Konflikt über den Umgang mit dem Islamismus

Die gespaltene Antifa

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Unter dem Motto „Antifa United Frankfurt“ zogen am Samstag mehr als 1000 Mitglieder und Sympathisanten der linksradikalen Szene durch Frankfurt. Von der Einigkeit, die das Wort „United“ suggeriert, kann derzeit aber keine Rede sein: Zwischen den Frankfurter Gruppen, die unter dem Banner des Antifaschismus stehen, schwelt ein Konflikt, der sich vor allem um den Umgang mit dem Islamismus dreht.

Die Demo, zu der das Bündnis „Antifa United Frankfurt“ (AUF) für Samstag aufgerufen hatte, war kaum vorbei, da erschien auf dem linksradikalen Portal „linksunten.indymedia.org“ schon eine erste Kurzbilanz: Die Demo gegen Rassismus mit mehr als 1000 Teilnehmern sei „ein voller Erfolg und starker Ausdruck der antifaschistischen Bewegung“ gewesen, hieß es da; und außerdem „ein starkes Zeichen gegen die reaktionären und denunziatorischen Spaltungsversuche“ des Arbeitskreises (AK) 8. Mai und seines Umfelds. Diese hätten sich „endgültig aus der antifaschistischen Bewegung verabschiedet“. Die AUF-Bilanz endete mit einem selbstbewussten Hieb in Richtung des AK 8. Mai, der sich ebenfalls dem Kampf gegen den Faschismus verpflichtet fühlt: „Wir sind viele – ihr seid nichts.“

Das AUF-Bündnis trägt das Wort „United“ im Namen. Von der Einigkeit derer, die sich in Frankfurt den Antifaschismus auf die Fahne geschrieben haben, kann derzeit aber keine Rede sein. Die Anti-Nazi-Koordination (ANK), die dem AK 8. Mai nahesteht, teilte anlässlich der Demo am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter in Richtung der AUF aus: „Wenn die Demoleitung dazu aufruft, NICHT den Rasen zu betreten und sich für die nette Kooperation mit der Polizei bedankt, bist Du bei # AUF“, heißt es in einer Kurznachricht, mit der die ANK das für Antifa-Verhältnisse relativ zahme Auftreten kommentiert.

In den

Kern des Konflikts

zwischen den beiden Antifa-Lagern führt ein anderer Tweet der ANK: „In Hessen gibts 4 mal soviele # Reichsbürger wie in der # BRD djihadistische #Gefährder. Aber @AUF_Kampagne hält ,Salafisten‘ für das Problem.“ Tatsächlich richten sich die Aktionen von AUF nicht nur gegen rechte Gruppierungen und Personen – etwa Nazis und Rassisten –, sondern auch gegen Islamisten. So versahen Aktivisten, die sich auf die AUF-Kampagne „Make Racists afraid again“ („Macht Rassisten wieder Angst“) beriefen, am 7. Februar den Imbiss „Free’s Bude“ in der Leipziger Straße (Bockenheim) mit dem Schriftzug „FUCK IS“. Dem Inhaber – es handelt sich um den Rapper Sadiq Zadran – warfen die Aktivisten in einem Bekennerpost Kontakte in die Salafistenszene und Propaganda für islamistische Terrorakte vor.

Die ANK bescheinigte den AUF-Aktivisten darauf eine „unfassbar schlampige ,Begründung‘“ ihrer Aktion, die außerdem „in ihrer Logik rassistisch“ sei. Die ANK merkte an, dass sich Imbissbetreiber Zadran mehrfach öffentlich vom Islamischen Staat (IS) distanziert habe. „Salafist“ sei für AUF „deckungsgleich mit IS-Unterstützer“. Hinter dieser Sicht sieht die ANK die These, dass der Islam Faschismus und die Muslime Faschisten seien. Diese These werde, das betont die ANK, nicht nur im neurechten Spektrum, sondern gerade auch in der Frankfurter „Antifa“-Szene vertreten.

Vor der ANK hatte auch der AK 8. Mai die Aktion gegen den Bockenheimer Imbiss kritisiert: Die Aktion hätte auch „von Mitgliedern der Identitären Bewegung oder anderer rassistischer Organisationen“ ausgehen können, schrieb der AK in einem Internetstatement. „Die Hetze gegen Muslime nimmt zu und alles, was der Frankfurter Antifa-Szene dazu einfällt, ist, einen Imbiss, dessen Betreiber Muslim ist, anzugreifen und ihm zu drohen.“

Manche Vertreter der linksradikalen Szene bewerten die aktuelle Auseinandersetzung auch als „Generationenkonflikt“: Auf der Seite der „älteren Generation“ stehe der ANK-Aktivist Hans Christoph Stoodt, der seit vielen Jahren als intellektueller Impulsgeber der Frankfurter Antifa gilt und dort weiterhin viele Freunde hat; auf der Seite der „jüngeren Generation“, die mit AUF auf die Straße ging, stünden vor allem Aktivisten verschiedener Gruppen aus der Studentenszene. „Der Konflikt dreht sich auch um die Frage, wer in Zukunft für Kundgebungen gegen Rechts mobilisiert“, heißt es aus der Szene. „Und um die Frage, wer dann die Deutungshoheit hat.“

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