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Benefizkonzert im Frankfurter Dom

Geigerin Anne-Sophie Mutter: "Geste derNächstenliebe"

  • vonEnrico Sauda
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Für ihre Kollegen, die gerade schwere Einbußen erleiden, konzertiert Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter in Kirchen. Nun war sie im Dom.

Im Dompfarrsaal strahlt helles Licht. Der Flügel ist abgedeckt. Die Notenständer sind leer. Wasser und Snacks stehen auf einem Tisch. Gerade haben sich Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und ihre Quartett-Kollegen Mohamed Hiber , Leonhard Elschenbroich und Hwayoon Lee im Dom warmgespielt. Gleich werden sie in dem Gotteshaus die Messe musikalisch begleiten. Ihr Ziel: Die Ausnahmekünstlerin sammelt Geld für in Not geratene freischaffende Kolleginnen und Kollegen. In einigen Städten war sie schon. Weitere sollen folgen.

Die Mainmetropole stand auf ihrer Liste, "weil diese Stadt zu den wichtigsten Städten in meinem Leben gehört - wegen ihrer fantastischen Musiktradition, die hier gepflegt wird, wegen der großen Festivals, die sich zwischen Wiesbaden und Frankfurt abspielen", sagt Mutter. "Da wir nicht in der Oper spielen können, sind wir sehr dankbar, dass der Dom uns eine musikalische Heimat schenkt sowie auch offene Ohren für unser Anliegen hat, auf die dringende und drängende Notlage der Künstler aufmerksam zu machen. Wir spielen für den Corona-Nothilfe-Fonds der Deutschen Orchesterstiftung, der im März gegründet wurde und hier in Frankfurt für die Kunstkulturkirche." Außerdem hingen noch so viel mehr Menschen hinter einer Veranstaltung, "da sind wir Künstler nur die Spitze des Eisbergs", so die 57-Jährige.

"Ich möchte alles Menschenmögliche tun, um meine Solidarität mit meinen Musikerkollegen zu zeigen. Es ist aber auch eine Geste der Nächstenliebe", sagt Mutter zu ihrer Motivation. "Und zwar nicht nur für die Musiker, sondern auch für die Menschen, die in die Kirche gehen und die in diesem sakralen Ort Hoffnung und emotionale Berührung suchen."

Musik und Kirchengeschichte sind untrennbar miteinander verbunden - besonders durch Weihnachten. "Es ist für mich ein Familienfest, eine Zeit, auf die ich mich sehr freue und in der ich, im kleinsten erlaubten Rahmen, meine Kinder sehe. Es sind die schönsten zwei Wochen im Jahr", sagt Anne-Sophie Mutter, die eigentlich nur einen Wunsch hat: "Dass wir alle gesund durch die Pandemie kommen, dass jeder, der erkrankt ist, gesund wird und dass die Impfung keine Nebenwirkungen haben wird." Im März war sie selbst an Covid-19 erkrankt. "Ich hatte natürlich Panik nach der Diagnose, habe mich dann aber schnell gefangen und ja, ich hatte großes Glück." Für sie und alle Musiker sei die Pandemie ein große Belastungsprobe, aber die Gottesdienste mit musikalischer Begleitung seien Requiems für die Verstorbenen, die Ärzte und Pfleger, die täglich ihre Leben riskieren. "Wir müssen mit Nächstenliebe im Herzen in die Zukunft schauen und dürfen nicht rücksichtslos auf Rechte beharren, die andere gefährden und die eine Verlängerung des Lockdowns zur Folge haben."

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