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Durchfahrt trotz Drängelgitter

Gehweg an der für Autoverkehr gesperrten Morgensternstraße wird als Fahrradweg missbraucht

Der Turnhallenbau an der Schillerschule zieht Probleme nach sich: Weil der Schulhof auf die Morgensternstraße ausgelagert wurde, quälen sich Radfahrer wie Fußgänger über den einzigen frei gebliebenen Gehweg.

Fahrradfahrer steigen ungern ab, wenn sie einmal in Fahrt sind. Auch dann, wenn ihre gewohnte Strecke auf einmal von einem Bauzaun blockiert wird. In diesem Fall wechseln sie auf den Gehweg und fahren oftmals in gewohnter Geschwindigkeit weiter, obwohl dort vielleicht Fußgänger unterwegs sind oder Kinder aus den angrenzenden Häusern gelaufen kommen.

Diese ärgerliche Erfahrung machen seit Monaten die Anwohner der Morgensternstraße, insbesondere Anlieger der Häuser mit den Nummern 8 bis 12, die direkt am Bauzaun liegen – und sind genervt davon, dass Radfahrer munter weiterfahren, obwohl der Bürgersteig mit einem Schild versehen ist: „Nur für Fußgänger“. „Die Radfahrer sind frech oder werden aggressiv, wenn man sie bittet, abzusteigen,“ sagt Beate Krebs-Krüger, die im Haus Nummer 8 wohnt. Dabei seien bei der Geschwindigkeit, mit der durchgeradelt werde, Zusammenstöße programmiert. „Hier und im Nachbarhaus wohnen viele Kinder,“ so Krebs-Krüger.

Roller brausten durch

Seit März ist in der Morgensternstraße kein Durchkommen für Autos – und Zweiräder –, weil der Schulhof der Schillerschule vorübergehend auf die Straßenfläche ausgelagert wurde, so lange auf dem alten Schulhof die Turnhalle gebaut wird. Um den „Straßenschulhof“ herum ragt ein hoher Bauzaun in die Luft. Einzig durch den Gehweg auf der gegenüberliegenden Seite der Schule können noch Fußgänger laufen, dicht am Bauzaun vorbei. Weil immer öfter Radfahrer und Rollerfahrer ungeachtet der Fußgänger den schmalen Durchgang für sich reklamierten, beschlossen die Anwohner im Frühjahr, etwas zu unternehmen und baten die Stadt um Nachbesserung.

Das Amt für Bau und Immobilien, zuständig für den Schulbau, ließ zunächst das Gehwegschild und Absperrungen aufstellen. Die wurden aber immer wieder, vermutlich von Zweiradfahrern, zur Seite gestellt. Als schließlich sogar, nach Angaben der Stadt, Betonpoller weggeschoben wurden, sah die Stadt sich gezwungen, Drängelgitter zu installieren – vor allem die Anlieger pochten darauf. Bis aber die Gitter kamen, dauerte es aber viele Wochen, so dass die Anwohner gar der Stadt mit Strafanzeige drohten. Schließlich, Mitte Juli, wurden die festen Metallbögen installiert. Radfahrer müssen drumherum lenken, die meisten steigen ab – jedoch nur, um sich gleich wieder auf den Sattel zu schwingen und weiterzufahren.

„Es ist aber schon besser geworden,“ sagen Erika und Colmar Hellwig, die auch in der Hausnummer 8 wohnen. „Nur wenige steigen ab und schieben das Rad bis zum anderen Ende,“ berichten sie.

Für Feuerwehr blockiert

Was den Arzt Colmar Hellwig aber viel mehr beschäftigt, ist, dass die hinter der Absperrung gelegenen Häuser für Feuerwehr, Krankenwagen im Grunde nicht erreichbar sind: „Der Zaun steht im Weg – wenn etwas in den Häusern passiert, kann keine Hilfe durchkommen.“ Seine Sorge teilte er der Branddirektion per E-Mail mit, erhielt aber keine Antwort auf sein Anliegen. Allerdings regte er erfolgreich bei der Stadt an, den Zaun mit einem Tor zu versehen. Teile der Holzwand sind nun mit Rollen und einem Schloss versehen, so dass im Notfall die Feuerwehr in den „Schulhof“ einfahren kann.

Zusätzlich haben Nachbarn an den Zäunen der Vorgärten vor kurzem Schilder angebracht mit der Aufschrift „Dieser Durchgang gilt als Fluchtweg!“ sowie der Bitte, keine Räder an den Zäunen zu befestigten.

Von Stefanie Wehr

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