, RMV und Traffiq reagieren routiniert auf den Unmut wegen Ausfällen und Streckenänderungen: Alle S-Bahnen fahren mit drei Waggons. Mit einer RMV-Fahrkarte darf man auch den ICE und IC zwischen Hanau und Frankfurt nutzen. Eine DB-Fahrkarte erlaubt während der Sperrung, sich in Bus, Tram und U-Bahn zu setzen, sollte das Ticket sonst zu einer Fahrt durch den Tunnel berechtigen.

Von 6 bis 22 Uhr helfen an mehren Standorten am Hauptbahnhof 20  Reiselotsen den Fahrgästen. Vier weitere arbeiten am Südbahnhof. Die DB-Schalter sind dauerhaft besetzt. Unter sbahnbaustelle.de kann man sich online individuelle Reiserouten bauen.

Neu ist: Die Call-a-Bike-Leihräder der DB sind für die erste halbe Stunde kostenlos und die Registrierungsgebühr entfällt, solange der Tunnel dicht ist. Wer auf’s Rad umsteigen will, sollte aber schnell sein: Am Hauptbahnhof gibt es 80  Gefährte, täglich kommen hier aber 470 000 Reisende durch.

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