Thomas Fuchs radelt voran. Während der Corona-Krise bietet er zu abendlicher Stunde kleine Touren durch die Stadt an. "Genussfahrten" nennt er sie. Hier startet die Gruppe gerade auf dem Römerberg.
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Thomas Fuchs radelt voran. Während der Corona-Krise bietet er zu abendlicher Stunde kleine Touren durch die Stadt an. "Genussfahrten" nennt er sie. Hier startet die Gruppe gerade auf dem Römerberg.

Frankfurt: Rad-Rundfahrten

Gemeinsam radeln - und jeder auf seine Tour

  • vonKatja Sturm
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Mit Bildung, mit Ehrgeiz, immer mit Spaß: Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub bietet für alle etwas.

Frankfurt -Das Coronavirus hat die Touristik-Szene zu großen Teilen lahmgelegt. Auch Thomas Fuchs bekam das zu spüren. Statt als selbstständiger Reiseleiter Gruppen ins Ausland zu begleiten, verfügte der gebürtige Heidelberger, der schon lange in Frankfurt lebt, plötzlich über viel freie Zeit. Als leidenschaftlicher Radfahrer wusste er diese für sein Hobby zu nutzen: Während der vergangenen Wochen bot Fuchs mehrmals donnerstags ein sogenanntes "Genussradeln am Abend" an. Die gemütlichen, stadtnahen Runden nach Büroschluss erweiterten das sowieso schon vielseitige Angebot an Touren, das der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Frankfurt seinen Mitgliedern, aber auch jedem anderen Zweirad-Fan das ganze Jahr über offeriert.

Am Ende sitzt man gemütlich beisammen

Vorbei sind die Zeiten, in denen nur ambitionierte Radler mithalten konnten, wenn die ADFC-Tourenführer loslegten. Mittlerweile, sagt das langjährige Vorstandsmitglied Anne Wehr, sei unter den im Schnitt 300 Fahrten im Jahr "für jeden das Richtige dabei". Es gibt einfache und schwere Tages- und Wochenendtouren für unterschiedliche Altersklassen, Fahrten, die mit Kulturerlebnissen, Besichtigungen oder Gaumengenüssen verbunden werden. Es geht mit dem Mountainbike bergauf und bergab oder mit dem Rennrad bis zu 140 Kilometer weit. Auch E-Bikes sind nicht ausgeschlossen. Sofern es die Pandemie erlaubt, mündet der gemeinsame Weg meist in einem gemütlichen Beisammensein in ausgewählter Lokalität.

Es seien im Laufe der Jahre einfach viele neue Tourenleiter dazugekommen, erklärt Wehr, die ihre eigenen Vorlieben einbringen. Zu denen der früheren Lehrerin und Schulleiterin gehört die Architektur. An diesem Sonntag etwa steht ab 11 Uhr vom Römerberg aus eine 40 Kilometer lange Fahrt zu "bemerkenswerten" Wohnsiedlungen und Gewerbegebieten an. Die "ArchitekTour" zählt zur Kategorie "Wissen auf Rädern", zu der im Winter auch sogenannte Zewa-Kultur-Touren gehören. Zewa, erklärt Wehr, steht für "Zieht euch warm an".

Doch in der Regel ist es jedem selbst überlassen, wie er sich für den Ausflug präpariert. Nicht mal ein Helm ist Pflicht, auch wenn er empfohlen wird. Wer unterwegs eine Panne hat, muss im schlechtesten Fall selbst sehen, wie er den Platten repariert oder mit dem kaputten Rad nach Hause beziehungsweise zur nächsten Werkstatt kommt. Sollte sich schnelle Hilfe anbieten, bekomme man diese selbstverständlich, sagt Wehr. Aber eine ganze Gruppe auf einen Einzelnen warten zu lassen, sei nicht vorgesehen.

Auch als Organisator für Familientrips sieht man sich nicht. Jugendliche sollten mithalten können, wenn sie ihre Eltern begleiten. Deshalb sind selten Kinder dabei. "Wir veranstalten Erwachsenen-Touren", betont Wehr.

In erster Linie ein politischer Verein

Selbst das war eigentlich nicht die ursprüngliche Intention, als sich der Bundesverband des ADFC 1979 gründete. "Wir sind in erster Linie ein politischer Verein", sagt Wehr. "Das Alltagsradeln besser und sicherer zu machen", sei das oberste Ziel. Mittlerweile werden die Experten in verschiedensten Gremien gehört, gestalten Verkehrspolitik mit oder beraten in Sachen Diebstahlprävention. Die Tourenangebote entstanden quasi nebenbei, weil man einfach gerne Fahrrad fährt.

Durch den intensiven Austausch untereinander lernen auch gebürtige oder lange am Main lebende Frankfurter noch neue Wege kennen. Diejenigen, die die Tourenleiter mit anderen teilen wollen, müssen sie sich regelmäßig ansehen, um herauszufinden, ob es nicht unerwartete Hindernisse oder Umleitungen auf der Strecke gibt.

Das Engagement ist ehrenamtlich. Dennoch gibt es für die, die wie Wehr und Fuchs andere führen, freiwillige Aus- und Fortbildungen, bei denen sie unter anderem darin geschult werden, wie man die Strecken plant und auf Unvorhergesehenes reagiert. Auch ein aktueller Erste-Hilfe-Schein gehört dazu.

Mit in die Pedale treten kann jeder. Die meisten, die öfter dabei sind, melden sich irgendwann als Mitglied an. Und können dann gerne selbst auch mal eine Tour nach eigenem Gusto organisieren.

Das aktuelle Tourenprogramm des ADFC Frankfurt findet sich im Internet: www.adfc-frankfurt.de/tp. Aufgrund der Coronavirus-Krise enthält es im Vergleich zur frühzeitig gedruckten Broschüre zahlreiche Änderungen, da viele Veranstaltungen gestrichen werden mussten, andere dazugekommen sind.

Für alle Touren gilt eine Anmeldepflicht, und die Teilnehmerzahlen sind begrenzt. Eine Registrierung ist frühestens eine Woche vor dem Start der jeweiligen Fahrt möglich und sollte bis zum Ablauf des letzten Tages vor der Tour, am besten jedoch früher, erfolgen. Zum Tourstart ist ein Ausweisdokument mitzubringen. Katja Sturm

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