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Viele Worte, große Gesten: Das Debüt als Kapitän von Gelson Fernandes in Freiburg war für die Frankfurter Eintracht ein Erfolg.

Eintracht Frankfurt

Gelson Fernandes führt die Eintracht als Kapitän zum Erfolg

Gelson Fernandes ist ein Spieler, der alle auf dem Platz mitzieht. „Er bringt eine tolle Einstellung mit“, lobt Trainer Adi Hütter.

Die Kapitänsbinde ist für Gelson Fernandes keine besonders große Belastung. „Ich war schon in vielen Clubs Kapitän“, sagt er, und er war schon in vielen Vereinen. Für zehn Clubs, darunter Manchester City, Leicester City, Chievo Verona Udinese Calcio, AS St. Etienne, Stade Rennes oder den SC Freiburg hat er in seiner Karriere schon gespielt. Am vergangenen Wochenende hat der am kommenden Sonntag 32 Jahre alt werdende Mittelfeldspieler erstmals als Erster auf den Rasen geführt. Und ihn prompt mit einem Erfolgserlebnis verlassen.

Dass der Schweizer mit den kapverdischen Wurzeln das Stück Stoff am Ärmel in Abwesenheit des angeschlagenen etatmäßigen Spielführers David Abraham hatte tragen dürfen, war nur folgerichtig. Fernandes ist ein Spieler, der über eine große Portion Empathie verfügt, kommunikativ und impulsiv ist und eine seiner Aufgaben darin sieht, der Mannschaft zu helfen. „Er will immer die anderen unterstützen“, sagte Trainer Adi Hütter, er stelle sich nie in den Vordergrund, stattdessen „bringt er eine tolle Einstellung mit“.

In der Tat liegen die besonderen Fähigkeiten des Gelson Fernandes eher im strategischen als im fußballerischen. Er redet viel im Spiel, „fast zu viel“, wie er grinsend sagte nach dem 2:0-Sieg in Freiburg, er kommandiert, gestikuliert, sagt den Mitspielern, gerade den jungen, unerfahrenen, wohin sie zu laufen, wie sie zum Ball zu stehen haben. Vor allem der blutjunge Evan Ndicka, der eine prima Vorstellung bei seinem Debüt im Frankfurter Dress abgegeben hatte, hat von der verbalen Unterstützung des routinierten Schweizers profitiert. „Gelson ist ein Arbeitstier“, sagte Ndicka, und „einer, der alle auf dem Platz mitzieht“. Schon in der Trainingswoche vor dem Bundesligastart, als sich langsam die erste Formation abzeichnete, hat Fernandes viel mit den Kollegen geredet. „Es gibt einige in unserem Kader, die die Bundesliga noch nicht kennen. Evan habe ich etwa gesagt, er werde es geil finden, in der Bundesliga zu spielen“, erzählte der Vater einer kleinen Tochter, der nach seiner Karriere in die Schweiz zurückkehren wird.

„Für mich ist Gelson auf dem Platz wie ein Spielertrainer“, lobte Coach Hütter während der Vorbereitungszeit seinen Sechser. Fernandes, ein ewig gut gelaunter Zeitgenosse, kommt es natürlich zupass, dass er ein ziemliches Sprachengenie ist, sieben Sprachen spricht und schon deshalb viele Kollegen perfekt unterstützen kann. Nur mit dem Serbokroatischen hapert es noch. Der laufstarke Mann hat mit seiner Art überall Sympathiepunkte eingeheimst. Ein bisschen mehr Zeit hat er jetzt auch, nach der Weltmeisterschaft in Russland ist Fernandes nach 67 Länderspielen aus dem Team der Eidgenossen zurückgetreten.

In Freiburg hat er das in dieser Besetzung noch nie zusammen spielende Frankfurter Team geführt. Ohnehin fehlt es der Mannschaft nach dem Abgang von Kevin-Prince Boateng an Führungspersönlichkeiten. Fernandes soll in diese großen Fußspuren treten. Schlau genug ist der Schweizer, der mittlerweile sein Fernstudium in Sportmanagement in Lyon mit dem Bachelor abgeschlossen hat.

Fußballerisch freilich sind ihm Grenzen gesetzt, er gehört eher in die Rubrik kerniger Abräumer, er ist einer, der den Säbel statt des Floretts führt. Er weiß das natürlich. „Gegen mich ist es schwer zu spielen, ich verteidige gut, aber ich habe nicht so einen Spielaufbau wie Xabi Alonso.“ Gelson da Conceição Tavares Fernandes, wie er mit vollem Namen heißt, ist „old school“. Er rackert, ackert, macht und tut, zerstört, klaut die Bälle, er läuft seine Gegenspieler müde. In Freiburg hat er wieder die meisten Kilometer abgespult, 12,67. Er läuft Räume zu, ohne Ball. Im Breisgau hatte er nur 32 Ballkontakte, das sind für einen defensiven Mittelfeldspieler nicht viele. Er spielte 24 Pässe, und dabei keinen einzigen zum Gegner. Seine spezifischen Fähigkeiten umschreibt er so: „Erfahrung, Wille, kämpferische Qualitäten.“ Für die Offensive fällt er meist aus, Tore erzielt er so gut wie nie, in den 454 Spielen seiner Karriere in den unterschiedlichsten Ligen in der Schweiz, England, Frankreich, Portugal, Italien und Deutschland hat er 14 Mal getroffen, auch das ist nicht viel. „Wenn die Mannschaft auf meine Tore warten müsste, steigen wir ab“, hat er einmal gesagt. Und laut gelacht.

Einen wie Gelson Fernandes hat jeder Trainer gerne im Team, pflegeleicht, gute Stimmung verbreitend, nie schlecht gelaunt. Und er hält bei der Eintracht noch einen Rekord für die Ewigkeit, auf den er ganz sicher liebend gerne verzichtet hätte. Er kassierte im Pokal-Halbfinale gegen Schalke 04 die schnellste Rote Karte in der Eintracht-Historie: Nach seiner Einwechslung war nach 33 Sekunden Schluss für den Sonnyboy.

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