Christopher Bausch - hier im Harmonie, das er auch betreibt - übernimmt nun auch das Eldorado.
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Christopher Bausch - hier im Harmonie, das er auch betreibt - übernimmt nun auch das Kino Eldorado.

Kino

Frankfurts ältestes Kino macht dicht – jetzt kommt der Neustart

  • VonSabine Schramek
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Arthouse übernimmt drei Wochen nach der Schließung das älteste Kino von Frankfurt. Der neue Betreiber des „Eldorado“ erwartet trotz Corona eine wahre „Kino-Renaissance“.

Frankfurt – Für die Nachricht, dass das „Eldorado“ nun doch nicht für immer seine Pforten geschlossen hat, erhält Christopher Bausch (43) ausschließlich Applaus. „Die Entscheidung war nicht leicht“, sagt der Kinobetreiber, nachdem er den Pachtvertrag für das ehrwürdige Kino in der Schäfergasse unterschrieben hat. „Ausgerechnet in Corona-Zeiten ein Kino zu übernehmen, klingt kühn. Aber ich bin sicher, dass Kinos eine Renaissance erleben werden, sobald sie wieder bundesweit öffnen können“, sagt der erfahrene Betreiber.

Vor knapp 20 Jahren hat er in Aschaffenburg das leerstehende Kino „Casino“ wieder ins Leben geholt, und seit 2016 betreibt er die Arthouse-Kinos „Cinéma“ und „Harmonie“ in Frankfurt. „Das Eldorado ist richtig gut in Schuss, wurde von Familie Jäger gehegt und gepflegt. Bis auf Wein und Süßwaren im Kassenraum müssen wir nichts erneuern.“

Rettung für das „Eldorado“ in Frankfurt: Neuer Betreiber erwartet Kino-Renaissance

Kurz nachdem Bausch erfahren hat, dass die Familie Jäger, die das Eldorado seit 1974 betrieb, aufhört, sei der Kontakt zu ihnen und zu den Eigentümern Bißwanger ganz schnell entstanden. „Überlegen musste ich trotzdem eine Weile, und es war auch einiges in Sachen Bedingungen und Mietvertrag zu verhandeln“, so Bausch. „Dass eine Perle wie das Eldorado weiterlaufen muss, war klar.“ Die Hoffnung der bisherigen Betreiber Jäger, dass es eine Zukunft für das älteste Kino Frankfurts gibt, ist aufgegangen.

Als „Scala-Lichtspiele“ wurde das legendäre Kino im Jahr 1912 in der Schäfergasse eröffnet. Seit 1974 heißt es „Eldorado“. Elf Mal wechselten seit der ersten Vorstellung die Besitzer, das Kino überstand den Zweiten Weltkrieg. Wegen Corona wurde hier am 17. März 2020 zum letzten Mal ein Film gezeigt. Bausch will es dennoch wagen und hofft. „In Bayern dürfen schon einige Kinos öffnen, aber die Auflagen sind absurd. Ich hoffe darauf, dass im Juli wieder normaler Betrieb laufen kann.“ Er erwartet eine richtige Kino-Renaissance. „Die Leute wollen dann nicht mehr einsam Netflix gucken, sondern tolle Filme auf großen Leinwänden. Sie wollen quatschen und andere Menschen treffen und dabei guten Wein in bequemen Sesseln trinken“, ist er sicher.

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Vom „Scala“ zum „Eldorado“: Frankfurter Kino mit langer Geschichte

Mit 199 Sitzplätzen im Parkett und auf dem geschwungenen Balkon gehört das Eldorado zu den kleinen Kinos, da es nur einen Saal hat. Als "Scala" wurde es in der Presse mit "von einem stilvollen Inneren, das guten Geschmack verrät" bezeichnet. Nach dem Krieg eröffnete es trotz Bombenschäden mit komplett neu aufgebautem Saal als erstes Kino in Frankfurt wieder "in vornehmer Schlichtheit gestaltet und mit verhaltenen Farben".

Der Charme ist geblieben. Roter Stoff an den Wänden, bequeme Sessel mit anthrazitfarbenen Bezügen aus Cord. Neu sind Klimaanlage, analoge, digitale und 3-D-Kinotechnik und Dolby Digital Sound, in die Familie Jäger investiert hat. „Zur Eröffnung brauchen wir den Filmverleih. Der gibt die Filme erst raus, wenn bundesweit die Kinos öffnen“, erklärt Bausch. „Da hängen im Marketing des Verleihs Millionenbeträge, die sicherlich nicht fließen, nur weil Bayern öffnen kann. Die Verleiher warten, bis überall offen ist und mindestens 30 bis 50 Prozent der Plätze besetzt sind.“

Cinéma in Frankfurt: Kino-Betreiber nutzt die Corona-Zeit zur Renovierung

Bausch investiert in Zeiten der Schließung. Im Cinéma an der Hauptwache gab es vor einigen Wochen einen lila Plüschsessel-Ausverkauf. Den großen Saal „Lumière“ renoviert er komplett. Mit der „stattlichen sechsstelligen Summe kommen neue Sessel, Tischchen und Lampen, Beleuchtung und eine neue Soundanlage rein. So wird der große Saal schicker, schöner, gediegener und frankophiler erscheinen. Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt er. Es gäbe viele Förderungen von Land und Bund, die unabhängig von Corona seien. „Wenn wir wieder öffnen können, ist alles frisch und neu.“

Die Entscheidung der Renovierung hat er getroffen, bevor das „Eldorado“ zur Disposition stand. „Dann hätte ich vielleicht anders entschieden. Aber wer weiß“, sagt er lachend. Sein neues Schmuckstück kennt er in- und auswendig. „Ich war oft dort, um mir Filme anzuschauen. In den eigenen Kinos macht man das ja eher nicht.“ Er denkt einen Moment lang nach. „Das ist ja jetzt auch meins. Dann mache ich im Juli eben eine Ausnahme und gucke Kino im eigenen Kino. Bei so vielen Oscar-Filmen, die kommen, ist eine weitere Leinwand einfach nur gut.“ (Sabine Schramek)

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