Nihat Cesur
+
Nihat Cesur

"Millî Görüs"

"Gestatten, Muslim": Islamische Gemeinschaft will Vorurteile abbauen

  • VonRobin Göckes
    schließen

Gesicht zeigen, Vorurteile abbauen und ins Gespräch kommen - so lauten die Ziele einer Aktion der Islamischen Gemeinschaft „Millî Görüs“.

In mindestens 13 hessischen Städten werden am kommenden Samstag, 29. April, die Gemeindemitglieder der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) auf die Straße gehen, Rosen verteilen und für sich und ihren Glauben Werbung machen. „Gestatten, Muslim“ nennt sich die europaweite Aktion der IGMG.

Auch in Frankfurt an Hauptwache und Zeil werden Gläubige „das Gespräch suchen und Berührungsängste abbauen“, wie Nihat Cesur, Öffentlichkeitsbeauftragter des IGMG Landesverbands Hessen, sagt. „Wir wollen die Menschen einladen, auch mal in eine Moschee zu kommen, uns aber auch außerhalb zeigen.“

Der Kontakt zwischen Muslimen und Andersgläubigen sei nach wie vor ausbaufähig. „Leider haben viele Menschen Hemmungen, etwa in eine Moschee zu kommen. Es gibt viele Vorurteile“, sagt Cesur und beklagt, dass allzu oft beim Thema Islam alles „in einen Topf“ geworfen werde. Das hänge auch mit den jüngsten Anschlägen in Europa zusammen. „Die Leute hören, dass es jemand mit einem muslimischen Namen war – und das bleibt dann hängen.“

Mit der Aktion solle gezeigt werden: „So wie die, die diese Anschläge verüben, ticken wir nicht. Der Islam ist Frieden. ,Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der seinen Mitmenschen am nützlichsten ist‘, sagte unser Prophet“, erklärt Cesur.

Empathie soll durch die europaweite Aktion der IGMG erzeugt werden, Offenheit soll sie vermitteln – und ganz offen geht Nihat Cesur auch damit um, dass gerade die Organisation, die er vertritt, in der Vergangenheit oft im Zentrum der Kritik stand.

Die IGMG tauchte in der Vergangenheit über mehrere Jahre in den Verfassungsschutzberichten zahlreicher Bundesländer auf, ihr wurden verfassungsfeindliche Tendenzen und ein ideologisch geprägtes Weltbild zugeschrieben. „In den nördlichen Bundesländern sind wir inzwischen aus den Berichten raus“, sagt Cesur. Lediglich in den Berichten aus vier Bundesländern wird die IGMG noch erwähnt.

Hessen gehört allerdings dazu, auch wenn im Bericht von einer teilweisen Abkehr von einer islamischen Ideologie die Rede ist. „Es lagen aber tatsächliche Anhaltspunkte vor, dass Teile der IGMG der Millî-Görüs-Ideologie nach wie vor folgen und diese langfristig umsetzen wollen“, heißt es im hessischen Verfassungsschutzbericht. Zu den Verfechtern der Ideologie zähle auch der hessische Landesverband der IGMG.

Cesur ist dennoch positiv gestimmt. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir zeitnah auch in den restlichen Berichten nicht mehr auftauchen werden.“ Auf regionaler Ebene sei der Kontakt zwischen dem Verband und der Politik schon jetzt oft sehr gut. „Auf Landesebene müssen wir das noch etwas ausbauen, aber das beruht auf Gegenseitigkeit.“

Die IGMG kümmere sich nur um die religiösen Angelegenheiten und Bedürfnisse ihrer Gemeindemitglieder – etwa Pilgerfahrten oder Bestattungen – und organisiere zudem Weiterbildungskurse für Imame in deutscher Sprache, Nachhilfe- oder Hausaufgabenkurse. „Hinter unserer Arbeit steht explizit kein politischer Anspruch“, sagt Cesur.

Von der Zentrale der IGMG werde lediglich ein Leitbild ausgegeben, nach welchem sich die Gemeindemitglieder aktiv in die Gemeinschaften, in denen sie leben, integrieren sollen. „Man soll eben von seinen bürgerlichen Rechten Gebrauch machen. Etwa wählen gehen, oder sich selbst zur Wahl aufstellen lassen, wenn man einen deutschen Pass hat“, erklärt Nihat Cesur. göc

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare