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"Tödlicher Straßenverkehr" steht auf diesem Hinweis, den Teilnehmer einer Gedenkfahrt an der Unglücksstelle in der Oskar-von-Miller-Straße aufgestellt hatten.

Verkehr

Geländewagen-Unfall löst heftige Debatte im Stadtparlament aus

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Wie Frankfurts Straßen dauerhaft sicherer werden können, daran scheiden sich die Geister. Auch im Stadtparlament.

Frankfurt -Große Betroffenheit wird nach dem Geländewagen-Unfall mit zwei Toten aus der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend aus der Stadtpolitik geäußert. Der Straßenzug ist bisher aber vom Unfallgeschehen her unauffällig. Einige Stadtverordnete nutzen den Horror-Crash dennoch für radikale Forderungen.

Wohl zu schnell unterwegs, verliert ein Fahrer (38) die Kontrolle über seinen Geländewagen. Der erfasst drei Menschen, zwei sterben. Der Unfall in der Oskar-von-Miller-Straße vom 19. November hat in Frankfurt eine Debatte über Verkehrssicherheit ausgelöst. Durch die Bank drücken die Parlamentarier in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ihre Betroffenheit aus.

Unfall mit zwei Toten "hätte nicht passieren müssen"

Schon bei der Ursache gehen die Einschätzungen auseinander. Der Unfall "hätte vielleicht nicht passieren müssen", wenn der Fahrer das Tempolimit von 50 eingehalten hätte, sagt Petra Scharf (SPD). BFF-Fraktionschef Mathias Mund sieht das genauso. Auch Rainer Michaelis, Leiter der städtischen Verkehrspolizei, hatte diese Einschätzung geäußert.

Johannes Harsche (CDU) mahnt jedoch: "Da der Unfallhergang noch nicht abschließend geklärt ist, sollte man mit Schlussfolgerungen zurückhaltend sein." Ursache für den Unfall sei wohl "individuelles Fehlverhalten des Fahrers". Dem widerspricht der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Wolfgang Siefert: Es sei "kein bedauerlicher Einzelfall".

Frankfurter Linke kritisiert SUVs, SPD "Potenzgehabe"

Das Problem seien "tonnenschwere Panzer auf den Straßen" und deren Fahrer, moniert Linken-Verkehrspolitiker Martin Kliehm. 2020 seien vier Radfahrer und vier Fußgänger getötet worden. "Dagegen müssen wir etwas tun." Sozialdemokratin Scharf sieht eine große Gruppe als Verursacher von derlei Unfällen: "oft leider Männer" mit Rücksichtslosigkeit und "Potenzgehabe".

Wolfgang Siefert fordert nun, dem Beispiel von Helsinki und Oslo zu folgen, wo es keine Verkehrstoten mehr gebe, weil dort Fußgänger besser geschützt würden. "Dieses Ziel brauchen wir auch in Frankfurt." Daher dürfe höchstens Tempo 40 auf Hauptverkehrsstraßen gelten, auf Nebenstraßen Tempo 20. Straßen müssten so umgebaut werden, dass sie nicht - wie Sonnemann- und Oskar-von-Miller-Straße - zum Rasen einladen.

Geschwindigkeit in Frankfurter Innenstadt "zwangsdrosseln"

Generell Tempo 30 in der Innenstadt fordert Martin Kliehm. Durch Funk-Überwachung solle das Tempo von Fahrzeugen in der Innenstadt zwangsgedrosselt werden. "Das Auto in der Innenstadt hat langfristig keine Perspektive", erklärt der Linken-Politiker.

In der Sonnemannstraße und der Hanauer Landstraße bis Ratswegkreisel solle Tempo 30 gelten und es solle dort "mehr Blitzer" geben, fordert Petra Scharf. Bessere Radwege, mehr Platz für Fußgänger, mehr Bahnen und Busse und ein 365-Euro-Ticket sollten noch mehr Autofahrer dazu bewegen, ihr Auto stehen zu lassen.

Mehr Kontrollen seien nötig, sagt auch CDU-Politiker Harsche. Dafür müsse die Verkehrspolizei mehr Personal bekommen. Harsche sieht "Anzeichen" dafür, dass sich die Rücksichtnahme im Straßenverkehr "negativ entwickelt". Zu schnelles Fahren und Rotlichtverstöße gefährdeten alle. Auch der Christdemokrat fordert, die Attraktivität des Autoverkehrs zu reduzieren, indem Nahverkehr und Radwege ausgebaut werden. "Aber das Auto ist ein notwendiges Verkehrsmittel für viele."

Statt eines Autoverbots in der City oder niedrigerer Tempolimits plädiert er für einen "Verkehrsmix", um "den Mobilitätsanforderungen der gesamten Bevölkerung gerecht zu werden".

Stadt Frankfurt stellt mobile Blitzer auf

Auf Tempokontrollen müssen sich die Autofahrer einstellen: Aktuell bereitet die Stadt den Einsatz mobiler Blitzer-Anhänger in dem Straßenzug vor, erklärt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) in Vertretung für Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Die Landespolizei müsse die Einsatzorte genehmigen.

Die Blitzer sollten über längere Zeit an verschiedenen Stellen stehen und die Straße rund um die Uhr überwachen. Das sei effektiver als ein fest installierter Blitzer und es könnten auch einzelne nächtliche Extrem-Raser erwischt werden. Mit solchen Blitz-Kampagnen habe die Stadt bereits an anderen Stellen sehr erfolgreich den Verkehr nachhaltig ausgebremst, betont Stefan Majer. Allerdings: Auffällig sei die Sonnemannstraße bisher nicht, sagt der Dezernent. Bei sieben Messungen dieses Jahr seien nur vier Prozent der Fahrer zu schnell gewesen.

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