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Mit Snacks lud die stellvertretende Kirchenpräsidentin von Hessen-Nassau, Ulrike Scherf, am ?Tag der offenen Gesellschaft? zu Gesprächen an ihren Stand am Mainufer ein.

"Tag der offenen Gesellschaft"

Gespräche für ein besseres Miteinander

Gastfreundschaft, Offenheit, Vielfalt und Freiheit – dafür setzt sich die europaweite Initiative am „Tag der offenen Gesellschaft“ im Namen der evangelischen Kirche ein. Dafür wurden am Samstag bundesweit 462 Tafeln und Stehtische für Gespräche mit Gleichgesinnten gedeckt. So auch in Frankfurt.

Unter dem Motto „#dafür“ kamen am Samstag europaweit Menschen zusammen, um den „Tag der offenen Tür“ zu feiern. In Deutschland wurden mit der Unterstützung der evangelischen Kirche und der Diakonie 463 Tafeln und Tische im öffentlichen Bereich gedeckt, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Auch in Frankfurt beteiligten sich Menschen mit öffentlichen Tafeln in Sachsenhausen, Bockenheim, Hausen und Rödelheim, um ein Zeichen für Offenheit und Vielfalt zu setzen.

„Wir wollen dorthin, wo Menschen unterwegs sind“, betont Ulrike Scherf. Die stellvertretende Kirchenpräsidentin Hessen-Nassau steht mit Vertretern der Initiative am Mainufer am Eisernen Steg vor ein paar Stehtischen und bietet Getränke und Knabberzeug an. „Beim gemeinsamen Essen und Trinken begegnet man sich leichter, außerdem ist es ein Zeichen der Gastfreundschaft“, erklärt Scherf.

Ihr Ziel sei es, dass sich die Menschen wieder mehr mit Respekt begegnen und bereit sind, voneinander zu lernen. „Denn Vielfalt ist ein Schatz für die Gesellschaft“, sagt Scherf. Immer wieder kommen Passanten vorbei, schauen neugierig oder verweilen ein paar Minuten.

So auch die 54-jährige Heike Schemmer. „Wir waren eben auf der Tanzdemo für Menschenrechte und bei der Kulturparade“, erzählt die gebürtige Aachenerin, die seit 28 Jahren in Frankfurt lebt.

„Hier funktioniert die Interkulturalität. Man kann zu allen möglichen Kulturfesten gehen und ist gleich mittendrin, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen“, betont Schemmer. Ihre Freundin Stephanie Bensa sieht das genauso. „Mein Sohn ist halb Franzose, halb Deutscher und hat viele Freunde mit verschiedenen Nationalitäten. Sie verstehen sich alle“, sagt die Französin, bevor die Gruppe weiterzieht.

„Wir freuen uns, wenn Menschen bei uns hängen bleiben“, erzählt Horst Rühl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. Bei der Initiative gehe es allerdings nicht darum, irgendwelche Zahlen zu erreichen. „Solange ein Mensch vorbeischaut, hat es sich schon gelohnt“, sagt Rühl. Die Multikulturalität in Frankfurt funktioniere sehr gut.

„Hier ist das Bewusstsein, sich anderen Kulturen zu öffnen, zum Großteil vorhanden. Manche Städte haben die Multikulturalität einfach ins Blut gespritzt bekommen“, lobt er. Leider gäbe es immer noch viele deutsche Städte, die Angst vor anderen Kulturen haben. „Deshalb müssen wir immer wieder üben und lernen, offen zu sein“, sagt Rühl.

Den beiden Passantinnen aus Manchester ist der Stand am Mainufer sofort aufgefallen. „Ich schreibe eine Forschungsarbeit über Geflüchtete der LGBT-Community, also der Lesben, Gay, Bi und Transgender, deshalb finde ich die Aktion sehr ansprechend“, erklärt die 42-jährige Nina Held. „Momentan läuft es furchtbar in unserer Gesellschaft, da sehr viel

Hass gegen Geflüchtete

geschürt wird“, bedauert sie.

Ihre Begleiterin Ann Maru, die ursprünglich aus Kenia kommt, kenne das nur zu gut. „Sechs Jahre hat es gedauert, bis mein Antrag als Flüchtling anerkannt wurde. Mittlerweile habe ich eine Wohnung und einen Job, doch bis dahin war es ein schwerer Kampf, weil ich nicht arbeiten durfte“, so die 38-Jährige. „Das ist jetzt ihr erster Urlaub“, freut sich Held.

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