Frankfurter Verein „Steine“

Geschichte(n) spannend erzählt

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Von Pflaster-, Grab- und Stolpersteinen bis zu Kirchen und Hochhäusern dreht sich am Weltgästeführertag heute und morgen alles um das Thema „Steine“. Der Verein der Frankfurter Stadt- und Gästeführer sucht Verstärkung, will aber auch den Teilnehmern den Wert gut geführter Rundgänge vermitteln.

Er selbst hat uns nur zwei unscheinbare Porträts im Kaiserdom und Eschenheimer Turm hinterlassen. Doch das Gesicht der Altstadt, das sich durch Rekonstruktionen und schöpferische Nachbauten erneut wandelt und die Metropole zusammen mit der kontrastreichen Skyline liebenswert macht, hat Madern Gerthener dafür umso mehr geprägt. Einen Eindruck von seinen Kunstwerken vermittelt Jodean Ator, die sich von der Liebe des Künstlers zum Detail faszinieren lässt, während sich ihre Kollegen Verena Röse und Sören Appuhn dem Stadtbild des historischen und modernen Frankfurts widmen.

„Nach nur zwei Wochen Urlaub sind schon wieder neue Hauswände zwischen dem Stadthaus und dem Hühnermarkt hinzugekommen“, stellt Röse fest. Insgesamt sieben Führer beteiligen sich heute, Samstag, und morgen, Sonntag, am diesjährigen Weltgästeführertag zum Thema „Die Steine zum Sprechen bringen“ zugunsten der Winterspeisung in der Sankt Katharinenkirche. Sie vermitteln einen Eindruck von der Qualität ihrer Arbeit, für die Seminare mit Abschlussprüfung und Weiterbildungen ebenso unabdingbar sind wie die tägliche Praxis mit Menschen und Sehenswürdigkeiten. Die Reihe beginnt heute Vormittag mit Verena Röses Rundgang zur Neugestaltung der Altstadt und endet am Sonntagnachmittag mit Isabel Bergens Führung zur Frankfurter Stadtentwicklung über die Jahrhunderte (siehe Artikel auf dieser Seite).

Spannend ist vor allem die Mischung aus alteingesessenen und „eigeplackten“ Gästeführern jeglicher – auch internationaler – Herkunft, die die Stadt für sich erobert und erschlossen haben. „Als echtes Westerwälder Mädche verschlug es mich zunächst nach Paris, bevor ich mich spontan in meine neue Heimat Frankfurt mit ihren Gegensätzen aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft verliebte“, erklärt Röse. Unter dem Motto „Geschichten statt Jahreszahlen“ nimmt sie ihre Gäste mit auf einen Spaziergang vom Römerberg mit dem altehrwürdigen Rathaus bis zum Domhügel mit dem umstrittenen Stadthaus am Markt und den ersten „neuen“ Altstadthäusern.

Innen und außen tragen die Römerhäuser und das Leinwandhaus die Handschrift eines Steinmetzes, der seine Karriere einem Baustoff verdankt, der gegenüber dem rustikalen Fachwerk als wertvoller und beständiger galt. „Von den vielen Kunstwerken Gertheners haben der Kaiserdom und der Eschenheimer Turm die Stadt als Ikonen geprägt. Sie haben Kriege und fortschrittsgläubige Bürgermeister überlebt und zeigen sich noch so schön wie vor 600 Jahren“, stellt die US-Amerikanerin Jodean Ator fest, die früher im amerikanischen Konsulat arbeitete. Sie bietet ihren neuen Rundgang ebenso wie ihre Führungen der Reihe „Frankfurt on Foot“ in englischer Sprache an.

Der gebürtige Niedersachse und Betriebswirtschaftler Sören Appuhn hat für sich hingegen die Faszination der Hochhäuser entdeckt, die zunächst auch nur auf Sand- und Kalkstein gebaut sind und so zu Meisterwerken der Statik werden. Ein Blickwinkel, der den Gesamteindruck Frankfurts abrundet.

„Wichtig bei unseren Stadtführungen ist vor allem, bei unseren Teilnehmern einen Sinn zu stiften“, sagt Dieter Wesp, erster Vorsitzender des Vereins Frankfurter Gästeführer. Zusammen mit Sascha Stefan Ruehlow und Mikael GB Horstmann widmet er sich der Erinnerungskultur der Steine: Während Ruehlow und Horstmann die Pflastersteine der 1968er Unruhen und die Stolpersteine der Shoa in der Innenstadt erklären, stellt Wesp auf dem Frankfurter Hauptfriedhof die Grabmäler großer Geister wie Theodor W. Adorno, Arthur Schopenhauer und Ludwig Landmann als „Steine der Erinnerung“ vor.

„Wir wollen unseren Kreis erweitern und in unseren Verband auch Gästeführer aufnehmen, die nicht für die Tourismus und Congress GmbH Frankfurt arbeiten“, sagt Wesp. Er empfiehlt jedoch das dortige mehrmonatige Seminar, das wieder im November angeboten werden soll, allerdings 500 Euro kostet. „Jetzt hoffen wir noch auf gutes Wetter, damit möglichst viel Spenden für die Obdachlosenarbeit in der Katharinenkirche zusammenkommen.“

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