Prozess

Gericht beschäftigt sich mit ungewöhnlichem Vorfall

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Mitten auf der Autobahn greift ein Mann seiner Lebensgefährtin ins Lenkrad und raubt die Handtasche mit 200 Euro Bargeld. Mit einem Geständnis des 27 Jahre alten Angeklagten ist jetzt vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess um diesen ungewöhnlichen Vorfall vom September 2016 eröffnet worden.

Die Anklage wirft einem 27 Jahren alten Mann einen „räuberischen Angriff auf Kraftfahrer“ vor. Hintergrund des Vorfalls, der am 23. September 2016 auf der A 66 in Höhe der Ausfahrt Höchst spielte, war Griff des Mannes nach der Handtasche der Frau. In dieser befand sich die Geldbörse mit 200 Euro Bargeld. Und dieses Geld wollte der Mann, um sich davon Drogen kaufen zu können.

Als der psychiatrische Sachverständige zu Einzelheiten der Tat Stellung nahm, schüttelte er immer wieder mit dem Kopf: „Nicht nachvollziehbar“ sei das Verhalten, „hochgefährdend“ die Tat selber gewesen. Zeugen hatten die Polizei auf den quer zur Fahrbahn stehenden Wagen des Pärchens aufmerksam gemacht. Während die Frau auf dem Fahrersitz noch um Fassung rang, war der Mann zu Fuß geflüchtet. Kurze Zeit später meldete er sich jedoch auf dem Höchster Polizeirevier und schilderte sein Verhalten.

Eine verkorkste Kindheit mit einem prügelnden Vater und einer immer wieder wegen eigener Straftaten inhaftierten Mutter führten bei dem 27-Jährigen zu frühen Kontakten mit

Drogen und Alkohol

. Die daraus resultierende Unzuverlässigkeit verhinderte trotz vorhandenen Talents und handwerklichen Geschicks bislang auch den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung als Dachdecker.

Auch die Verbindung mit der elf Jahre älteren Frau und entsprechende Pläne einer gemeinsamen Zukunft brachte offenbar keine Besserung. Mit seinen 27 Jahren hat er bereits zwölf zumeist drogenbedingte Vorstrafen aufzuweisen. Auch am Tattag standen zunächst wieder arglose Zukunftspläne der Frau auf der Agenda. Man war nach Rosbach in den Taunus gefahren, um Küchenmöbel anzuschauen.

In dem Möbelhaus muss der Mann dann nach einiger Zeit Drogenabstinenz wieder Rückfallprobleme bekommen haben, vermutete der Psychiater, ohne genauere Einzelheiten benennen zu können. „Die Rückfallgelüste sind Ausdruck dieses Krankheitsbildes.“

Auf die Palme brachte Gericht und Staatsanwaltschaft indes die Aussagen der Freundin, die den Angeklagten „immer noch liebt“. Obwohl der Mann zu Beginn des Prozesses die Vorwürfe längst eingeräumt und bestätigt hatte, wich sie von ihrer ursprünglichen Aussage ab und handelte sich damit tadelnde Worte des Vorsitzende Richters ein.

Morgen soll das Urteil verkündet werden. Zur Debatte wird auch eine Unterbringung in einer Drogentherapie stehen.

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