Schriftführer Jochen Ditschler (links) und Horst Ulmer, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Bonames, stehen im Heimatmuseum am Harheimer Weg. In der Hand hält Ditschler ein altes Fotoalbum, das der Verein beim Ausmisten gefunden hat. Die Herkunft des Albums ist unbekannt - noch. Der Verein will das ändern.
+
Schriftführer Jochen Ditschler (links) und Horst Ulmer, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Bonames, stehen im Heimatmuseum am Harheimer Weg. In der Hand hält Ditschler ein altes Fotoalbum, das der Verein beim Ausmisten gefunden hat. Die Herkunft des Albums ist unbekannt - noch. Der Verein will das ändern.

Gebäude in Bonames zu klein

Geschichtsmuseum sucht neue Heimat

  • VonFriedrich Reinhardt
    schließen

Vereinsvorstand will Ausstellung auf Vordermann bringen.

Horst Ulmer blättert durch die Inventarliste des Heimatmuseums Bonames. Rund 1000 Stücke sind darin katalogisiert. Von den inzwischen verfärbten Fotos, die einst gescannt, ausgedruckt und an die Wand gepinnt wurden, bis zu dem alten Kaffeeservice, das kunstvoll verziert ist, aber keinen Bezug zu Bonames hat. Der Katalog ist in gewisser Weise ein Sinnbild für den Modernisierungsstau des gesamten Museums.

Ausstellungsstücke neu erforschen

Viele Stücke sind im Katalog mit einer Sütterlin-durchsetzten Handschrift beschrieben. Die kann auch Ulmer, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Bonames, nicht auf Anhieb entziffern. Viele Felder in den Spalten sind nicht ausgefüllt. Aus welchem Jahr Fotos und Ausstellungsstücke stammen, ist oft unbekannt. Und: Eine Suchfunktion, wie sie ein digitaler Katalog hätte, gibt es auch nicht.

Die Digitalisierung des Katalogs ist zwar aufwendig, sie ist aber nur ein kleiner Teil der Arbeit, die sich der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins vorgenommen hat. Seit drei Jahren ist der Vorstand mit Ulmer als Vorsitzenden, Natalie Mack als Stellvertreterin und Jochen Ditschler als Schriftführer im Amt. "Die Content-Arbeit ist das, was am meisten Kraft kostet", sagt Ditschler. Damit meint er, dass alle Ausstellungsstücke untersucht und ihnen nachgeforscht werden müssten, um herauszufinden, woher die Stücke stammen. Dann könnten die Objekte in eine Ausstellung konzeptionell eingebunden werden, die einem Erzählfaden folgt, der nachvollziehbar von der Geschichte Bonames berichtet.

Das neue Konzept für das Museum ist ein Fernziel des Vereins. Am jetzigen Standort lasse sich daran nicht arbeiten, meinen Ulmer und Ditschler. "Der Raum ist Inventar- und Präsentationsraum zugleich", erklärt der Schriftführer. Es fehlt ein Raum, in dem Objekte gelagert werden können, ohne Teil der Ausstellung zu sein.

Auch ist die Lage des Heimatmuseums am Harheimer Weg ungeeignet. "Wir haben hier keine Laufkundschaft", sagt Ulmer. Selbst wenn jemand das Museum besuchen möchte, kann es sein, dass er das hinter Bäumen und Hecken versteckte Nebengebäude des Saalbaus nicht findet.

Der Vorstand habe sich deshalb mit der Bitte an den Oberbürgermeister gewandt, dem Verein bei der Suche nach einem neuen Ort zu unterstützen. Bisher ohne Erfolg. Ulmer schweben etwa Räume im alten Rathaus vor. "Dort könnten wir Kaffee anbieten und das Museum attraktiver machen."

Dem Verein fehlen nicht nur Räume. 55 Mitglieder hat der Heimat- und Geschichtsverein derzeit. "In den letzten Monaten waren die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen niedriger als die Miet- und Stromkosten des Museums. Ebenso verteilt sich der riesige Berg an Arbeit auf wenige Schultern. "Das Alltagsgeschäft betreibe ich praktisch alleine", sagt der 72 Jahre alte Vorsitzende. Ditschler und Mack stehen noch im Arbeitsleben. Für die Museumsarbeit haben sie meist nur am Wochenende Zeit.

Der Wert eines Geschichtsvereins

Ulmer weiß, wie wertvoll ein Geschichtsverein sein kann. Er hat einmal Ahnenforschung betrieben, erzählt er. Als er den Wohnort einer Tante in Ichenheim besuchte, fragte ihn ein Fremder, wer er sei. Ulmer nannte seinen Namen, dann holte der Fremde den Vorsitzenden des Geschichtsvereins. Der stellte erst Fragen und gab Ulmer dann einen Stapel Unterlagen, die von der Familiengeschichte erzählten, nach der Ulmer suchte. Friedrich Reinhardt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare