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Norbert Wied und Sara Hammann verteilen die ersten ?Gelben Karten? an einen Falschparker in Enkheim.

Appell an Anwohner

Gelbe Karten für Falschparker in Bergen-Enkheim

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Parkplätze sind knapp in Frankfurt. In vielen Stadtteilen parken Autofahrer zu dicht an Kreuzungen oder so, dass Fußgänger kaum noch an ihnen vorbei kommen. Statt auf Knöllchen setzt der Ortsbeirat 16 nun auf Aufklärung: Er verteilt „Gelbe Karten“ an jene Autofahrer, die besonders rücksichtslos parken.

Der schwarze Focus Combi, der am Rande der Röhrborngasse parkt, steht so dicht an der Kreuzung, dass er fast in die Riedhalsstraße hineinragt. Nicht nur wer hier links abbiegen will Richtung Triebstraße, hat es schwer: Auch die Bergen-Enkheimer Kinderbeauftragte Sara Hammann kommt mit dem Kinderwagen kaum an dem parkenden Auto vorbei, um über die Straße zu gehen. Und so steckt sie dem Fahrer eine „Gelbe Karte“ hinter den Scheibenwischer. Selbst erstellt hat sie die DIN A 5 großen Zettel. Auf der Vorderseite ist ein Hand zu sehen, die wie beim Fußball-Schiedsrichter eine Gelbe Karte in die Höhe hält.

Die Idee, Autofahrer in Bergen-Enkheim darauf hinzuweisen, wenn sie falsch parken und so andere Verkehrsteilnehmer behindern, hatte FDP-Ortsbeirat Norbert Wied. Immer wieder erlebe er, dass Autos wegen des knappen Parkraumangebots im Stadtteil verkehrswidrig abgestellt werden. „Etwa bei uns rund um den Weißen Turm, wo die Straßen eng sind.“ Und auch in Enkheim, sagt Hammann, würden immer wieder Gehwege an Kreuzungen, aber auch Einfahrten zugeparkt.

Nicht nur für Eltern mit Kinderwagen sei es dann schwierig oder gar gefährlich, weil sie auf die Straße ausweichen müssen, sagt Hammann. „Es betrifft ja auch ältere Menschen mit Rollatoren oder Rollstuhlfahrer.“ Und oft seien Kreuzungen entlang des Schulwegs der Kinder betroffen. „Hier wollen wir künftig ein besonderes Augenmerk auf Sicherheit legen.“

Die Idee mit den „Gelben Karten“ habe er nach einem Gespräch mit dem „Schutzmann vor Ort“ des 18. Polizeireviers, Andreas Lemp, gehabt, sagt Wied. „Es bringt ja nicht viel, Falschparker einfach nur anzuzeigen. Sie ärgern sich, dass sie zehn Euro oder einen ähnlichen Betrag zahlen müssen. Sie erfahren aber nicht wirklich, wieso ihr Verhalten geahndet wird.“ Dann sei es doch besser, es ihnen zu erklären.

„Viele sind sich auch gar nicht bewusst, wie sehr sie mit ihrem Verhalten andere behindern. Aufzuklären hilft mehr als Strafzettel“, sagt Hammann. Auch ihr selbst sei es vor einer Bornheimer Bäckerei bereits passiert, dass sie gedankenlos auf dem Radweg geparkt habe. Erst als sie von einem Radfahrer kritisiert wurde, sei ihr bewusst geworden, wie sehr sie mit diesem Verhalten jemanden behinderte. „Das habe ich mir gemerkt. Seitdem parke ich dort so nicht mehr.“

Deshalb steht auf der Rückseite der „Gelben Karte“ ein kurzer Text für den „Lieben Fahrzeughalter“, so die Anrede. „Sicherlich haben Sie beim Abstellen Ihres Fahrzeugs an dieser Stelle nicht bedacht, dass Sie die Sicherheit von Kindern auf ihrem Schulweg sowie Senioren mit Gehhilfen, Menschen mit Behinderung und Eltern mit Kinderwagen stark beeinträchtigen.“ Der Text schließt mit der Bitte, die Wahl des Parkplatzes besser zu bedenken.

Die Aktion von Wied und Hammann ist kein Alleingang: In der Augustsitzung des Ortsbeirats hatte Wied die Idee vorgestellt und viel Zustimmung vom Stadtteilparlament dafür erhalten. Informell hatte sich das Gremium dafür ausgesprochen, Wied und Hammann sollten die Aktion „Gelbe Karte“ in Angriff nehmen. Und so steht der Ortsbeirat 16 auch gemeinsam mit der Kinderbeauftragten als Träger der Aktion auf dem in Plastik eingeschweißten „Gelben Karten“. Nicht nur will Hammann die Karten nun stets im Kinderwagen liegen haben. „In der kommenden Sitzung verteilen wir die Karten an alle Mitglieder des Stadtteilparlaments, die sich an der Aktion beteiligen wollen.“

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