+
Für einen länglichen Riegel schlagen Architekten aus Amsterdam und Köln ein markantes Terrassenhaus vor. Hier werden Laubengänge jeweils vom nächsten Geschoss versetzt überdacht und so klimatisch geschützt, während die Terrassen sich großzügig öffnen.

„Wohnen für Alle: Neues Frankfurt 2018“

Das sind die Preisträger des Architekturpreis für bezahlbares Wohnen

Unterm Titel „Wohnen für Alle: Neues Frankfurt 2018“ haben die Stadt, das Deutsche Architekturmuseum und die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding vor zwei Jahren erstmals einen Architekturpreis für bezahlbares Wohnen ausgelobt. Jetzt stehen die Preisträger fest.

Frankfurt - Das rund 14 Hektar große Baugebiet Im Hilgenfeld am Frankfurter Berg – mit Blick zur Nidda und den Taunushöhen – wird vom Planungsamt Frankfurt und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG als Wohngebiet mit rund 850 Mietwohnungen entwickelt. 15 Prozent der Fläche sollen mit gemeinschaftlichen und genossenschaftlichen Wohnprojekten bebaut werden. Damit soll langfristig bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

In der ersten Phase des Wettbewerbs haben sich 107 Architekturbüros aus ganz Europa mit insgesamt 131 Projekten beteiligt. Voraussetzung war, dass diese Arbeiten in den vergangenen vier Jahren realisiert wurden. Aus diesen Beiträgen hat die Jury nun zehn Finalisten prämiert. Sie wurden jetzt mit einem Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet – und qualifizierten sich automatisch für das folgende Konzeptverfahren für das neue Frankfurter Baugebiet Im Hilgenfeld.

Bezahlbar ist Prämisse

Sieben Architektenteams aus dem benachbarten Ausland – nur eines ist aus Deutschland – entwickelten für jeweils mindestens eines der vier dafür reservierten Baufelder ein Konzept für bezahlbaren Wohnungsbau. Auf diesen Flächen sollen 40 Prozent als geförderter Wohnraum mit Mieten zwischen 5,50 und 10,50 Euro pro Quadratmeter entstehen, die übrigen frei finanzierten Wohnungen sollen zu preisgedämpften Mieten angeboten werden. Für die Grundstücks- und Baukosten soll nach heutigem Stand auf allen Wettbewerbsflächen eine Miete von rund 10,80 Euro pro Quadratmeter angestrebt werden.

"Gestapelte Lauben": Die Duplex-Architekten planen außergewöhnlich tiefe Terrassen, Laubengänge und möglichst reich begrünte Balkone.

Aus diesen Wettbewerbsbeiträgen hat die Jury jetzt vier Preisträger gekürt und einen Anerkennungspreis vergeben: Das Baufeld 3 wird mit dem Entwurf von Duplex Architekten AG aus Zürich (Schweiz) bebaut. Sie schlagen unter dem Motto „Gestapelte Lauben“ für einen länglichen Riegel am Eingang des Hilgenfeldes außergewöhnlich tiefe Terrassen vor, die als Laubengangerschließung wie auch private Balkonfläche dienen und zudem reich begrünt werden sollen, um Privatsphäre und einen vegetativen Sonnenschutz zu garantieren.

„Max und Moritz“

Für das Baufeld 4 überzeugte die Jury der Entwurf des Büros schneider + schumacher ZT GmbH Architekten aus Wien. Die Architekten schlagen für ein tieferes Baufeld am Eingang des Gebietes ein Doppelhaus mit Namen „Max und Moritz“ nach Wiener Vorbild vor. Es sieht einen außergewöhnlich breiten Grundriss mit einer sehr minimierten Erschließung vor, die sich positiv auf die zu Miet- und Nebenkosten auswirken soll. Ein einzelner Aufzug an einer Brücke zwischen zwei fast dreieckigen Bauten sowie Flure mit durch Oberlicht erhellten Treppenhäusern sorgen für eine effiziente Erschließung. Die Wohnungen sind eher größer, der gewünschte Mix kann aber garantiert werden. Außergewöhnlich durch Größe und Zuschnitt ist der hohe Anteil der Mietflächen.

Schneider + Schumacher entwarfen das Doppelhaus "Max und Moritz" nach einem Wiener Vorbild mit Ladenlokalen im Erdgeschoss.

Bei den Baufeldern 1 und 2 konnte sich die Jury für keinen Beitrag entscheiden. Die Entwürfe von NL Architects (Amsterdam), Studyo Architects (Köln) und Lacaton et Vassal (Paris) sollen überarbeitet werden, um auf einem anderen Baufeld Im Hilgenfeld realisiert zu werden. Die Entwürfe werden optimiert. Dabei soll auch geprüft werden, welche Standards aus anderen Ländern auf das Frankfurter Baugebiet übertragen und welche deutschen Standards in Frage gestellt werden können. Die Stadt, die ABG Holding und das Architekturmuseum gehen davon aus, „dass aus dieser Phase weitere Erkenntnisse zu kostengünstigem und gutem Bauen folgen werden“.

Die Pariser Architekten "Lacaton et Vassal" umhüllen einen kompakten und massiven Bau mit besonders tiefen Wintergärten aus Polycarbonat.

Ausstellung am 12. April

Das Deutsche Architekturmuseum am Schaumainkai 43 zeigt die Arbeiten in einer Ausstellung, die am Freitag, 12. April, um 19 Uhr eröffnet wird. Diese Schau und auch der Wettbewerb sind Teil des Projekts „Neues Frankfurt“, Frankfurts Beitrag zum nationalen Bauhaus-Jahr 2019.

(red)

Das könnte Sie auch interessieren