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Im rund 60 Hektar großen Industriepark Griesheim sind viele Flächen frei, es wird um Investitionen geworben. Der Standort ist durch hochgiftige Altlasten aus dem 19. und 20. Jahrhundert beeinträchtigt.

Reservekraftwerk

Genehmigung für Notfall-Kraftwerk angelaufen

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Für das geplante Reservekraftwerk im Industriepark Griesheim hat das Regierungspräsidium Darmstadt jetzt das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren gestartet. Die Bürgerinitiative gegen das Werk will genau hinsehen.

Erstmals vorgestellt hat die Schweizer Firma PQ Energy ihren Plan im Mai 2014 im „Gesprächskreis Griesheimer Nachbarn“, einem Forum, das Industrieparkbetreiber und Stadtteil an einen Tisch bringt: ein Reserve-Gasturbinenkraftwerk von – wie es damals hieß – 500 Megawatt (MW) elektrischer Leistung, das für die Stabilisierung der Stromnetze eingesetzt werden soll.

Jetzt hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren gestartet. Demnach umfasst die Anlage eine Gasturbine mit einer maximalen Feuerwärmeleistung (FWL) von 928 MW. Die elektrische Leistung beträgt nach dieser Planung rund 335 Megawatt, also weniger als noch 2014 geplant. Des Weiteren sind „Schwarzstartdiesel“ mit einer FWL von 37,1 MW vorgesehen. „Schwarzstartfähigkeit“ bedeutet, dass ein Kraftwerk unabhängig vom Stromnetz aus dem abgeschalteten Zustand hochfahren kann.

Stabile Versorgung

Vorgesehen ist laut Regierungspräsidium ein Kraftwerk, „das nur dann eingesetzt wird, wenn wegen des überraschenden Ausfalls anderer Kraftwerkskapazitäten die Stabilität der Stromversorgung im Übertragungsnetz gefährdet ist oder gar bereits ein Stromausfall stattgefunden hat“. Der RP hat das Verfahren bereits öffentlich gemacht unter . Die Unterlagen werden vom 14. Januar bis 13. Februar beim Regierungspräsidium Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Frankfurt, ausgelegt sein. Bis zum 13. März können Einwendungen erhoben werden, die am 5. April erörtert werden sollen.

Der Grund für die Investition ist die Energiewende: Atomkraftwerke gehen vom Netz, doch die erneuerbare Energien werden bei bestimmten Wetterkonstellationen noch nicht ausreichend produzieren, um den Bedarf zu decken. Vor allem in Süddeutschland könne es, so heißt es, zu einer Unterdeckung kommen, die für 2023 auf 18 900 Megawattstunden prognostiziert wird.

Widerstand regt sich

Investieren will die PQ Energy in Griesheim rund 250 Millionen Euro. Dort regt sich allerdings Widerstand, eine Bürgerinitiative fürchtet mehr Dreck in der Luft. Sie will sich die Pläne sehr genau ansehen. Erst vor einigen Jahren war ein Braunkohlekraftwerk im Industriepark Griesheim gegen den Widerstand vieler Bürger an den Start gegangen.

Der Industriepark, den die Infrasite Griesheim betreibt, sei ein idealer Standort für das Kraftwerksprojekt, heißt es: sowohl in Bezug auf die Versorgung mit Erdgas als auch hinsichtlich der nahe gelegenen Einspeisemöglichkeiten in das Versorgungsnetz. Dafür müsse nur eine neue Erdkabelverbindung geschaffen werden. Falls es bei der Gasversorgung durch die überörtlichen Gasleitungen zu Problemen kommen sollte, könne über die Hafenanlage des Standorts Flüssigbrennstoff angeliefert werden.

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